5 einfache Porträt-Looks mit einem Aufsteckblitz
Fotografie

Blitzen für Anfänger Teil 5: Fünf Looks mit einem Aufsteckblitz

Kai

Aufsteckblitze sind wunderbare Werkzeuge und ein günstiger Einstieg um Blitzen zu lernen. Wenn du damit umgehen kannst, bist du deutlich freier beim Fotografieren. Einfach weil du das Licht so gestalten kannst, wie es für das Bild notwendig ist.

Anfangs ist es am besten erstmal mit einem Blitz in einer kontrollierten Umgebung zu fotografieren, wo das Umgebungslicht nicht so einen großen Einfluss auf das Bild hat. Studios sind natürlich optimal, aber das heimische Wohnzimmer funktioniert dafür genauso gut. Besonders in der dunklen und kalten Jahreszeit, die uns gerade bevorsteht.

Deshalb habe ich dir hier mal 5 Looks zusammengestellt, die sich mit einem per Funk ausgelösten Aufsteckblitz relativ leicht realisieren lassen. Viel Equipment ist dafür nicht nötig, nur Aufsteckblitz, Sender, Durchlichtschirm und Stativ mit Schirmneiger. Das habe ich im ersten Artikel meiner Blitzserie schon beschrieben.

Technik und Einstellungen

Als Objektiv habe ich mein Sigma 50mm Art und als Kamera meine Canon 5D Mk IV genommen. Kamera und Objektiv sind aber nicht ganz so entscheidend. Versuche erstmal mit einer mittleren Brennweite (Normalbrennweite) zu arbeiten. Also kein Weitwinkel und kein längeres Tele.

Als Kameraeinstellung nutze ich hier den manuellen Modus mit Blende f/4.5, Belichtungszeit 1/100s und ISO 100 oder 320. Der Blitz wird je nach Bild so eingestellt, dass es passt. Mit Schirm muss die Leistung etwas höher sein, weil der Schirm das Licht so diffus verteilt, dass nicht mehr so viel beim Model ankommt. Die Zoomeinstellung des Blitzes sollte so weinwinklig wie möglich sein, aber ohne die Streulichtscheibe, die man noch herausziehen kann. Häng dich aber nicht zu sehr an den Einstellungen auf, sondern probier einfach aus.

Nur eine wichtige Sache vorweg: Mit der Balance aus Blitz-Leistung und ISO-Wert regelst du wie viel Umgebungslicht zu sehen ist. Das heißt ist dein ISO höher und die Blitzleistung eher geringer, gibt es viel Umgebungslicht, ist der ISO niedrig und die Blitzleistung entsprechend höher, ist das Blitzlicht prägnanter.

Look 1: Das unbearbeitete Foto

Look 1: Standard Portrait-Licht

Dieser Look ist gut für klassische Portraits geeignet und ein guter Einstieg. Der Blitz ist mit dem Schirm auf dem Stativ und leuchtet ungefähr 45° von oben und 45° von der Seite auf das Gesicht.

Durch den verwendeten Schirm wird das Licht des Blitzes auf eine größere Fläche verteilt und wird so „weicher“. „Weiches Licht“ heißt, dass die Schatten nicht wie an einem sonnigen Tag scharfe kanten haben, sondern weich oder diffus auslaufen, wie an einem bewölkten Tag.

Faustregel: Je größer die Lichtquelle, desto weicher das Licht.

Achte beim Fotografieren auf den Schatten, den die Nase wirft. Der sollte ungefähr über dem Mund sein. Du kannst aber auch etwas experimentieren und mal schauen, was passiert, wenn du den Blitz weiter um das Model herum schiebst.

Zusätzlich kannst du mit dem Abstand zwischen Model und Hintergrund herumprobieren. Je weiter der Hintergrund entfernt ist, desto weniger Licht fällt vom Blitz darauf und desto dunkler wird er. Zusätzlich vermeidet man so auch den Schatten des Models auf dem Hintergrund. Bei meinem Foto ist der in der unteren rechten Bildecke zu sehen.

Für erste Testbilder musst du dir nicht gleich ein Hintergrundsystem kaufen, eine leere Wand tut es auch.

Look 2: Das unbearbeitete Foto

Look 2: Blitz auf der Kamera

Für den zweiten Look lassen wir den Schirm und das Stativ links liegen und packen den Blitz direkt auf die Kamera und blitzen das Model direkt an. Dieser Look wird von manchen Modefotografen gerne im Studio genutzt.

Dadurch, dass der Blitz dabei so nah am Objektiv ist, verschwindet der Schatten fast komplett hinter dem Model. Dieser Look sieht immer ein wenig billig und amateurhaft aus, kann aber für bestimmte Bilder genau richtig sein.

Ausnahmsweise habe ich hier ein Weitwinkel-Objektiv mit 24mm genutzt.

Für dieses Bild habe ich den Zoom des Blitzes auf einen höheren Wert gestellt.

Wenn du experimentieren möchtest, stell mal den Zoom des Blitzes auf einen höheren Wert ein, als die Brennweite deines Objektivs. Dann erhält man diesen „Reh-im-Scheinwerferlicht“-Look.

Look 3: Brutal

Look 3: Hartes Kantenlicht

Im dritten Artikel dieser Serie habe ich Low-Key-Fotografie und Kantenlicht schon genauer beschrieben. Deshalb gehe ich jetzt nur kurz darauf ein. Hierfür wird ein dunkler Hintergrund benötigt. Der Look ist schonungslos-brutal und nicht gerade vorteilhaft. Deshalb wird er gerne in Action-Filmen für die männlichen Hauptdarsteller verwendet. Dadurch, dass so viel im Dunkeln verborgen bleibt, wirkt er mysteriös, dramatisch und spannungsgeladen. Die verwendete Pose trägt auch dazu bei.

Versuche mit der Position des Blitzes zu arbeiten. Je weiter der Blitz nach vorne kommt , desto mehr wird vom Model gezeigt. Ich finde es meist gut, wenn die Nasenspitze beleuchtet ist, da dann das Gesicht besser erkennbar ist. Achte auch darauf, dass der Blitz hoch genug ist, da er sonst in die Kamera leuchtet und Flares zu sehen sind, die den hohen Kontrast des Bildes abschwächen.

Look 4: „Sonnenlicht“

Look 4: Hartes (Sonnen-)Licht im Gesicht

Jetzt leuchten wir dem Modell direkt ins Gesicht und imitieren ein wenig einen sonnigen Tag. Auch dieser Look ist ziemlich gnadenlos. Am besten funktioniert er, wenn das Model mit dem Kopf ins Licht guckt. Dann sieht es schnell nach einem Sommertag aus.

Arbeite wieder mit der Position des Blitzes und achte auf den Schatten, den das Model auf den Hintergrund wirft. Der ist hier deutlich schärfer als bei Look 1, obwohl der Blitz an der gleichen Stelle steht.

Look 4: Das nachbearbeitete Bild mit Sommerlook

Wenn du in der Nachbearbeitung die Farben noch ein wenig wärmer einstellst, sieht es gleich noch mehr nach Sommer aus.

Look 5: Reflektion

Look 5: Reflektiertes Licht

Reflektiertes Licht wirkt meist sehr natürlich. Besonders wenn man einen großen Reflektor wie eine weiße Wand benutzt. Achte darauf, dass der Blitz eher etwas von oben gegen die Wand blitzt. Das habe ich hier falsch gemacht. Dadurch bekommt man ein wenig den Mit-der-Taschenlampe-von-unten-ins-Gesicht-leuchten-Gruselgeschichten-Effekt. Im Studio haben wir einen großen Reflektor aus Styropor-Platten, die weiße Seite eines Falt-Reflektors, ein Bettlaken oder Depron-Platten* funktionieren aber genauso gut. Falls du nichts zuhause hast, blitze gegen eine Wand oder schau mal im Baumarkt nach Styropor oder ähnlichen Platten. Achte nur darauf, dass das Material möglichst weiß ist, damit du keinen Farbstich im Bild hast.

Wenn du gegen den weißen Reflektor blitzt, fällt das Licht zurück auf das Modell. Je weiter der Blitz vom Reflektor entfernt ist, desto größer ist die beleuchtete Fläche und desto weicher ist das Licht daher. Aber desto mehr Power muss der Blitz auch raushauen.

Fazit

Hoffentlich konnte ich dich ein wenig inspirieren mal wieder was Neues auszuprobieren. Wichtig ist das Ausprobieren allemal, nur so kann man lernen. Besonders wenn es überhaupt nicht klappt und die Ergebnisse erstmal verwirren. Einfach weitermachen, Licht zu beherrschen ist eine Lebensaufgabe.

Diese fünf Looks habe ich jetzt anhand von Portraits gezeigt. Sie funktionieren aber auch für Objekte, zum Beispiel in der Produktfotografie.

Hier gibt es alle anderen Artikel aus der Serie:

  1. Equipment für Blitz-Anfänger
  2. Der integrierte Blitz
  3. Low-Key und Kantenlicht
  4. Rembrandt-Licht und Nebel
  5. 5 einfache Looks mit einem Aufsteckblitz

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