Lightroom
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Lightroom CC für absolute Anfänger – Teil 2

In Teil 2 der Serie Lightroom für absolute Anfänger geht es um das Herzstück von Lightroom: Das Entwickeln-Modul. Im Gegensatz zu Photoshop, wo immer mindestens drei Wege zum gleichen Ergebnis führen und die Lernkurve wirklich steil nach oben geht, ist Lightroom für die grundlegende Bearbeitung geradezu einfach. Da fast ausschließlich Schieberegler verwendet werden, ist die Bearbeitung der Bilder wesentlich einfacher und schneller, auch wenn natürlich die Möglichkeiten eingeschränkter sind als in Photoshop.

Übersicht Entwickeln-Modul

Zuerst stelle ich dir das Layout des Entwickeln-Moduls einmal vor. Falls die linke und rechte Spalte nicht zu sehen sein sollten, kannst du entweder auf die beiden kleinen Pfeile links und rechts am Rand klicken, oder die Tab-Taste einmal drücken. Das sollte die Spalten wieder einblenden.

Linke Spalte

In der linken Spalte ganz oben befindet sich der Navigator, mit dem du den Überblick behalten kannst, wenn du mal in ein Bild zoomst. Das geht übrigens mit einem Klick auf das große Bild in der Mitte oder durch drücken der Leertaste. Beim Navigator kannst du auch die Zoomstufe einstellen. Ich empfehle dir die 1:1-Vorschau zu benutzen, die auch 100%-Ansicht genannt wird. Dort entspricht ein Pixel im Bild einem Pixel auf deinem Bildschirm. Da die meisten Kameras ja eine wesentlich höhere Auflösung als dein Bildschirm haben, müssen die Bilder für die normale Ansicht verkleinert werden. Deshalb kann man dort die Schärfe nicht so gut beurteilen wie in der 100%-Ansicht.

Als nächstes folgt das Panel mit den Bearbeitungsvorgaben. Lightroom bringt da schon einige mit, die taugen aber mehr um die Möglichkeiten zu testen, als wirklich brauchbare Bearbeitungsergebnisse zu erzielen, da die Einstellungen viel zu krass sind. Aber probier sie ruhig mal aus. Einfach auf die Vorgabe klicken, fertig.

Unterhalb der Vorgaben befindet sich die Schnappschüsse. Die sind hilfreich, wenn man sich einen Bearbeitungsstand speichern möchte. Eine elegantere Lösung dafür sind aber die „Virtuellen Kopien“, weil die verschiedenen Bearbeitungen dann als eigenes Bild in der Bibliothek auftauchen.

Unter den Schnappschüssen gibt es das Protokoll. Hier wird jeder Bearbeitungsschritt, den du vornimmst, gespeichert. Auch in einem halben Jahr kannst du dann noch einzelne Schritte zurückgehen.

Rechte Spalte

Rechts nimmst du alle Bearbeitungen am Bild vor. Ganz oben siehst du das Histogramm, dass dir eine grafische Darstellung der Farben und Helligkeiten gibt. Dazu habe ich schon mal ein Video-Tutorial gemacht.

In der Spalte unter dem Histogramm und den Metadaten findest du alle Bearbeitungswerkzeuge, die nicht auf das ganze Bild wirken, sondern nur auf die Teile, die du damit auswählst.

Als erstes das Werkzeug für den Bildausschnitt, dann das für die Bereichsreparatur – quasi das Pickel-Werkzeug 😉 – daneben das für die Rote-Augen-Korrektur, die Verlaufsfilter in gerade und kreisförmig und der Pinsel.

Mit den Verlaufsfiltern und dem Pinsel kannst du viele der Bearbeitungen, die du am ganzen Bild vornimmst, auch auf ein paar ausgewählte Bereiche anwenden um beispielsweise einen ausgebrannten Himmel zu retten. Auch dazu habe ich schon ein Tutorial-Video gemacht. Darunter kommen nun alle Bearbeitungsmodule.

Tipp: Wenn du mit gedrückter Alt-Taste auf den Namen eines der Module klickst, kommst du in den Solo-Modus, in dem immer nur ein Panel geöffnet ist. So behält man leichter den Überblick. Wenn Du einen Rechtsklick darauf machst, kannst du einzelne Panele auch komplett deaktivieren oder den Solo-Modus wieder ausschalten.

Bildbearbeitung

Grundeinstellungen-Panel

Bei den Grundeinstellungen kannst du dich als erstes für eine Bearbeitung in Schwarzweiß oder in Farbe entscheiden. Bei Farbfotos mache ich als erstes immer die Belichtung, weil die auch einen Einfluss auf den Weißabgleich hat. Der ist aber gleich der zweite Schritt. Den Kontrastregler fasse ich meistens nicht an, sondern korrigiere das Bild erst mit den Lichter- und Tiefen-R

eglern und bearbeite den Kontrast anschließend mit den Weiß- und Schwarz-Reglern.

Mit dem Klarheit-Regler ist für die „Mikrokontraste“ zuständig. Das sind besonders „Kanten“ im Bild, wie Äste vor einem Himmel. Damit sollte man sehr sparsam umgehen, da der Effekt schnell zu krass wird. Mehr als 20 nehme ich selten, schärfen geht nämlich später noch besser.

Der Dynamik-Regler ist für die Sättigung der schwach gesättigten Farben zuständig, der Sättigung-Regler für alle Farben. Auch mit diesen beiden gehe ich sehr sparsam um, der Sättigung-Regler steht meist zwischen 5 und 20, da ich die Sättigung später im HSL-Panel für die einzelnen Farben getrennt einstelle.

Gradationskurve

Die Gradationskurve ist in Lightroom und Photoshop ein sehr präzises Werkzeug um den Kontrast einzustellen. So kann man zum Beispiel in den zu dunklen Teilen eines Bildes die Tiefen ein wenig aufhellen, damit man keine komplett schwarzen Flächen hat und die Details erhalten bleiben und trotzdem Abdunkeln mit dem Dunkle Mitteltöne-Regler den Kontrast erhöhen. Mit den drei Reglern am unteren Ende der Darstellung der Kurve kannst Du den Bereich einstellen, in dem die Regler wirken.

Farbeinstellungen

Hier können Farbton, Sättigung und Helligkeit für acht verschiedene Farbbereiche getrennt eingestellt werden. Ich benutze meist die HSL-Ansicht und klicke dort auf alle, damit ich nicht so viel zwischen den einzelnen Untereinstellungen hin- und herblicken muss. Das geht auch mit der Farbe-Ansicht. Im Schwarzweiß-Modus kannst Du die Helligkeit der einzelnen Farben einstellen.

Tipp: Um schöne Hauttöne bei Portraits hinzubekommen senke nicht die Orange-Sättigung, sondern schiebe den Luminanz-Regler ein wenig nach rechts. Ist die Haut zu rot, kannst du den Rot-Farbton-Regler ein wenig nach rechts schieben.

Achte besonders auf die Hauttöne bei Portraits und die Grüntöne, wenn Du Natur im Hintergrund hast. Das menschliche Gehirn ist aus der Urzeit noch mega darauf getrimmt möglichst viele Grüntöne auseinanderhalten zu können. Die Grüntöne in meinen Bildern sind meist ziemlich entsättigt und eher auf der kühlen Seite.

Tipp: Bevor du dich an die Farbbearbeitung machst, sollten der Weißabgleich und die Belichtung unbedingt stimmen. Das ist besonders bei Portraits wichtig. Die beiden haben enorme Auswirkungen auf die Farben.

Ein cooles Feature des Farb-Panels ist der kleine Kreis links neben den Reglern. Wenn du darauf klickst und und dann im Bild an der Stelle, die bearbeitet werden soll klickst und nach oben ziehst, ändern sich genau die richtigen Regler für die Stelle.

Teiltonung

Hier kannst Du dir jeweils mit dem Farbton-Regler eine Farbe aussuchen und die in den hellen oder den dunklen Farbtönen langsam mit dem Sättigungsregler reinfahren. Das funktioniert zum Beispiel für den „Orange & Teal-Look“ aus Sommer-Blockbustern gut. Dafür einfach in den Lichtern einen orangenen Farbton und in den Schatten ein türkiser. Auch Sepia-Looks gehen gut damit.

Details

Das Details-Panel ist für die Schärfung zuständig. Der ausgewählte Bildausschnitt über den Reglern passt meiner Erfahrung nach sehr gut um die Schärfe und das Rauschen zu beurteilen.

Zum Schärfen ziehe einfach den Betrag-Regler nach rechts. Ich habe ihn immer auf ungefähr 50-60 eingestellt. Die anderen lasse ich meist so, wie sie sind.

Tipp: Probiere am besten die Regler mit gedrückter Alt-Taste zu bewegen, dann wird immer eine Ansicht eingeblendet, die am besten geeignet ist, um die Einstellung des jeweiligen Reglers zu beurteilen.

Die Rauschregler habe ich immer auf Luminanz 0 und Farbe 25. Das ist eine gute Einstellung für fast alle Fälle. Bei Schwarzweiß-Bildern sind bei mir beide auf 0. Wenn Dir das Rauschen zu stark sein sollte kannst du die Luminanz- oder Farbe-Regler einfach ein wenig nach rechts ziehen. Nicht zu stark, sonst wird das Bild unscharf.

Objektiv-Korrekturen

Hier würde ich einfach die beiden Haken bei Chromatische Aberrationen und Profilkorrekturen aktivieren setzen. Meist ist ein passendes Profil für dein Objektiv gespeichert. Wenn nicht, klicke auf Manuell um die Verzerrung zu korrigieren.

Wenn du wie ich die natürliche Vignettierung des Objektivs lieber magst, als die von Lightroom erstellte, kannst du den Vignette-Regler einfach wieder auf 0 ziehen.

Transformieren

Mit dem Transformieren-Panel kannst du verzerrte Bilder ein wenig begradigen. Wenn Auto hier keine befriedigenden Ergebnisse erzielt, klicke auf das Symbol in der oberen linken Ecke des Panels, dann kannst du Linien entlang der zu begradigenden Linien ziehen. Auch das kann man besser in einem Video erklären 😉

Effekte

Hier kannst Du eine Vignette und Körnung (Rauschen) hinzufügen. Schiebst du den Betrag-Regler der Vignette nach links, wird sie dunkler, nach rechts heller. Eine helle Vignette finde ich aber extrem unnatürlich, deswegen benutze ich immer nur die dunkle. Besonders der Weiche Kante-Regler ist hier wichtig, damit die Vignette nicht zu künstlich aussieht. Die anderen Regler sind selbsterklärend 😉

Seit kurzem neu ist der Dunst entfernen-Regler. Damit kann man zum Bespiel bei starkem Gegenlicht den Kontrast ein wenig zurückholen, oder – in die andere Richtung – diesen Hipster-Effekt mit den matten Tiefen erzielen.

Kamerakalibrierung

In dieses Panel solltest du dich vermutlich erst vortrauen, wenn du die Farbregler und den Weißabgleich gut beherrscht. Hier kann man dessen Ergebnisse noch ein wenig finetunen.

Bearbeitungs-Vorgaben

Dadurch, dass man die Einstellungen eines Bildes als Vorgabe speichern und somit auf andere Bilder übertragen kann, beschleunigt sich die Bearbeitung enorm. Zusätzlich werden die Fotos einer Serie viel konsistenter. Zwar kann man sich auch viele tolle Presets – das englische Wort für Vorgaben – kaufen, für den Anfang würde ich dir aber erstmal empfehlen ein paar eigene Bearbeitungen zu speichern, um die Regler kennenzulernen.

Wenn du ein paar Hundert Bilder bearbeitet hast, kannst du zum Beispiel die VSCO-Presets mal ausprobieren, die haben ein Essentials-Paket, das für den Einstieg super ist. Auch viele Fotografen bieten Lightroom-Presets an, schau auf den Websites deiner Lieblingsfotografen einfach mal nach.

Ich benutze die Lightroom-Presets sehr viel, habe da aber auch meine 2-3 Favoriten, die ich für meine Bedürfnisse noch angepasst habe. Weiter unten zeige ich dir, wie man eine eigene Vorgabe speichert.

Eigene Lightroom-Vorgaben erstellen

Wenn du mit der Bearbeitung eines Bildes zufrieden bist, und ein eigenes Preset erstellen möchtest, kannst du einfach auf das kleine Plus-Symbol in der rechten Spalte bei „Vorgaben“ klicken. Dann öffnet sich ein Dialog, in dem du auswählen kannst, wie die Vorgabe heißen soll, in welchem Ordner sie gespeichert wird, und welche der Einstellungen enthalten sein sollen.

Besonders der letzte Punkt ist praktisch, denn so kann man einzelne Presets für verschiedene Teile der Bearbeitung erstellen. Zum Beispiel eine Vorgabe für die Farbbearbeitung, eine für für die Gradationskurve und eine für verschiedene Vignetten. In dem Preset, das ich am meisten verwende, sind alle Einstellungen gespeichert, außer Beschnitt, lokaler Bearbeitungen, Weißabgleich, Belichtung, Kontrast-Regler, Dynamik, Transformieren und der Vignette.

Aber probiere es einfach aus und finde da deinen eigenen Weg!

 

Hier gibt es das Ganze auch noch einmal als Video:

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