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Interview mit André Duhme (The Classic Presets)

André Duhme - Fotograf - The Classic Presets

In meinem ersten Interview auf diesem Blog habe ich André Duhme zu Gast. André ist Porträt- und Reportagefotograf aus der Nähe von Regensburg und steckt hinter The Classic Presets. Auf ihn aufmerksam geworden bin ich durch die ECN-2-Presets, die den Cinestill Film in Lightroom nachbilden. Die werde ich demnächst auch hier testen. Bekannter ist er aber für seine Kodachrome-(K14) und Capture-One-Presets.

Wir haben darüber gesprochen, wie schwer es ist analogen Film mit Presets zu emulieren, was Portra 400 mit Vision 3 gemeinsam hat und wie er zwischen großen Produktionen und Low-Budget-Jobs hin und her wechselt. Achtung, es wird lang. Und nerdy! 🙂

Zusätzlich zum Text gibt es das Interview auch als Video und als Podcast:

Interview mit André Duhme – The Classic Presets
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Das Interview in Textform

Kai: Moin André!

André: Morgen! Tatsächlich Morgen! Also ich habe noch nicht gefrühstückt!

Ich auch nicht!

Es könnte sein, dass ich hier und da vielleicht ein bisschen grumpy bin…

Vielleicht brauchst du einen Snickers…

Nenene, keinen Snickers, Süßkram mag ich nicht so

Okay. Wenn man sich deine Website anguckt, dann sieht man da eine Mischung aus Werbung und Porträt – vom Stil her würde ich sagen ein bisschen Reportage. Und wenn man dann so Sachen wie die Schalke E-Sports-Fotos angeguckt, dann sieht das ja teilweise nach großem Budget mit großem Team und so aus. Erzähle doch mal, was du fotografisch so machst.

Ich bin tatsächlich im Reportage- und Porträt-Bereich heimisch, weil Menschen mich halt interessieren und die Geschichten dieser Menschen noch viel, viel mehr. Das ist eigentlich das Schöne an meinem Job. Ich komme immer irgendwo hin und dann gibts da irgendwas zu erzählen und ich lerne dadurch ganz viel. Ich lerne viele Menschen kennen, die ich sonst nie kennenlernen würde, und ich komme an Orte, wo ich sonst nie hinkommen würde. Das ist wunderbar, finde ich.

Ich bin zum Beispiel kein Gamer. Ich weiss, dass es E-Sports gibt, und ich weiß auch, dass Leute damit Geld verdienen. Aber ich würde nie zu Schalke gehen und sagen: »Ich möchte eine Strecke mit euren E-Sports-Leuten fotografieren!« Ich wusste nicht einmal, dass die welche haben und einen Kader aufbauen. Das ist total Neue Welt. Und dann stolperst du da so rein und bist an einem Ort, wo du denkst: »Da wärst du sonst nie hingekommen!« Und dann darf ich da fotografieren, das ist großartig.

In dem Fall war es tatsächlich so, dass ein größeres Team vor Ort war, weil auch noch eine Videoproduktion dazu gemacht wurde. Das lief alles von der AOK aus. Die sponsorn die Schalke E-Sport-Jungs. Fußballer sind manchmal ja noch relativ jung. Die E-Sport-Jungs sind aber gerade mal so der Pubertät entwachsen und trotzdem schon sehr ernsthaft dabei und spannende Charaktere. Um das nochmal zu benennen: Das Interessante ist für mich immer ein reinstolpern in eine neue Welt. Und dann stehst du da halt mit so einem Team, was gerade was ganz anderes machen muss. Und ich flitze dann so zwischendrin mal rein und versuche nochmal ein Protrait zu machen, während eigentlich ne Videoproduktion läuft.

Zum Beispiel nutze ich in einer Umbaupause das Set nochmal. Es war so ein bisschen wie Standfotografie beim Film. Aber mit dem Abarbeiten von Portraits und von ein bisschen Reportage dazu. Die Produktion war schon fertig, da habe ich nicht viel dran zu tun gehabt. Das ist auch ganz großes Glück, was ich oft hab, dass eine große Produktion irgendwo läuft und ich das alles mit nutzen kann.

Du bist also ein Abstauber?

Ja, tatsächlich bin ich der Abstauber. Zum einen sind Konzepte manchmal schon vorher durch Agenturen oder Bildredakteure definiert. Die Ideen muss ich mir nicht ausdenken, sondern die sind mehr oder weniger schon da. Es passiert auch noch relativ viel spontan aber an sich, kannst du nur so gut sein, wie das Motiv. Wenn schon alles da ist, kannst du tatsächlich gute Arbeit machen. Und wenn du ein Team hast, wo zum Beispiel ein Beleuchter mit dabei ist, dann kannst du von nem Know-how zehren, was du selber niemals in der Tiefe erarbeiten kannst. Der macht schließlich nichts anderes als Beleuchtung. Das ist einfach absoluter Luxus. Da kannst du dann gut sein.

Alles andere ist halt immer zäh und du musst hart kämpfen und auch oft reduziert arbeiten. Das heißt große Produktionen habe ich persönlich eher selten. Ich bin eher so der pragmatische Typ, der versucht aus Scheiße Gold zu machen und es groß aussehen zu lassen. Ich fotografiere selten mit Kunstlicht. Wenn, dann meistens nur mit einer Lichtquelle. Eine große Softbox oder ein großer Schirm. Irgendwie auch ganz Low-Budget-mäßig. Kein großes Set-up mit teuren Lichtbauten oder sowas, das dauert mir immer zu lange. Ich hab selten Budgets, wo ich einen Assistenten rechtfertigen kann. Aber die Aufgaben sind manchmal so, dass man sie eigentlich bräuchte. Das ist manchmal schwierig dem Kunden zu erklären.

Das ist aber auch schön. Ich begreife das immer als Herausforderung. Ich musste erst einmal einen Job wegen des Budgets ablehnen. Und da war es tatsächlich so, dass nicht mein Part daran hing, sondern der Part mit den Modellen. Es ging um internationale Nutzungsrechte über 3 Jahre und da hätten wir einfach zu viel gebraucht. Für 6 Leute war kein Geld da, und das lies sich auch nicht lösen.

Aber Fotografie ist immer noch der Teil in deinem Leben, der das Geld einfährt?

Ja, das ist mein Job. Ich möchte auch nicht, dass irgendwas anderes da reingrätscht. Alles andere, was ich mache, möchte ich als Hobby und Liebe zur Sache begreifen. Ich habe das Gefühl, dass wenn du Dinge machst, um damit Geld zu verdienen, dann sagst du: »Ach ich mach das jetzt. Ich weiß, das funktioniert, die Leute bezahlen da was für, aber es ist eigentlich nichts wert.« Für mich ist der Mehrwert dahinter aber ganz ganz wichtig wenn ich irgendwo einen Preis dranschreibe.

Wenn ich irgendwo hingehe und und da meine 8 Stunden an einem Motiv, einer Serie oder an einer bestimmten Aufgabe arbeite, dann weiß ich: Ich habe meine Zeit aufgewendet, ich habe alles getan, was ich tun kann, um das so gut zu machen, wie es nur geht. Ich habe Hürden überwunden und ich habe Probleme gerade gebogen, damit mein Kunde seine Bilder bekommt.

Cinestill 50D
The Classic ECN-2 50D Preset

Wenn ich jetzt aber z. B. ein Preset zusammenklicke, also wirklich zusammenklicke, dann habe ich vielleicht 10 Minuten dran gearbeitet und zehre aber davon monatelang. Weil immer wieder Leute kommen und das kaufen und denken, das macht ihre eigene Fotografie besser. Man kann sich relativ schnell irgendwas ausdenken. Und dann kann man sagen: Ok, es funktioniert halt irgendwie bei den 5 Bildern, die ich zeige. Die sehen dann toll aus, weil die Bilder natürlich großartig sind. Aber ich glaube, da sind wir jetzt schon in nem anderen Thema drin…

Ja, aber das war eigentlich eine ganz gute Überleitung… (lachen)

Hey cool, ich kann Überleitung!

… denn du hast ja auch noch ein anderes Standbein. Nämlich The Classic Presets.

Ja, tatsächlich ist das anteilig gesehen – von der Zeit und von dem, was dabei rum kommt – 50:50. Abends kann man nochmal schnell eine Support-Mail beantworten. Oder man will eigentlich zum Job, und dann da ist noch einer, den du schnell anrufst und dich um sein Problem kümmerst. In den 5 Minuten hättest du eigentlich noch was essen oder Kaffee trinken können oder so. Es ist manchmal ein Spagat zwischen Freizeit und Arbeit, aber ich sehe das halt nicht als Arbeit. Ich sehe das immer als Freizeitaktivität. Weil ich es eh machen würde, auch wenn ich das nicht verkaufe.

Die Presets gibt es nicht, um zusätzlich Geld zu generieren!

Ich mache aber auch mit meiner Fotografie noch nicht die Umsätze, die andere machen. Ich bin gerade mal so dem entwachsen, dass man sagen kann, das ist hart an der Grenze zum “funktioniert nicht”. Also um da jetzt ne Relation zu setzten, ich hab 2016 ca. 23.000 Euro Umsatz gemacht. Mit Steuern und Kosten ist das noch sehr sehr sehr sehr sehr wenig Geld. Und dann muss man sich tatsächlich fragen: »Wieso machst du das?« Weil ich es liebe, deswegen! Also ich habe es nie wegen des Geldes gemacht. Deswegen kommen dann auch Probleme auf dich zu. Aber die Presets gibt es tatsächlich nicht, um diese Probleme zu lösen oder um irgendwie noch zusätzlich Geld zu generieren. Das wollte ich nie so sehen und möchte ich auch weiterhin nicht so sehen. Wenn ich irgendwann mal das Gefühl habe, dass das eintritt, dann muss ich halt damit aufhören und mich irgendwo anstellen lassen. Ich kann dann nicht sagen: »Ich will jetzt Presets verkaufen, Workshops geben, Tutorials verkaufen oder so. Das finde ich schwierig auf eine Art. Aber das ist ein komplexes Thema und beantwortet nicht unbedingt deine Frage…

Das macht nichts! Was ist die Idee denn hinter The Classic Presets? Das sind ja alles irgendwie Presets, die einen analogen Look haben, oder auf analogen Film basieren Aber du hast ja wahrscheinlich irgendeine Idee dahinter, weil es sowas ja schon von VSCO und von Mastin Labs gab.

Es gibt ganz viel davon am Markt. Irgendwie hat jeder schon mal irgendwas in die Richtung gemacht und ganz viele bauen ihre Arbeiten auf VSCO oder Really Nice Images oder sowas auf. Portra 400 hat glaube ich jeder schon mal irgendwie gemacht. Und jeder sagt, Portra ist das einzig Wahre. Nur ich nicht. Für mich ist das ein ganz komplexes Thema.

Wenn man sagt, dass man einen Film in Lightroom emuliert, ist das eigentlich schon falsch. Man müsste erstmal fragen, wie der Film eigentlich vorher digitalisiert wurde.

Wenn man sagt, dass man einen Film in Lightroom emuliert, ist das eigentlich schon falsch. Man müsste erstmal fragen, wie der Film eigentlich vorher digitalisiert wurde. Welcher Scanner und welche Software wurde dafür benutzt? Ob man dafür Silverfast, einen Fuji Frontier oder einen Noritsu-Scanner nimmt, macht einen wahnsinnigen Unterschied. Die sehen alle unterschiedlich aus, die Software korrigiert anders. Nächste Frage: Wie wandelst du das Negativ um? Machst du das mit der Scanner-Software, machst du das in Photoshop, oder mit Negative Lab Pro? Alles sieht anders aus. Es gibt kein »So sieht der Film aus!«, außer man macht tatsächlich eine Ausbelichtung auf Papier, und scannt die. Dann hätte man irgendwie etwas Wahres. Irgendwie muss man dann auch sagen, das sieht auf diesem Papier so aus. Auf einem anderen Papier sieht’s wieder anders aus und der Entwicklungsprozess und all das spielt da rein. Ob der Film unterbelichtet wurde, ob der überbelichte wurde… 1000 Sachen.

Und dann zu sagen, dieses Preset bildet den Film genau ab, finde ich schwierig. Weil ich eigentlich losgehen und den Leuten erklären möchte, wie das funktioniert und was man erhalten kann.

The Classic ECN-2 50D Preset – Bild von Daniel Müller

Jeder Film funktioniert ein bisschen anders. Auch je nach Motiv. Ist da sehr viel Licht drauf, ist da sehr wenig Licht drauf, welche Lichtquellen sind da drauf? Film geht mit Mischlicht viel besser um. Wenn wir sehr kalte und sehr warme Lichtquellen im Bild haben, kriegt der das wunderschön hin. Digital legst du dich immer auf eine Lichtquelle fest und die andere geht ein bisschen unter.

Das nächste Problem ist Lightroom, weil es sehr oft Korrekturen nicht nur im Luminanz-Bereich umsetzt. Wenn man dann Tonwerte verschiebt, zum Beispiel den Kontrast erhöht, kriegt man immer auch mehr Sättigung mit rein. Das heißt, ich baue die korrekten Tonwerte für meine Filmemulation und habe dann plötzlich ganz andere Sättigungsverhältnisse in bestimmten Farben. Da kann ich dann wieder gegensteuern, aber da ein Verhältnis rauszufinden… keiner weiß, wie da der Faktor ist.

Aber wie legst du dich dann fest? Also wie sagst du: »Das ist das erste Preset!«?

Ich bin losgegangen und habe erstmal recherchiert, was ein Cinestill und was ein Vision 3 ist, und wo die herkommen und mir angeschaut, wie die Bilder aussehen, die man auf Flickr und im Internet findet. Dann habe ich rausgefunden, dass Vision 3 und Portra eine ähnliche Emulsion benutzen. [Für alle Anfänger: Die Emulsion ist die Chemie, die auf dem Film drauf ist und das Licht einsammelt.]
Das nutzen beide die gleiche Technologie. Die wurde nur für Vision 3 ein bisschen verändert, weil das Bewegtbild bestimmte Charakteristiken benötigt. Zum Beispiel einen anderen Weißpunkt. Vision 3 800 T ist ja bei ungefähr 3200° Kelvin angelegt, damit Tungsten-Licht weiß ist. T steht für Tungsten, also Kunstlicht.

Dann habe ich erstmal für mich selbst rumgeklickt und so kommt man irgendwie in so eine Richtung. Weit weg, aber irgendwo hast einen Bezug. Und dann musst du herausfinden, wie du die Details klarkriegen kannst. Ich habe gerade ein gelbes T-Shirt an, das ist zum Beispiel eine Farbe, die beim 800T relativ schwierig war. Das geht da eher so ein bisschen ins Grünliche, eher Kühlere. Ein anderes Gelb geht dann wieder in eine andere Richtung, das kriegst du in Lightroom nicht mehr hin. Also fängst du an, Kameraprofile zu missbrauchen. Nicht um Kameras aneinander anzugleichen, sondern um mehr Arbeitsmöglichkeiten zu haben, um ein Gelb in die eine Richtung zu pushen und ein anderes Gelb dann in die andere Richtung. Das hinzukriegen ist eine unglaubliche Fummelei und hat fast 2 Monate gedauert, .

Dazu habe ich mir Cinestill-Filme geholt und Testbilder fotografiert. Immer ein digitales Bild und ein analoges. Dabei waren auch immer normale Motive, sodass man halt nicht bloß so eine Testsituation hat, sondern auch mal ein normales Bild. Das gibt ja tatsächlich das wieder, was man mag, was man auch wirklich fotografieren wollte. Teilweise habe ich auch einfach ein Colorchart da reingehalten um eine Referenz zu haben, um zu sehen, wie denn andere Farben in dieser Lichtsituation aussehen.

Ich habe da aber nicht so viel gemacht, wie VSCO angibt, dass sie es gemacht haben. Ob die es tatsächlich gemacht haben, weiß ich nicht. Die haben die Kameraprofile aber so ähnlich benutzt. Wenn du dir die Packs von denen mal anguckst und da alles durchklickst und guckst, wie die arbeiten, stellst du auch fest: Je jünger die sind, und je weiter die da irgendwie Sachen gemacht haben, desto weniger Einfluss haben die Profile. Das war am Ende glaube ich nur noch Marketing, dass sie Kamera-Profile haben und dass das ja super genau ist und so. Am Anfang haben die noch relativ viel gemacht. Da haben sie es wahrscheinlich genauso genutzt, wie ich: als Workaround. Am Ende war es dann wahrscheinlich so, dass sie selber so viel Know-How hatten, dass sie nicht so viel über die Profile machen mussten.

Je nachdem, wie authentisch man werden will, hast du in Lightroom also manchmal nicht genug Möglichkeiten. Du kannst nicht sagen, wie viele Bilder du dafür machen musst, du kannst nicht sagen ob du wirklich genau da hinkommst oder ob du am Ende erfolgreich sein wirst. Du musst auch gucken, wie authentisch muss es sein, wie authentisch möchte es der Kunde? Ich möchte zum Beispiel immer authentischer als die Kunden es haben wollen.

Bei einem Projekt bin ich soweit über das Ziel hinausgeschossen, dass damit weniger Leute etwas anfangen können, weil sie gar nicht verstehen, was ich damit möchte und wo es hingehen sollte. Die Bilder sind eben viel zu flach. Die Kunden wollen was Knalliges. Die wollen irgendwas haben, wo sie draufklicken und dann ist das Bild plötzlich bunt. Es soll plakativ sein. Nicht alle, aber mache. Und wenn man etwas super Flaches baut, was sehr nah an dem ist, wie du zum Beispiel einen flachen Scan anlegst, damit du ihn dann später in Photoshop weiterverarbeiten kannst, dann weiß keiner was damit anzufangen, weil kaum noch Leute scannen. Es gibt ja zwar Leute, die machen noch sehr, sehr viel, aber das sind halt wenige im Vergleich zu den digitalen Nutzern.

Nochmal zurück zu deinen Presets. Stell die doch mal vor. Was hast du so im Angebot? Ein 30 Sekunden Pitch pro Pack!

30 Sekunden pro Pack, das kann ich doch niemals benennen… [lacht]

ungefähr…

Pass auf, ich habe angefangen, weil ich Kodachrome haben wollte. Kodachrome ist der Heilige Gral, was Filmfotografie angeht. Weil du ihn kannst nicht mehr fotografieren kannst. Also fotografieren kannst du noch, aber nicht mehr entwickeln, weil die K14 Chemie von Kodak nicht mehr angeboten wird. Das Entwickeln ging damals auch nur in zertifizierten Laboren. Es war deren Produktversprechen zu sagen: »Egal wo du hin gehst, wenn du deinen Film entwickelst, dein Film wird immer im gleichen Prozess entwickelt, immer nach den gleichen Standards, egal welches Labor das macht.« Das ist halt immer ein genormter Prozess

Kurze Zwischenfrage dazu: Ist das die Filmrolle in Das erstaunliche Leben des Walter Mitty?

Äh, ja ich glaube schon. Da gehts ja um National Geographic oder Life oder sowas, oder? Jaja, da lehnt das an. Es gibt einen Film, der heißt Kodachrome, der ist glaube ich noch auf Netflix. Da geht’s darum, dass Leute halt zu dem letzten Labor reisen, um da die letzte Rolle entwickeln zu lassen. Das war irgendwie das letzte in Amerika, was das noch gemacht hat. Die haben 2011 oder so damit aufgehört.

Kodachrome ist quasi ein Diafilm. Also er funktioniert nicht wie Dia, aber es ist so, dass du erstmal ein Schwarz-weiß Bild hast, die Farbe wird im letzten Prozess erst drüber gelegt. Also quasi im letzten chemischen Prozess. Das bildet auf eine sehr sehr schöne Art ab, macht auch sehr schöne Farben und ich glaube weil es das nicht mehr gibt, ist das der heilige Gral. Das Problem ist, dass du damit keine Referenzbilder mehr machen kannst. Du kannst nicht losgehen und sagen: »Ich fotografiere das gleiche Motiv mit den gleichen Settings einmal analog, einmal digital, wie ich es bei den Cinestill-Geschichten gemacht habe.«
Ich habe dann 2 Jahre immer mal wieder dran rumgeklickt, kam aber nicht weiter. Zum Beispiel weil ich festgestellt habe, dass es in so rot-orangen Hautton-Verläufen in nem ganz bestimmten Farbbereich manchmal Anstiege in der Sättigung gibt.

Ich habe dann lange überlegt, wie ich das hinkriegen kann. Also wie genau ich da dran drehen kann. In Lightroom geht es halt nicht. In Photoshop okay, da kriegst du es irgendwie so ein bisschen hin. Aber das ist dann immer eine Lösung für ein Bild. Und dann ist mir die Lösung mit den Profilen eingefallen. Weil VSCO es ja auch irgendwie so gemacht hat. Ich habe dann probiert und rumgeklickt und kam auf relativ ansehnliche Bilder.

Letztendlich ist es Wahnsinn, zu behaupten, K14 bildet Kodakchrome ab. Das ist einfach nicht zu erreichen. Also technisch nicht zu erreichen, weil die Tools, die wir haben, uns immer für ein Motiv eine Lösung geben. Am Ende war es ein Kompromiss.

Es ging dann damit weiter, dass plötzlich eine Community da war. Ich habe immer die Bilder gezeigt und so ein bisschen den Prozess erklärt. Wo ich gerade in der Entwicklung bin, wo ich hin möchte, wo Probleme da sind und plötzlich haben Leute das kommentiert und es gab ein Feedback. Mit dem Feedback und meinem eigenen Geschmack zu der Zeit hat sich das so ein bisschen verselbstständigt und entwickelt. So gab es dann plötzlich 2 Film-Presets, die irgendwie entstanden sind und die Leute wollten die haben. Eigentlich wollte ich die verschenken. Aber alle Leute und Freunde haben mir ins Gewissen geredet nicht immer so freigiebig zu sein und ich nicht immer zu versuchen der netteste Mensch der Welt zu sein. Und man muss seine Zeit ja auch irgendwie in Geld umsetzen.

Dann habe ich gesagt: »Okay. Dann machst du das!« Dann habe ich einen gnadenlos niedrigen Preis drangeschrieben und das erstmal über ein WordPress plugin verkauft. Als es dann plötzlich größer wurde, und auf kwerfeldein und neunzehn72 Artikel erschienen, kamen plötzlich alle an und wollten das testen und darüber was schreiben. Das hat sich dann verselbstständigt. Leute haben das geteilt und gesagt, dass es ein gutes Ding ist. Irgendwann musste es dann einen richtigen Shop geben, wo du Updates und neue Kameraprofile ausliefern kannst. Ab da musst du halt gucken, welche Kosten es gibt, wie viel Zeit dahinter steckt und dass du das zumindest auffängst. Mit den 24–25.000 EUR Umsatz von den richtigen Arbeiten kriegst du das irgendwann nicht mehr gut hin.

Die Zweite Idee, ECN-2, also Cinestill-Filme als Preset, war quasi die Konsequenz aus dem 1. Versuch mit Kodachrome. Also Presets zu machen, die eine Lücke füllen und einer Masse gefallen. Und dann war halt der nächste Schritt zu gucken, was gibt es halt außer Kodachrome noch nicht gibt. Die Frage war: Was wird relativ gerne fotografiert und womit geht man auch mal ein bisschen sorgsam um? Cinestill ist jetzt auch nicht so günstig. So eine Rolle gönnt man sich mal, den verschießt man aber nicht wie Kodak Gold 200, den du bei DM im Dreierpack für 7,95 Euro oder so kaufst. Da kriegst du nicht mal einen 800T für, glaube ich. Geld haben wir ja immer nicht, deswegen wollen wir sparen und dann dachte ich so, dass es eigentlich super wäre, wenn ich das digital hätte. Dann könnte ich das zumindest für die Schnappschüsse benutzen. Also ist bei mir auch immer ein bisschen Egoismus dahinter. »Was will ich selber haben? Oh, eigentlich hätte ich das gerne, probier es mal aus.« Und Cinestill kannst du halt noch fotografieren. Da kannst du Referenzbilder von machen, da kannst du tatsächlich mal ausprobieren, was du dir in der Theorie zurecht gedacht hast.

Und dann ging es einfach los. Ich habe mir Rollen bestellt, habe mir ne analoge Spiegelreflexkamera geliehen, weil ich noch gar nicht so viel Zeug da hatte, wo man auch mal ne Belichtungszeit setzen kann und ne Blende. Und ich wollte tatsächlich so weit gehen, dass ich meine Referenzbilder mit dem gleichen Objektiv und den gleichen Settings fotografiere, damit es da keine Verfälschung gibt. Dafür habe ich mir von einem Freund eine EOS5 geliehen. Die Dinger sind super. Da kannst du die aktuellen EOS-Objektive dran tun. Also habe ich die EOS5 und noch eine 6D genommen, verschiedene Motive und verschiedene Lichtsituationen durchfotografiert und manchmal ein Colorchart reingehalten um noch andere Referenzfarben mit ins Bild zu holen, die im Motiv vielleicht nicht da sind. Die kann man immer wieder als Norm- oder Vergleichsfarbe nutzen. Dabei habe ich versucht mir möglichst viel Material zu holen.

Das ganze habe ich zu Mein Film Lab geschickt, die das auf einem Fuji Minilab entwickelt und gescannt haben. Das hat so einen Frontier-Scanner, ein wunderbares Gerät. Das macht ganz wunderschöne Farben und ich gucke gerade auf Ebay, ob man sowas mal für Zuhause kriegt. Aber tatsächlich ist mein Auto billiger gewesen, als dieses Ding.

Ja das geht mir auch so

Es ist schwierig, aber eines Tages vielleicht.

Ich habe versucht mich dabei zu reduzieren, und nur die Bilder hinzuschicken, wo ich weiß die sind gut und die sind wichtig und die kannst du auch als Referenzbilder nehmen. Das hat ca. 120 Euro gekostet die dann zu entwickeln, TIFFs davon zu bekommen und dann wirklich nur das bestmögliche Material zu nehmen und das nebeneinander zu legen. Danach habe ich angefangen, das nachzubauen. Ich hatte halt vorher schon gelesen, dass das Vision 3 Materialdie Grundlage für Cinestill ist. Die Jungs von Cinestill entfernen ja nur die Remjet-Folie dahinter, damit es im Standard-C41-Prozess zu entwickeln ist. Und weil die Emulsion dem aktuellen Portra ähnelt, kannst du halt bei Portra gucken, wie der sich ungefähr verhält. Zum Beispiel was Überbelichtung oder Nennempfindlichkeit angeht. Da hast du ein ähnliches Verhältnis. Das ist der gleiche Technologiestand und eine ähnliche Metapher dahinter.

Kannst du mal kurz erklären, was in diesem Lightroom-Kontext eine Metapher ist? Das ist ja keine sprachliche Metapher. 

Ne, das ist ein Versuch für mich, die Idee hinter einem Konzept zu erklären. »So wenig Änderungen wie möglich, um zum Ziel zu kommen.« Das wäre zum Beispiel eine Metapher. Für mich wäre jetzt so ein Ansatz, in diese VSCO-Lücke zu stoßen. Oder Leuten zu helfen, die plötzlich kein Produkt mehr haben, welches sie mit ihrer in 5 Jahren rauskommenden Kamera verwenden können. Zu sagen, man macht dafür saubere Profile. Aber ich möchte eigentlich das Profil nicht nur nutzen, um irgendwelche Kameras anzugleichen, weil das eh eine Sache ist, die du bloß leidlich gut hinkriegst. Du müsstest alle Geräte hier haben. Einfach zu sagen, du bringst alles auf einen gemeinsamen Nenner, mit dem man auch arbeiten kann, wo auch ein Kunde mit zufrieden ist – das funktioniert. Und dann erzeugst du noch einen Mehrwert. Ich überlege tatsächlich in das Profil sowas wie einen Frontier-Scanner reinzubringen. Also die Charakteristiken, die der mitliefert, da reinzubringen um es ein bisschen mehr aus wie ein Scan aussehen zu lassen. 

Portra ist schon von jedem, der analoge Presets macht, irgendwie umgesetzt worden. Jeder hat es irgendwie anders gemacht, aber du hast dadurch irgendwie ein Gefühl dafür, wie das sein muss. Dann weisst du schon mal ungefähr, wo du anfangen kannst. Ich habe jetzt nicht VSCO Portra genommen und mir den einfach umgebaut, sondern ich habe geguckt, wie die Kurven bei VSCO, Really Nice Images oder Mastin Labs aussehen und welche Metapher dahinter liegt. Und dann kriegst du ein Gefühl dafür in welchem Bereich muss Rot liegen muss, in welchem Blau und wie weit die voneinander entfernt sind. Und dann fängst du an, dir irgendwas zurecht zu klicken. Das liefert dann eine Grundlage, die du wahnsinnig oft verändern musst, um dann irgendwie mit Trial & Error dahin zu kommen.

Vergleichst du das Histogramm in Lightroom mit dem Histogramm von deinem Scan, dann stellst du fest, dass die Tonwerte schon mal ganz anders funktionieren, weil wenn du da noch so ein Adobe Profil hinter liegen hast. In Adobe Standard hast du eigentlich auch schon eine Gradationskurve drauf, von der niemand etwas weiß. Und dann hast du aber so einen flachen Scan… Das hinzubekommen ist ne Wissenschaft für sich. Drehst du am Gelb herum, dann hast du Probleme mit dem Hautton und der Hautton war aber eigentlich schon ordentlich wiedergegeben…

Es gibt so Stellen, da ziehst du an der einen Ecke und dann ist es an der anderen wieder woanders. Wie beim Aufziehen eines Spannbettlaken, welches eigentlich ein bisschen zu klein für das Bett ist, weil du es mal zu heiß gewaschen hast.

Das ist ein richtig guter Vergleich!!

Ja, das hat mich Wahnsinnig gemacht. Irgendwann stellst du halt fest, dass du mache Sachen nicht hinkriegst. Und dann bist du frustriert, weil du nicht in die richtige Richtung kommst und dann alles hinterfragst und dir überlegst, ob du das wirklich noch machen willst. Willst du das zu Ende führen? Ist das der Stand der Dinge, den du anderen Leuten geben kannst? So, dass du nicht bloß verkaufst, sondern sagen kannst: »Das ist Cinestill digital!«

Irgendwann habe ich das einfach genommen und in meine Facebook Gruppe reingebracht und um Feedback gebeten. Ich habe dann mal grundsätzlich gefragt, wie authentisch es denn sein muss. Die haben halt gesagt: »Naja es soll eigentlich bloß gut aussehen! Wir haben keine Ahnung von all dem, was du da machst, mach es einfach schön!«

Ja das denkt man schnell, wenn du hier diese ganzen Details raushaust.

Ja, für mich ist es halt wichtig, mich damit tatsächlich zu beschäftigen. Vielleicht gibt es den einen, der es wirklich, wirklich genauso haben will. Und dann möchte ich kein Produktversprechen machen, das ich nie halten kann. Ich möchte ihm sagen können: »Das ist möglich!« Mich hat neulich einer gefragt, ob meine Portra-Geschichte genauso aussieht, wie die von VSCO, weil VSCO ja jetzt aufhört. Da habe ich gesagt „Ne, es sieht nicht so aus, weil ich es verändert habe. Und weil ich versucht habe, es zu verbessern und mein eigenes Gefühl, meine Empfindungen wie sowas funktionieren soll eingebracht habe. Ich habe das nicht einfach bloß nachgebaut, sondern versucht eine Metapher dafür zu entwickeln, die tatsächlich einen Mehrwert bietet. 

Aber diese Detailverliebtheit ist glaube ich auch eine Sache, die deine Presets auszeichnet, oder? Dass du dich da so reinnerdest, dass kein anderer mithalten kann (lacht). 

Ich versuchs… Da geht es ja nicht um Wettbewerb. Eigentlich geht es tatsächlich nur darum diesen Anspruch zu erfüllen, dass ich auf Fragen reagieren kann. Sodass ich selber das Gefühl habe hinter diesem Produkt stehen zu können. Sowie ich einen Preis irgendwo dran schreibe, dann muss ich dafür den Weg gehen, den ich maximal bereit bin, dafür zu gehen. Ob ich jetzt eine Produktion mache und Bilder für einen Kunden fotografiere, oder ob ich so ein digitales Etwas erschaffen habe. So ein Frankenstein-Monster-Preset, was sich aus ganz vielen Dingen zusammensetzt, wo du am Ende gar nicht mehr sagen kannst, wo was herkommt.

Für mich ist ganz wichtig einfach, dass es funktioniert und dass ich selber damit zufrieden bin. Und manchmal, nachdem etwas Zeit vergangen ist, möchte ich danochmal ran, weil ich wieder etwas rausgefunden habe oder wieder einen anderen Standpunkt dazu habe. Die K14 würde ich zum Beispiel gerne nochmal komplett überarbeiten. Das Problem ist nur: Die Leute lieben es so, wie es ist.

Du könntest ja einfach eine Version 2 anbieten. Zusätzlich. 

Ja, da habe ich drüber nachgedacht. Aber ich habe neulich eine kleine Umfrage gemacht, was ich denn als nächstes machen soll. Dabei ist rausgekommen, dass ein richtiger Vision 3 das nächste Projekt werden muss. Das ist nun möglich, weil einige Dienstleister die echte ECN2-Cinefilm-Entwicklung anbieten. Silbersalz35 zum Beispiel. Jetzt kann ich halt tatsächlich echten Vision 3 fotografieren, original entwicklen lassen, und Referenzbilder machen. Das Problem ist bloß, dass ich dann plötzlich immer ganz groß denke.

Ich will eine Portfolio-Strecke fotografieren und habe auch schon genau im Kopf, wie die aussehen muss. Ich muss nur noch ein Model dafür besorgen. Ich will so ein kleines Mini-Roadmovie fotografieren. Also eigentlich schon ein totes Thema, aber ich muss es auch nochmal machen. Ja das ist aber dann vom Investment her blöd, wenn du es verkaufen willst, weil du dann zum Model nicht mehr sagen kannst, das es eine freie Strecke ist. Ich verdiene dann halt Geld damit und muss sie bezahlen. Und dann musst du in Vorleistung gehen und auch relativ tief in die Tasche greifen, weil ich die Leute fair bezahlen möchte. Ich möchte ja nicht das machen, was meine Kunden machen. Die sagen dann, dass sie dafür kein Geld haben und fragen, ob ich das irgendwie anders hinbekomme. So: »Kennst du nicht  irgendwen?« »Ne kenne ich nicht!« Model buchen, einfach ne Agentur damit beauftragen und plötzlich ist die Idee so groß, dass ich noch nicht weiß, wie ich es tatsächlich hinkriege. Ich habe nicht so viel Geld hier liegen. Geld ist mir erstmal relativ egal, wenn es um die Idee geht. Aber die Frage ist halt, ob es tatsächlich nötig ist, soweit zu gehen. Für mich und für das Produkt. Also für das Produkt wahrscheinlich nicht, nur für mich. 

Was hast du noch? 

Was habe ich noch… die nächste Konsequenz waren dann gute Filmstyles für Capture One. Das war wieder ein neuer Selbstversuch. Ich habe selbst vorher schon ein komplettes Jahr nur mit Capture One gearbeitet. Ich kenne mich aus, weiß wie das Ding funktioniert. Es gibt auch Filmpresets dafür, aber die sind teilweise so schlecht gebaut und so überzogen, dass man eigentlich sagen müsste: »Okay, da hat eigentlich einer die Software nicht verstanden.«

Da wurde dann an jedem Regler mal gezogen. Willst du was korrigieren, zum Beispiel weil das Bild ein bisschen über-/ unterbelichtet ist, oder willst du ein Tonwertverhältnis nochmal angleichen oder dir was eigenes ausbauen, funktioniert das dann manchmal nicht mehr. Blöd, also selber machen. Beim Ausprobieren bin ich relativ schnell drauf gekommen, dass der Schlüssel in 2 Punkten liegt und dass der Color-Editor von Capture One einfach großartig ist. Du kannst all das, was ich in Lightroom über Profile gemacht habe, da drin machen. Das heißt du siehst auch mal alles im Zusammenhang. Also nicht bloß Profil auf der einen, und Presets auf der anderen Seite. Du siehst wie deine Veränderung arbeitet, die du an dieser einen Farbe gemacht hast. Mit dem Preset zusammen. Oder mit den anderen Voreinstellungen. Das ist großartig!

K14-Preset (Kodachrome) –

Ich habe da auch nicht mehr endlos Portra, Tmax 100 oder Gold verschossen. Sondern ich habe einfach geguckt, wie die Bilder im Netz aussehen, welches Gefühl der Film vermittelt, was ich selber schon fotografiert habe. Der Standpunkt war ja irgendwo klar – es soll in erster Linie funktionieren und nicht mega authentisch sein.

Als das fertig war, haben die Leute gesagt: „Okay, jetzt hast du das ja für Capture One gemacht, wir nutzten aber alle Lightroom!“ Gefühlt haben damals nur 10% der Leute in meinem Dunstkreis mit Capture One gearbeitet. Ein paar haben sich das daraufhin mal angeguckt, der Großteil konnte aber nicht damit arbeiten und wollte auch keine neue Software kaufen. Also habe ich das ganze dann zu Lightroom rübergebaut. Ich habe mir Übersetzungstabellen geschrieben in Excel, um die Kurven, zu übernehmen. In Lightroom hast du aber eine 100er Skala, in Capture One eine mit 256 Stufen. Die Koordinaten für die Kurven lassen sich also umrechnen, dann habe ich aber gesehen, dass da ein anderer Algorithmus hinter ist. Also wieder korrigieren… Man hatte aber sowas wie einen Horizont. Deswegen ging es dann halt schneller.

Als das abgeschlossen war habe ich überlegt, dass ich sehr viele Filme gucke und Kino ganz gerne mag. Ich gucke da auch immer auf das Grading und versuche neue Aspekte für mich rauszufinden und in der Richtung mal was zu machen. Zu der Zeit gab es dann gerade dieses Update mit dem neuen Lightroom, das Cloud-basiert arbeiten kann. Wo du dann auch irgendwie LUTs mit Profilen vermischen kannst. Da dachte ich mir, dass ich jetzt ganz, ganz viele Sachen machen und superschnell arbeiten kann. Und habe dann ein Monster erschaffen, was ein bisschen diese ganze cineastische teal-and-orange Geschichte, wie sie im Moment modern ist, in verschiedenen Varianten umsetzt. Dafür habe ich mir die Filme angeguckt, die ich mag und welche, die andere mögen, die ich nicht unbedingt mag, aber die halt wichtig sind.

Da habe ich dann einfach aus dem Bauch heraus irgendwie diese Konzepte runtergearbeitet und habe das dann online gestellt. Bevor ich es online gestellt habe, brauchte die ganzen Dinger ja einen Namen. Bei Vision 3 hast du immer eine 4-stellige Nummer dazu, der 500t heißt bei Kodak im internen Index 5219. Da kam mir die Idee einfach die Geburtsdaten der Leute in meiner Facebookgruppe zu nehmen. Da konnte dann jeder sein Geburtsdatum drunterschreiben. Wenn es etwas doppelt gab, mussten die sich das teilen. Also hat jeder sein Preset. Als ich dann bei 45 Presets war, kamen noch ein paar an und wollten sich auch noch beteiligen und nun habe ich so ein Monster mit 50 Dingern, viel zu groß.

Manche lieben es, manche hassen es. Die sagen, sie können damit nicht arbeiten, sie wollen die Veränderung der Reglersehen. Bei den Profilen siehst du ja nicht, was im Hintergrund passiert. Du hast noch alle anderen Möglichkeiten, die sind unberührt. Damit können aber manche nicht umgehen. Ich persönlich finde das auch schwierig, weil ich wissen möchte, was ist da passiert, damit ich bestimmte Dinge korrigieren kann.

Danach gab es dann Solaris. Das war mal so eine Idee, nachdem man sich so sehr mit allen Filmen beschäftigt und festgestellt hat, wie bei Fuji- oder Kodak-Filmen die Kurven, wie Schwarz-weiß oder gecrosste Sachen funktionieren. Dann hat man die Überlegung mal eigene Entwürfe zu machen. Also wie sollte denn ein Film für mich aussehen, den ich mir bauen würde, den es aber nie gab. Aber das ist halt auch eine schwierige Geschichte, die man lange erklären muss. Ich wollte die halt sehr flach, sehr nah am Scan haben. Ich habe zu der Zeit, als ich das gemacht habe, auch sehr viel analog fotografiert und war halt im Denken ganz woanders. Manche lieben das, mache wiederum nicht.

Ich mache das tatsächlich nicht, weil ich verkaufen will, sondern um das Produkt zu schaffen. Ob es dann wer mag, ist eine ander Sache. Genau, das sind die Sachen, die es jetzt gibt. Ich überlege jetzt tatsächlich, was als nächstes passiert. Vision 3 wird sehr aufwändig. Weil ich das halt super genau machen möchte und sehr sehr schön und ordentlich. Ich überlege auch tatsächlich in die VSCO Lücke reinzugehen und vergleichbare Profile zu haben. Das wäre dann was Profilnutzung angeht eine andere Metapher als ich die gerade benutze.

Ich habe noch 4 schnelle, kurze Fragen zum Schluß. Die kannst du wahrscheinlich mit einem Satz beantworten.

Ich mache sehr viele Nebensätze.

Welche Kamera möchtest du unbedingt mal ausprobieren? 

Ich würde tatsächlich mal mit einer Graflex Speed Graphic fotografieren. Das ist eine Großformatkamera, also eine 4×5, die aus dem Pressebereich kommt. Die haben die Fotojounaltisten damals benutzt. Die kannst du in die Hand nehmen und brauchst nicht unbedingt ein Stativ dafür. Die kannst du ein bisschen tilten, ein bisschen shiften. Ich habe neulich mal kurz überlegt, ob man sich sowas nochmal gönnt zum Geburtstag oder so. Aber der ganze Prozess mit Filmentwicklung… Dann brauchst du ganz viele Platten dafür, weil ein Bild eine Platte ist, die du hinten rein tust. Die kannst du belichten, rausnehmen, nächstes Bild. Und wenn du 5-6 Bilder machen willst, brauchst du schon mal 5-6 von den Dingern und musst die irgendwo hinschleppen und so. Das ist schon mehr Aufwand. Und für die Art und Weise, wie ich fotografiere und wie mein eigener Stil ist und so, ist das glaube ich ein bisschen unpraktisch oder überzogen. Ich würde es aber trotzdem gerne mal machen, einfach um es mal gemacht zu haben. 

Ok. Das waren wirklich viele Nebensätze (lacht) aber ich finde es gut, dass du alles so schön erklärst!

Ich bin ein Erklär-Bär!

2. Frage: Welcher Film soll unbedingt wieder auf den Markt kommen?

Der Kodachrome. Dann möchte ich bitte, dass Fuji wieder alles bereitstellt, was die da hatten.  Ich bin zwar vom Geschmack her nicht unbedingt so bei denen zu verorten, aber ich fände es wahnsinnig wichtig, dass es einen Velvia 50 immer und überall verfügbar gibt. Ich möchte das haben. Also Fuji bitte nicht alles wegsterben lassen! Oder die ganzen Trennbildgeschichten, wie Polaroid, die die gemacht haben. Gerade wenn du mit einer Plattenkamera fotografierst oder einer Graflex, dann hinten so ein Rückteil dran! Hallo? Man kann doch die Welt nicht stehen lassen, ohne sowas zu haben! Das geht doch nicht!

Finde ich auch! Aber ich hätte gerne den Fuji Acros wieder!

Ja, zum Beispiel! Der Milad hat sich mit Arcros eingedeckt. Einfach nur, weil das sein Lieblingsfilm ist. 

Ja meiner auch! Ich habe ihn entdeckt und 2 Wochen später kam die Nachricht, dass er eingestellt wird!

Ja das ist doch fies!! Das ist doch ein absolutes Fuck You! Die treten einem doch nur in die Fresse damit! Das ist doch gemein!

Also wenn du einen vergleichbaren Film kennst, sag mir gerne Bescheid!

Das Thema hatten wir schon in meiner Facebook-Gruppe. Eigentlich gibt es da nichts. Es gibt ein paar Sachen, die ähnlich mit Kontrasten oder so umgehen. Aber am Ende sieht es nicht genauso aus. 

Das ist immer das blöde bei Film.
3. Frage: 35mm und 85mm oder 24mm und 50mm? 

Kommt ja drauf an, was ich machen möchte… 85mm sind mir meistens zu weit. Aber 35mm finde ich ganz gut. 50mm nehme ich oft für Porträt. Ich versuche mich wieder sehr dazu zu zwingen, mit 50mm zu arbeiten, weil ich doch immer sehr zum Weitwinkel tendiere. Ich habe auch sehr viel mit 24mm gemacht. Da ist tatsächlich die Frage was ich fotografiere. Und mit was fotografiere ich es? 

Aber wenn du dich jetzt nur für 2 Objektive entscheiden könntest, ich sage jetzt mal am Kleinbild. 

28mm und 50mm. Also 24mm sind mir schon wieder zu weit. Plus ein 24er an der Leica M ist halt scheiße teuer!

Das ist das Paul Ripke-Objektiv, oder?

Ja, keine Ahnung. Das kostet 6000 Euro oder so. Es gibt glaube ich auch noch ein f2.8er oder f3.4er von Zeiss oder sowas. Keine Ahnung. 

Ok. 4. Frage: Welches Album läuft gerade bei dir am meisten? 

Oh, ich bin tatsächlich nicht so ein Album-Hörer! Also es gibt immer mal wieder Bands, die ich gerne mag und die ein neues Album rausbringen. Dann läuft es halt auf und ab. Aber ich mache mir tatsächlich Playlisten. 

Hast du eine Favorite-Playlist gerade?

Ja! Im Moment bin ich gerade dabei, nachdem ich irgendwann mal meine iTunes-Biblilothek zerschossen habe, nachzuvollziehen, was ich mag oder was ich mal gehört habe. Dabei durchforste ich meinen alten LastFM-Account, wenn ich mal Zeit habe, und versuche mich zu erinnern, mir irgendwelche Playlisten anzuhören, wo Leute irgendwelche Gerne oder Dekaden zusammengefasst haben, nur um da rauszuziehen, was ich mag. Und das verorte ich in eine Super-Monster-Playlist, wo ich einfach nur drin habe, was ich alles mag. 

Kann man die teilen? 

Die kann man teilen! Die ist noch nicht fertig, aber die kann man schon teilen! Da sind ganz krude Sachen dabei. Zwischen coolen Trash und Punkrock kannst du das einordnen. Und alte Alternative-Geschichten.

Alles klar! Dann sind wir auch schon am Ende! 

Wie „schon“??!!

Vielen Dank für deine Zeit!

Ja gerne gerne gerne!

Nachtrag

Kurz vor Veröffentlichung dieses Interview hat André nochmal eben ein neues Preset-Pack rausgehauen. Das heißt Cinematic Outtakes und basiert hauptsächlich auf Cine-Filmen. Schau mal rein!

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