Lastenrad, voll bepackt mit Foto-Equipment
Allgemein, Backstage

Mit dem Lastenrad zum Foto-Job?

Kai

Nachdem sich ein Bundestagsabgeordneter der Grünen in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland für eine Kaufprämie ausgesprochen hat, wird aktuell hitzig über Lastenräder diskutiert. Das konservativ-liberale Lager war ob der angedachten 1000€ natürlich sofort getriggert, wie die Aussagen in einem Spiegelartikel zeigen. Darf ja nicht sein, dass E-Autos mit 6000€ vom Staat gefördert werden, die günstigeren und noch umweltfreundlicheren Alternativen aber mit 1000€. Lieber weiter Kohle und Öl verbrennen🤦🏻‍♂️. In der Welt werden Lastenrad-Fans sogar mit den Taliban gleichgesetzt. Aber bewegen wir uns von den Ideologen doch lieber mal zur sachlichen Diskussion.

Mit dem Lastenrad auf Langeoog unterwegs
Mit dem Lastenrad auf Langeoog unterwegs

Eigenen sich Lastenräder für den Fotografenalltag?

Meine erste Erfahrung mit einem Lastenrad bei einem Foto-Job habe ich auf Langeoog gemacht. Nach einer kurzen Hochzeitsreportage hatte ich noch ein paar Stunden Zeit bis meine Fähre zurückfuhr. Deshalb habe ich mir dort bei einem Verleiher ein Lasten-E-Bike gemietet und war sofort begeistert. Foto-Rucksack und Stativ blieben in der Kiste und bei jedem spannenden Foto-Spot konnte ich das Rad aufbocken, Kamera und Stativ rausholen und direkt losfotografieren.

Eine Woche später haben wir wegen des damals fünf Monate alten Nachwuchses dann gleich ein gebrauchtes Rad gekauft und seitdem viele Auto-Fahrten damit ersetzt. Und Kinder sind wohl einer der Hauptgründe sich ein Lastenrad zu kaufen.

Mein Tweet zur Lastenrad-Diskussion

Nachdem ich aber inzwischen auch einige Foto-Jobs mit dem Lastenrad erledigt habe, kann ich die Frage der grundsätzlichen Eignung nur bejahen.

Stauraum

In unser Babboe City-E passt eine Menge Equipment. Im Foto, das ich an meinen Original-Tweet angehängt hatte befinden sich im Korb meine Fototasche mit Kamera und drei Objektiven, drei Manfrotto Compact-Lichtstative*, ein größeres Manfrotto Lichtstativ*, eine 1,35m Hintergrundrolle*, ein 180cm Reflektorschirm* und noch der graue Rucksack mit Blitzen und Zubehör.

Die Holzkiste ist zwar ziemlich schwer, allerdings auch sehr robust. Ich wünschte mir nur manchmal, dass die Ecken nicht abgerundet wären. Das gäbe nochmal ein bisschen mehr Stauraum. Netter Nebeneffekt der Holzkiste: Im Straßenverkehr wird man von PKWs deutlich respektvoller behandelt. Meine Theorie ist, dass die Autofahrer:innen Angst um ihren Lack haben.

Für die meisten Jobs reicht der Platz also aus. Für Hochzeiten sowieso, da würde ich aber eher das normale Fahrrad und den Foto-Rucksack nehmen. Ob der Platz für dich auch reicht musst du natürlich selbst wissen Aber das Equipment wird insgesamt immer kleiner, leichter und mobiler, da könnte so ein Lastenrad für dich vielleicht schon das Auto ersetzen. Durch den Elektromotor kommt man übrigens relativ entspannt an und ist nicht direkt verschwitzt.

Vielleicht muss es auch nicht so ein »Longjohn« mit Stauraum vorne sein, es gibt auch deutlich kleinere Modelle, die eher auf größere Gepäckträger vorne und hinten setzen. Die werden z.B. von Pizza-Lieferdiensten eingesetzt. Allerdings ist dann die Mitnahme von Stativen und Hintergrund-Rollen schwieriger. Es lohnt sich in jedem Fall den Markt vor dem Kauf ein wenig zu beobachten, in den letzten Jahren sind viele neue Hersteller dazugekommen und die Lastenradwelt wird immer bunter.

Preis

Angesichts der aktuell leergekauften Fahrradläden sind auch Lastenräder schwer erhältlich oder haben lange Lieferfristen. Und teuer sind sie auch noch, besonders mit Motor. Dann gehen die Preise schnell hoch in den mittleren vierstelligen Bereich. Damit sind sie dann auch nicht mehr wesentlich günstiger als ein Kleinwagen.

Wir haben uns daher für ein eher günstiges Modell entschieden und das vor zwei Jahren gebraucht gekauft. Dadurch konnten wir fast die Hälfte des Anschaffungspreises sparen. Dafür ist das Rad dann auch relativ schwer. Zudem hatte es schon ein paar Jahre auf dem Buckel. Das merkt man auch an der Ausstattung: Statt Scheibenbremsen gibt es eine hydraulische Felgen- und eine Trommelbremse und die Lampen sind nicht an den großen Akku angeschlossen. Das ist bei E-Bikes inzwischen so gut wie Standard.

Selbstständige können so ein Lastenrad (oder auch andere Räder) übrigens als Dienstrad steuerlich vergünstigt leasen oder kaufen. Das senkt die Hürde der Anschaffungskosten.

Im Betrieb sind die Kosten aber sehr gering. Anfangs haben wir neue pannensichere Reifen gekauft und einen defekten Bremshebel ausgetauscht und die hydraulische Bremse einmal warten lassen. Inzwischen habe ich mit dem Fußball noch den Frontscheinwerfer abgeschossen. Verschleiß ist bisher aber kaum aufgetreten.

Das gilt natürlich nicht für neue Räder. Aber bei durchschnittlichen monatlichen Kosten von 425€ für PKW in Deutschland kann es durchaus sinnvoll sein ein eigenes Auto durch ein Lastenrad zu ersetzen. Nach 10-12 Monaten hätte man da die Kosten eines guten Lastenrades wieder raus.

Weitere Vorteile

Sehr angenehm ist beim Lastenrad-Fahren die Parkplatzsuche. Zwar sind die normalen Fahrradparkplätze manchmal zu eng oder zum Anschließen ungeeignet, andererseits kann man zum Kunden oft direkt bis vor die Tür fahren und muss sein Equipment nicht so weit schleppen.

Bis zu ca 10 Kilometer Entfernung fahre ich bei ausreichend gutem Wetter zu Foto-Jobs mit dem Lastenrad. Danach übernimmt meist doch das Auto. Innerhalb dieses Radius bin ich aber fast genauso schnell wie der PKW, wenn man die Parkplatzsuche mitrechnet.

Oft sind Lastenräder auch im Bikesharing verfügbar. Wenn Du in einer größeren Stadt wohnst, gibt es vielleicht schon Leih-Möglichkeiten. Auf dem Land lohnt sich vielleicht eher eine Anschaffung. Möglicherweise ja auch als Gemeinschaftskauf mit Nachbarn.

»Reminder: Lastenräder sind Individualverkehr. Man kann damit losfahren wann immer man möchte. Das ist gerade auf dem Land abseits der 4-Minuten-Taktung der U3 der Hamburger Hochbahn ein ziemlicher Vorteil.«

Der Graslutscher auf Twitter

Gesundheitliche Vorteile gibt es auch noch, ein wenig Bewegung tut besonders Menschen, die viel am Schreibtisch arbeiten, wie mir gut.

Fazit

Ist ein Lastenrad nun ein geeignetes Verkehrsmittel für deine Foto-Aufträge? Das kannst du natürlich nur selbst entscheiden. Ich werde für alle Aufträge im Stadtgebiet jetzt nur noch das Rad benutzen. Würde ich jetzt ein neues Lastenrad kaufen, würde ich mir vermutlich nicht nochmal das gleiche Modell holen, lieber eins in der Art eines Bullit, bei dem man die Ladefläche flexibler nutzen kann. Ein Auto muss leider bleiben, das zweite wird aber in Kürze verkauft. Hab ich ein Argument vergessen? Schreib es in die Kommentare!

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2 Kommentare

  1. Danke für den Artikel. Wäre das doch auch im ländlichen Raum auch so einfach… Doch da sind die Distanzen i.d.R. viel größer. Und bei 30km (eine Strecke) überlege ich da schon… Die Menge an Equipment ist da nicht das Problem, sondern eher die Zeit…

    Für die Stadt sicherlich großartig!

    • Moin Achim, vielen Dank für den Kommentar! Bei 30km ist sicherlich eine Grenze erreicht. Ich schätze das Lastenrad in einem Radius von ca 15km als echte Alternative zum Auto ein.
      Wenn du aber nicht so viel Equipment dabei hast, wäre ja vielleicht auch ein S-Pedelec eine Option. Damit bist du fast doppelt so schnell (45 km/h).

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