Eingangstor KZ Sachsenhausen mit der Inschrift "Arbeit macht frei"
Allgemein

Besuch im KZ Sachsenhausen

Kai

Ein heißer Tag im Mai 2013. Carmen und ich hatten gerade ein paar schöne Tage in Berlin genossen. Auf dem Rückweg sind wir dann spontan auf der Autobahn Richtung Sachsenhausen abgebogen.

So viele Geschichten hatten wir in der Schule schon von solchen Orten gelesen. Einen dieser Orte aber einmal live zu erleben ist dann doch etwas komplett Anderes.

Der Erschießungsgraben

Sobald ich durch das Tor mit dem zynischsten aller Sprüche trat erfasste mich das stille Grauen, das diesen Ort heute prägt. Holz-Baracken voller Etagenbetten, dicht an dicht, eine Schuhprüfstrecke, Wäscherei, Küche, in der Mitte ein Wachturm, von dem das ganze Lager einsehbar ist. Die perfide SS-Architektur, die einzig auf Macht und Dominanz ausgelegt ist.

Zehntausende Menschen wurden hier von anderen Menschen ermordet. In grausamen Räumen mit Genickschussanlagen, in einer Gaskammer, am Galgen oder im Erschießungsgraben. Andere starben bei der Arbeit, an Hunger, Krankheiten, Misshandlungen, durch Medizinexperimente, oder auf den Todesmärschen kurz vor Kriegsende.

Die einfachen Betten in einer der Barracken im KZ Sachsenhausen

In Sachsenhausen wurden außerdem die Wachmannschaften für alle anderen Konzentrationslager ausgebildet.

Auch Jahrzehnte später ist dieser Ort kaum auszuhalten – und das für mich als Besucher, der jederzeit gehen kann. Nicht vorstellbar, wie sich die Gefangenen gefühlt haben müssen. Ohne Frage der bedrückendste Ort, an dem ich je war.

Umso wütender macht es mich, dass es immer noch Leute gibt, die diesen millionenfachen industriellen Mord stumpf leugnen, sich selbst mit Anne Frank oder die vom Parlament legitimierten Corona-Maßnahmen dümmlich mit einer Diktatur vergleichen.

Unsere Generation hat keine Schuld am Holocaust, aber es ist unsere Pflicht zu verhindern, dass das noch einmal passiert. Deshalb ist es wichtig die schrecklichen Geschichten und Bilder immer wieder mal zu ertragen – um sich immer wieder mal zu erinnern, wie unser Land nicht sein soll.

Die Zeit hat dieses sehenswerte Video der Überlebenden Margot Friedländer veröffentlicht:

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