Technik, Test
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Ein Jahr mit der Canon 5D Mark IV – Der Langzeittest

Als ich im September 2016 die Canon EOS 5D Mark IV zur Veröffentlichung vorbestellt habe, hoffte ich, dass ich eine gute und verlässliche Kamera bekommen würde, die einen guten Ersatz für meine doch schon in die Tage gekommene 5D Mk II darstellt. Damals hatte ich schon einen ersten Test veröffentlicht. Die kleinen Macken einer Kamera erkennt man aber ja erst, sobald man sie mal wirklich bei ein paar Jobs im Einsatz gehabt hat. In den letzten eineinhalb Jahren hab ich ca 50.000-60.000 Fotos mit ihr gemacht, seitdem auch alle Youtube-Videos und einige andere Video-Produktionen mit ihr gedreht und entsprechend mit der 5D Mark IV viele Erfahrungen gesammelt. Deshalb ist es nun an der Zeit für einen Langzeittest.

In diesem Test geht es weniger um Leistungsdaten und Schärfecharts, die kann man viel besser bei DPReview und Traumflieger nachlesen. Ich gebe euch lieber meine Erfahrungen wieder.

Die EOS 5D Mark IV – Ein Arbeitstier

In der ganzen Zeit, in der ich die 5D jetzt besitze, hatte ich nicht ein einziges größeres technisches Problem mit ihr selbst. Die Schwierigkeiten gab es nur mit den Linsen oder den Funkauslösern für die Blitze. Die Kamera selbst ist einfach verlässlich, trifft ziemlich oft ziemlich gut den Fokus und wenn ein Bild mal unscharf ist, liegt es in den meisten Fällen an mir. Es ist auch egal, ob es draußen -10°C oder +35°C sind, die Canon läuft einfach. Diese Zuverlässigkeit ist, wenngleich sie selbstverständlich erscheint, für einen Profifotografen, der mit der Kamera sein Geld verdient, einfach extrem wichtig. Wichtiger noch als die meisten verbauten Features.

Genauso wichtig ist auch das Handling. Ich habe vergleichsweise große Hände, deshalb funktionieren die meisten kleinen spiegellosen Kameras für mich höchstens mit Batterie- oder Handgriff. Die EOS liegt aber stets gut und angenehm in der Hand. Auch bei Carmen, die deutlich kleinere Hände hat, gibt es an dieser Front keine Probleme. Alle Kanten sind abgerundet, auch nach 12 Stunden Fotografieren holt man sich keine Blasen.

Bei der 5D Mark IV ist ja ein neuer Button in Daumenreichweite über dem großen Auswahlrad dazugekommen. Leider von den sechs möglichen Funktionen  aus meiner Sicht nur zwei sinnvoll: Der Sprung des Autofokus-Punkts vom ausgewählten zum mittleren und zurück, was aber auch mit einem Druck auf den Mittelpunkt des Joysticks geht, und die Verstellung des ISO-Wertes beim Halten des Buttons.

Der M-FN-Button auf der Oberseite der 5D Mark IV

Der M-FN-Button beim Auslöser der 5D Mark IV

Das Gleiche gilt für den „M-Fn“-Button neben dem Auslöser. Funktionen wie das Umschalten zwischen RAW und Jpeg, und solche, während derer man den Button halten muss, sind einfach an der Stelle unglücklich platziert. Eine sinnvolle Belegung habe ich inzwischen gefunden. Man kann zwischen Belichtungskorrektur/ISO, AF-Modus/Verschlussmodus und Weißabgleich/Belichtungsmessmethode durchschalten und diese dann mit den beiden Wahlrädern ändern. Das ist praktisch, weil man so die Kamera nicht vom Auge nehmen muss und die Positionen der drei dafür vorgesehenen Buttons etwas vom Auslöser entfernt sind. Die anderen Möglichkeiten wie die Fokus- oder Belichtungsspeicherung sind allerdings meist nutzlos, insbesondere, wenn man mit Backbutton-Fokus arbeitet.

Und damit sind wir auch schon bei einem meiner Kritikpunkte. Das Bedienkonzept ist an sich schlüssig und durchdacht. Allerdings auf Kosten der freien Wahl, was man auf die verschiedenen Tasten legen möchte, wie Fuji und Sony das tun. Mein Vorschlag für Canon wäre,zumindest für die „AF-Bereich-Wahltaste“ und die „M-FN“-Taste neben dem Auslöser mehr Funktionen bereitzustellen. Auch die AF-Punkt-Auswahltaste lässt sich nicht frei belegen, ist aber aufgrund des Joysticks eigentlich überflüssig. Die anderen Tasten sind schon logisch belegt, immer wieder bewährt hat sich auch das zeitweise Umschalten vom Oneshot-AF auf Servo-AF während man den Blendenvorschau-Button unten neben dem Objektivbajonett gedrückt hält.

Der Touchscreen begeistert mich sehr, ich hätte nicht gedacht, dass er beim Fotografieren so hilfreich ist. Besonders das Menü lässt sich dadurch deutlich angenehmer bedienen, aber auch für den Autofokus im Liveview funktioniert er einfach gut.

Die Bildqualität der 5D4

Die Qualität der Bilder ist für eine Foto-Kamera ja eines der entscheidenden Merkmale. Und da braucht sich die 5D überhaupt nicht verstecken. Im Vergleich zur 5D Mk II, die wir immer noch parallel benutzen, fällt vor allem der größere Spielraum beim Bearbeiten auf. Durch den größeren Dynamikumfang lassen sich in der Post-Production sowohl aus den Lichtern als auch aus den Schatten mehr Informationen wieder herausholen, was uns schon bei so mancher Sommerhochzeit zur Mittagszeit echt geholfen hat. Auch die Hauttöne sind wesentlich genauer und natürlicher getroffen und benötigen weniger Nacharbeit.

Die höhere Auflösung von 30 Megapixel (6720 x 4480px) habe ich nicht unbedingt benötigt, da ich meine Bilder meist mit 3600px an der langen Kante ausgebe. Trotzdem halte ich eine höhere Auflösung für etwas Gutes. Sie erhöht die Bildqualität auch bei Objektiven, welche die mögliche Auflösung gar nicht ausnutzen. Allein schon die Farben werden so präziser wiedergegeben. Zusätzlich hat man genug Spielraum um den Ausschnitt in der Bearbeitung noch etwas verkleinern. Und für den Fall, dass man doch mal einen großen Druck produzieren muss, sind genügend Megapixel vorhanden um die benötigte Auflösung zu liefern. Der Sensor rauscht auch bei höheren ISO-Werten deutlich weniger als die Vorgänger. Bis ISO 3200 bin ich da inzwischen total entspannt, aber auch höhere Werte sind möglich und sehen noch ganz gut aus. Ich benötige sie aber dank meiner Festbrennweiten nur selten.

Den Dual Pixel Raw-Modus habe ich seit dem Test-Video nicht mehr benutzt. Der Vorteil des nachträglich verschiebbaren Fokus wird einfach durch die Nachteile der doppelt so großen Dateien, die nur mit der Canon-Software bearbeitet werden können, revidiert.

Die höhere Serienbildgeschwindigkeit von 7 Bildern pro Sekunde gegenüber 6 B/s bei der Mark III nehme ich auch gerne mit, in der Praxis benötige ich sie aber nur sehr selten.

Die Video-Funktionen der 5D Mk IV

Das für mich wichtigste neue Video Feature ist der Autofokus und der ist richtig gut! Gerade für meine Youtube-Videos ist es echt hilfreich einen funktionierenden Autofokus beim Filmen zu haben, weil ich so nicht immer einen Kameramann benötige. Sobald ein Gesicht im Bildschirm auftaucht wird es von der 5D Mark IV präzise erkannt und der AF folgt ihm. Und das äußerst zuverlässig. Ich habe auch Interviews mit der Kamera gedreht und da war das echt super. Die 5D4 auf dem Stativ als Hauptkamera und mit der 5D2 als zweite Kamera mit manuellem Fokus für die B-Roll. Durch den Touchscreen ist die Bedienung so intuitiv wie bei einem Smartphone.

Äußerst schade finde ich nur, dass kein Klappdisplay wie bei der 80D verbaut wurde. Das wird ja oft mit fehlender Stabilität argumentiert, aber Fuji und Nikon bekommen das bei der GFX50 und der D750 auch hin. Die GFX50 kann man sogar am Klappdisplay hochheben.

Die 4K-Funktionen habe ich bis jetzt nicht benutzt. Zum einen, weil ich den Crop-Faktor für unnötig und nicht zeitgemäß halte, zum anderen, weil ich für einen schnelleren Workflow bei der Videoproduktion lieber alles gleich in 1080p filme. Die 50fps-Funktion habe ich häufiger in Benutzung, vor allem bei Slider- und Produktshots. 120fps stehen nur bei 720p zur Verfügung, deshalb fällt das für mich raus. Generell filme ich alles mit 25fps, damit die 50fps-Clips genau mit halber Geschwindigkeit abgespielt werden können.

Als ich die Kamera gekauft habe, war ich großer Fan des Kopfhörerausgangs. In der Realität habe ich ihn aber nur einmal genutzt. Meist reicht die Level-Anzeige der Lautstärke vollkommen aus. Pflicht ist für mich inzwischen der Mikrofoneingang. Den hat die 5D Mark IV ja auch. Eine Kamera ohne würde ich mir aber auch nicht mehr kaufen.

Was mich richtig nervt beim Filmen, und manchmal auch beim Fotografieren, ist das fehlende Focus-Peaking. Wie ich schon im ersten Video erwähnte, wäre das nur ein kleines Firmwareupdate und kann zur Zeit nur mit Magic Lantern oder einem speziellen externen Video-Monitor nachgerüstet werden. Canons spiegellose EOS M5, oder die Konkurrenzmodelle von Sony, haben Focus-Peaking bereits eingebaut. Die Technologie ist also nicht das Problem. So kann das also nur eine strategische Maßnahme von Canon sein, um mehr Kameras aus der Video-Serie zu verkaufen.

Meine Kritikpunkte an der 5D4

Von der teilweise sinnlosen Buttonbelegung, 4K-Crop, zu schwachem Dual Pixel RAW und fehlenden Klapp-Display und Focus-Peaking habe ich oben ja schon geschrieben. Auch das Laden über den USB-Port wäre auf so mancher Reise schon hilfreich für mich gewesen. So hätte ich nur ein mehrfach-USB-Ladegerät mitnehmen müssen, was Platz und Gewicht im Handgepäck spart. In den meisten Hotels gibt es inzwischen auch eine USB-Steckdose im Zimmer.

Was mich auch nervt ist das veraltete Wifi-Modul. Unser Heimnetzwerk habe ich inzwischen auf 5Ghz umgestellt, da es in unserer Wohnung eine größere Abdeckung bietet. Nun kann sich die 5D aber nicht mehr über das Wifi mit dem Handy verbinden, weil sie nur den alten 2.8Ghz-Standard beherrscht. Der 5Ghz-Standard war aber 2016 schon weit verbreitet, da hat Canon bei der 5D Mark IV echt am falschen Ende gespart.

Mal abgesehen davon, dass die Wifi-Verbindung getrennt wird, sobald die Kamera in den Standby-Modus geht kann an der App auch noch gearbeitet werden. Das funktioniert alles noch ein wenig holprig. Immerhin gibt es einen Video-Live-Feed, sodass man sein Handy als Monitor benutzen kann und auch die Kamerabedienung funktioniert ganz gut. Nicht so gut läuft die Bildübertragung. Wenn man ein JPEG von der Kamera ans Handy senden will geht das aus der App nur in 1920 x 1280px. Wenn man eine höhere Auflösung übertragen will, muss man erst das Wifi an der Kamera ausschalten, dann das Bild in der Kamera in ein JPEG umwandeln, dann das Wifi wieder einschalten und dann kann man über das Kameramenü das Bild übertragen. Das wäre über ein Update der Firmware oder der App leicht zu ändern.

Und da sind wir auch gleich bei der Update-Politik. Während beispielsweise bei Fuji ständig neue Firmware-Updates mit neuen Features nach Wünschen der Kunden herausgebracht werden, hat Canon im März 2017 das letzte Update veröffentlicht. Neue Features? Fehlanzeige! Nur ein paar kleine Fehlerbehebungen. Die meisten technischen Geräte, wie Tablets, Handys, Uhren oder und eben auch Kameras anderer Hersteller  bekommen heutzutage ständig neue Updates und neue Features spendiert, weil eben das meiste per Software geregelt werden kann.

Für Videos wäre ein Stabilisator im Gehäuse noch toll gewesen. Den behält Canon aber leider weiterhin beharrlich im Objektiv. Eine Funktion um Speedlites ohne Aufsteckmodul per Wifi auszulösen wäre genauso toll, da hat aber bis jetzt noch keiner drüber nachgedacht. Platz müsste dafür im Gehäuse noch sein und das wäre mal ein echter Gamechanger. Dann würde es sich auch lohnen den erheblichen Mehrpreis für die Canon-Blitze im Vergleich zu Yongnuo zu bezahlen.

Kommen wir zum Schluss noch zum Preis. Der ursprüngliche UVP von €4.065 ist schon echt heftig und deutlich teurer als seinerzeit die 5D Mark III. Mittlerweile sind auch potente und deutlich günstigere Konkurrenten erschienen und der Straßenpreis ist entsprechend gesunken. Momentan steht er bei Amazon* bei realistischen €2.889. Die Konkurrenten von Sony (A7III* – €2.390) und Nikon (D850* – €3.026, D750* – €1690) kosten ähnlich viel, sind aber neuer und bieten teilweise mehr Features.

Alternativen

Die A7III von Sony hat mich zum ersten Mal hellhörig werden lassen und das sollte sie auch die Entwickler von Canon. Laut Canon Rumors hat sie das auch, die Artikel deuten auf eine spiegellose Vollformat hin, mit dem Sensor der 5D Mark IV und ähnlichen Features wie der A7III. Die Abbildung sieht ähnlich aus wie eine Leica M10, laut den Texten soll sie aber eine ähnliche Ergonomie besitzen wie die 5D. Es wird spannend, was da demnächst kommt.
Hätte die vor kurzem erschienene 6DII einen zweiten Kartenslot, würde ich eher die kaufen, AF und Sensor reichen da für mich aus. Das hat Canon aber auch erkannt und darauf zugunsten der 5D4 verzichtet.

Nikon wirft bei der D850 aktuell noch einmal fast alles zur Zeit in der SLR-Technik mögliche in die Waagschale. Für mich ist sie aber auf Grund der hohen Auflösung eher ein Konkurrent zu Canons 5DSR. Auch hängt Nikon bei den spiegellosen Kameras noch meilenweit hinterher.

Fazit

Für mich ist der Tod der Spiegelreflex noch nicht gekommen. Die 5D Mk IV hat sich in den letzten 1,5 Jahren einfach als ein super zuverlässiges Werkzeug bewährt. Ist sie die perfekte Kamera? Nein. Aber das ist wohl keine. Man muss sich einfach die bestmögliche Kamera für sich suchen. Die 5D Mark IV ist aber eine sehr gute und sehr vielseitige Kamera. Für mich ist sie momentan noch die bestmögliche. Bildqualität und Ergonomie sind Weltklasse, die Videofeatures für mich ausreichend, der Preis inzwischen akzeptabel und das ist für meine Anwendungszwecke entscheidend. Deshalb werde ich vermutlich auch dieses Jahr noch eine zweite kaufen. Viele Features, die ich gerne noch hätte, könnten leicht per Software-Update nachgerüstet werden, da ist Canon sich aber scheinbar zu fein für. Insgesamt ist das aber Jammern auf hohem Niveau. Canon muss nur aufpassen nicht den Anschluss an Sony und Fuji zu verlieren.

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Kategorie: Technik, Test

von

Moin, ich bin Kai und fotografiere für mein Leben gerne. Wenn ich mal keine Kamera in der Hand habe, spiele ich Gitarre, trainiere für den nächsten Triathlon oder chille mit der besten Frau der Welt mit Chips und Netflix auf dem Sofa.

2 Kommentare

  1. Daniel sagt

    Hallo Kai,
    mit ist bei meiner 5DMkIV ein hoher Akkuverbrauch aufgefallen. So verliert der Akku 13%, wenn der LCD Monitor für 30min an ist bzw. 5% in 11min. GPS, WiFi und Beeper waren ausgeschaltet und Speicherkarte und Ojektiv hab ich für den Test entfernt. LCD Helligkeit hatte ich auf 4 fix eingestellt.
    Wie verhält sich deine Kamera in Bezug auf Akkuverbrauch?
    Viele Grüße
    Daniel

    • Kai sagt

      Hey Daniel,
      Das ist mir noch nicht aufgefallen. Beim Fotografieren mit dem Sucher reicht ein Akku bei mir für ca 8h durchgehendes Fotografieren. Aber im Liveview verbraucht die Kamera logischerweise viel mehr Akku weil das Display und der Sensor die ganze Zeit laufen. Ich würde deine Werte als normal einstufen, bei spiegellosen Kameras ist das ähnlich.

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