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Sollte die Meisterpflicht für Fotografen wieder eingeführt werden?

Vor kurzem hat die Zeitschrift ProfiFoto eine Petition gestartet, die sich gegen die Wiedereinführung der Meisterpflicht im Fotografenhandwerk richtet. Das Bundeswirtschaftsministerium prüft diese Maßnahme aktuell auf Antrag der AfD und nach Übergabe an den Wirtschaftsausschuss des Bundestages. Die Bundesregierung hatte das schon im Koalitionsvertrag festgehalten und Anfang April nun ein Eckpunkte-Papier zum Meisterbrief veröffentlicht. Noch vor der Sommerpause soll ein Gesetzentwurf vorlegen. Das habe ich als Anlass genommen mich einmal ein wenig mit dem Thema Meisterpflicht zu beschäftigen und ein paar Argumente zu prüfen.

Argument 1: Nur der Meisterbrief sorgt für Qualität und Sicherheit für Verbraucher

Das erste Argument klingt auf den ersten Blick erstmal schlüssig. Meister sind im Allgemeinen gut ausgebildet und haben viel Zeit investiert um ihre Fähigkeiten zu vertiefen. Gut ausgebildete Fachkräfte pfuschen also weniger und Kunden können sich auf gute Qualität verlassen, oder?

Ich wage zu behaupten, dass Pfusch weniger mit Fähigkeiten und Knowhow des Handwerkers zu tun hat, als mit Motivation, Einstellung und Sympathie. Klar, in sicherheitsrelevanten Gewerken, wie Elektro-Technik, Kfz-Technik, Maler/Lackier und Maurer ist ein gewisses Maß an Regulierung sinnvoll. Wer beim Einbau einer neuen Bremsscheibe oder beim Mauern einer tragenden Hauswand Fehler macht, gefährdet Menschenleben. Ob hier ein Meister wirklich für mehr Sicherheit sorgt ist meines Erachtens fragwürdig, werden die meisten Arbeiten doch von Gesellen oder Azubis durchgeführt um Kosten zu sparen.

Teilweise werden die Arbeiten sogar an ausländische Subunternehmen delegiert, die paradoxerweise nicht der Meisterpflicht unterliegen. Ein externer Sachverständiger könnte vermutlich genauso gut oder noch besser (weil unabhängig) die sicherheitsrelevanten Arbeiten überprüfen und für Qualität sorgen. Wie das mit dem TÜV bei Autos ja auch schon gut funktioniert. Das könnten dann ja auch Meister oder Ingenieure sein. Der Meisterbrief an sich garantiert aber keine gute Qualität.

Im Allgemeinen wird sich gute Qualität immer am Markt durchsetzen. Konkurrenz belebt eben das Geschäft. Das lässt sich am deregulierten Fotografenmarkt ja gut erkennen. Die Fotografen, die schlechte Qualität liefern, egal ob menschlich, handwerklich, wirtschaftlich oder künstlerisch, werden schnell vom Markt verdrängt. Dann gibt es noch das Mittelfeld. Hier sind die Unternehmen meist lange und nachhaltig im Geschäft, weil sie eben dauerhaft gute Qualität abliefern und die Kunden auch angemessene Preise zahlen. Und natürlich gibt es auch noch die Ausnahme-Fotografen, die künstlerische Qualität auf Weltklasse-Niveau bieten. Auch hier sind die Kunden bereit entsprechende Honorare zu zahlen.

Bleibt also die Frage, warum der Fotografen-Markt reguliert werden sollte. Zu Qualitätseinbußen hat die Handwerksnovelle im Jahr 2004 jedenfalls nicht geführt. Ganz im Gegenteil. Die Qualität, die aktuell von Fotografen geboten wird, ist extrem gestiegen. Nur die formale Qualifikation, also die mit Schein, ist gesunken. Ob das objektiv betrachtet für die Qualität der Fotografen relevant ist halte ich für fragwürdig.

Fazit: Falsch! (Zumindest bei Fotografen)

Übrigens Die deutschen Fotografen Peter Lindbergh, Helmut Newton und Ellen von Unwerth sind keine Meister, sondern Autodidakten oder haben ihre Ausbildung abgebrochen und sind trotzdem allgemein geachtet. Damit allein lässt sich wohl schon das Argument widerlegen, dass nur der Meisterbrief zu einer guten Ausbildung im Fotografenhandwerk führt.

Argument 2: Die Meisterpflicht hilft dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken

Aktuell dürfen in Handwerksberufen nur Meisterbetriebe ausbilden. Gerade in der Fotografie gibt es aber inzwischen so viele Workshops und Online-Kurse, dass man eine formale Ausbildung in einem Betrieb meiner Meinung nach gar nicht mehr zwingend benötigt. Die wichtigsten Fähigkeiten, die ein Fotograf benötigt – intrinsische Motivation, Fleiß, Kreativität und Empathie lassen sich in einer handwerklichen Ausbildung eh kaum vermitteln.

Hilft also die Meisterpflicht – und damit verbunden auch die Gesellenpflicht – mehr ausgebildete Fotografen hervorzubringen? Formal, also mit Gesellen- oder Meisterbrief ja. Faktisch aber nicht, da es inzwischen genügend gute Fotografen gibt, die sich alles autodidaktisch oder durch Workshops, Coachings und Onlinekurse beigebracht haben.

Seit der Reform am 01.01.2004 hat die Zahl der Fotografen rasant zugenommen. Die Zahlen sind immer vom 31.12. jeden Jahres und stammen vom Zentralverband des deutschen Handwerks

Im Fotografenmarkt gibt es aktuell sogar ein Überangebot. Die Zahl der Betriebe hat sich seit der Reform am 01.01.2004 fast versiebenfacht. Kunden haben also die Qual der Wahl, welchen Fotografen sie beauftragen. Darunter gibt es definitiv auch schlechte. Aber für Verbraucher ist es durch Websites und Social-Media-Kanäle sehr einfach geworden die Qualität eines Fotografen zu beurteilen.

Fazit: Formal richtig, faktisch falsch! (Zumindest für Fotografen)

Argument 3: Meisterpflicht schützt Profis vor Hobby- und Teilzeit-Fotografen

Das kann man ganz klar bejahen. Eine Abschottung des Marktes verringert definitiv die Konkurrenz. Die positiven Effekte für Fotografen liegen dabei natürlich auf der Hand: Weniger Konkurrenz = höhere Preise. Allerdings ist diese im Fotografenmarkt eh schon extrem hoch und aktuell ist ein Bestandsschutz für Betriebe, die in den letzten 15 Jahren gegründet wurden, geplant. Daher dürfte die Anzahl der Fotografen nur langsam abnehmen und die positiven Effekte, die sich einige Betriebe davon erhoffen, werden lange auf sich warten lassen.

Zusätzlich werden Verbraucher, die nur ein kleines Budget zur Verfügung haben, auch weiterhin eher nicht den teureren Handwerks-Fotografen buchen, sondern schlicht zum Handy greifen. Alternativ wird auch zukünftig Onkel Peter oder die befreundete Studentin gefragt, die beide kostenlos oder schwarz arbeiten. Also alles wie bisher. Bei Firmenkunden sieht das genauso aus. Insofern ist die Angst vor dem großen Preisverfall unbegründet. Die zunehmende Entwertung der Fotografie ist meiner Meinung nach nicht durch zu viele Fotografen begründet, sondern durch zu viele Fotos, die täglich überall auf uns einprasseln.

Ein Trend, der sich die letzten Jahre durch die Reform abgezeichnet, ist die zunehmende Anzahl von Teilzeit-Fotografen, insbesondere in der Hochzeits- und Portraitfotografie. Diese haben einen festen (Teilzeit-)Job, der für ein festes Grundeinkommen sorgt und die Sozialabgaben deckt. Am Wochenende oder an freien Tagen bleibt dann genügend Zeit zum Fotografieren. Nebenbei kann man damit auch noch ein wenig Geld verdienen. Das sehen viele Vollzeitfotografen kritisch, weil die Teilzeitfotografen wegen der fehlenden Sozialabgaben geringere Preise aufrufen können. Für viele, für mich vor ein paar Jahren auch, ist das aber ein perfektes Sprungbrett in die Selbstständigkeit. Der Übergang aus dem Angestelltenverhältnis ist so spürbar leichter und risikoärmer.

Aber ist das schlecht? Ich finde der Staat sollte die Hürden für Unternehmensgründungen so niedrig wie möglich halten. Gerade in einer Branche, in der sich niemand für eine Gründung verschulden muss. Mit 5.000–10.000 Euro für Technik auf Profiniveau ist man im Business. Gegen die 50.000–200.000 Euro, die z.B. eine Druckerei investieren muss, ist das ein Witz.

Fazit: Wahr!

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Meisterpflicht sorgt für Innovation

Das kann man ganz klar verneinen. Konkurrenz ist in einer Marktwirtschaft der treibende Motor für Innovation. Natürlich in Verbindung mit guter Ausbildung. Wir Fotografen können das ganz gut bei den Kameraherstellern beobachten. Sony und Fuji haben in den letzten Jahren den Kameramarkt komplett umgekrempelt und die aktuellen Kameras strotzen nur so vor tollen neuen Features, wie Eye-AF oder elektronischen Suchern. Die alten Hasen Canon und Nikon mussten schmerzhaft lernen, das ein „weiter so!“ nicht mehr funktioniert.

So ist es auch mit der Fotografie. Durch die enorme Konkurrenz hat sich die Fotografie in den letzten Jahren rasant verändert. Zu Anfang der 2000er hat kaum jemand ernsthaft überlegt seine Hochzeit den ganzen Tag von einem Fotografen begleiten zu lassen. Aber diese Idee aus den USA hat sich schnell durchgesetzt. Auch das Aufkommen von Photobooths bei Hochzeiten wäre sicher nicht so schnell passiert, wenn es bei den 4000 Fotografen in Deutschland geblieben wäre.

Fazit: Falsch

Mein persönliches Fazit

Am Anfang meiner Recherche habe ich der Meisterpflicht sehr kritisch gegenübergestanden. Jetzt sehe ich die Situation mit gemischten Gefühlen. Auf der einen Seite wäre ein wenig Regulierung für den total übersättigten Fotografenmarkt sicherlich ganz gut, auf der anderen Seite wäre meine Existenz bedroht, falls es keinen Bestandsschutz geben sollte.
[Bearbeitet am 15.07.19] Ich stehe der Meisterpflicht jetzt sehr kritisch gegenüber. Sie würde die Probleme, die das Handwerk hat, z.B. Mangel an Azubis, teilweise schlechte Qualität, Fachkräfte Mangel, Gewärleistungsprobleme und Versicherungsmangel, nicht verbessern, sondern verschlimmern. Ich gehe davon aus, dass sich die Meisterpflicht nicht verhindern lassen wird, deshalb werde ich mich für einen Bestandsschutz einsetzen.

Mich würde interessieren, wie du das siehst. Bist du selbst betroffen? Oder bist du vielleicht ein Meister und wünscht dir die Meisterpflicht wieder zurück? Eine rege Diskussion in den Kommentaren würde mich freuen!

Was kann man tun?

Falls du gegen die Meisterpflicht bist, kannst du hier die Petition gegen die Meisterpflicht unterschreiben: OpenPetition.de

Außerdem kannst du dem Bundestagsabgeordneten deines Wahlkreises schreiben und ihn bitten sich für oder gegen die Meisterpflicht einzusetzen. Hier findest du deinen Abgeordneten.

Update 15.07.19 – In Bezug auf die erste Anhörung im Budestag und die Stellungnahme des Zentralverbandes Deutscher Berufsfotografen habe ich noch einen Artikel verfasst.

Mehr zum Thema:

  1. Welt.de
  2. Deutsche Handwerkszeitung
  3. Debatte zur Meisterpflicht im Bundestag

Vergiss nicht den Artikel zu pinnen, damit du ihn jederzeit wiederfindest:

Um das Bild zu pinnen einfach daraufklicken.
Kategorie: Meinung

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Moin, ich bin Kai und fotografiere für mein Leben gerne. Wenn ich mal keine Kamera in der Hand habe, spiele ich Gitarre, trainiere für den nächsten Triathlon oder chille mit der besten Frau der Welt mit Chips und Netflix auf dem Sofa.

18 Kommentare

  1. Mike sagt

    Mir fehlen einige Argumente. Erstens ist der Meisterzwang wegen EU Recht abgeschafft worden. Nun gilt das Recht ja immer noch. Zweitens muss man sich ja einigen, welche Ausbildung Voraussetzung ist für den Meister. Die reine Handwerksausbildung ist überholt und das Studium des Foto-Designers hat nichts mit Handwerk zu tun. Drittens würde Bestandsschutz bedeuten, dass jeder, der sich jetzt Fotograf nennt, es auch bleibt…

    • Hi Mike, vielen Dank für deinen Kommentar! Soweit ich weiß, würde die Meisterpflicht im Rahmen der Agenda 2010, also auf nationale Initiative abgeschafft. Aber ja, sowohl die EU, als auch die Monopolkommission der Bundesregierung sind eher gegen die Meisterpflicht.
      Die Ausbildung ist eigentlich geregelt: Azubi » Geselle » Meister. Fotodesigner liefen früher so nebenher waren nicht vom Meisterzwang betroffen, durften aber auch nicht alles fotografieren.
      Zum Bestandsschutz: Ja genau. Das wäre aus meiner Sicht auch zu begrüßen.

  2. Steffen sagt

    Also ich bin für den Meister.
    Die Argumente Innovation und Qualität sind blödsinn, das regelt der Markt selbst und nicht ein Papier.
    Wichtiger ist mir der Part den du als Sprungbrett zum Übergang genannt hast: das sehe ich anders.

    Es ist ein Risiko sich vollständig selbstständig zu machen. Entsprechend macht es Sinn, dass dies nur den Leuten zusteht, die schon Jahre Geld und Zeit dafür investiert haben, da hier die Wahrscheinlichkeit der Qualität und entsprechender marktfähigkeit höher ist.
    Zuviele leiden an Selbstüberschätzung ihrer Fähigkeiten haben keine Ahnung von Markt, Preisen etc. (Was der Meister unter anderem lehrt).

    Für mich ist die aktuelle Lösung mit Job und nur die Filets abgrasen und dabei nichtmal ansatzweise die gleichen Abgaben zu zahlen Wettbewerbsverzerrung.
    Ich wage auch zu bezweifeln das ein paar Seminare meine 3 jährige Ausbildung ersetzten können (da rede ich noch garnicht vom Meister).
    Wenn man sich anschaut wie der Meister aufgebaut ist, geht es dabei mehr um die wirtschaftlichen Aspekte. Die Praxis muss eher nachgewiesen werden statt dazugelernt.
    Wege einfach halten für die Selbstständigkeit ist ja ne gute Sache, aber da oft auch existenzen dahinter stehen ist ein Nachweis über das notwendige now how (nicht nur fachlich!) sicher nicht das schlechteste. Und dabei denke ich nicht nur an die, die schon vorhanden sind.

    Achja Ausbildung:
    Zu glauben, ein paar onlineseminare hätten den gleichen Wert… tut mir im Herzen weh. Und wenn ich sehe was all die Mitglieder in bekannten großen Foren von sich geben oder wie Videos geklickt werden wo vollkommener Schwachsinn erzählt wird, wäre es für das fachliche Wissen sehr gut wenn die Ausbildung gestärkt werden würde. Klar ist auch: Newton und co haben gezeigt, dass es gute autodidakten gibt, sind aber trotzdem eher die ausnahme auch heute noch.

    Ich sag’s mal so:
    Nicht wegen dem Meistertitel bin ich für die Wiedereinführung, sondern für die Stärkung des Marktes, Fachwissen und Ausbildung und zudem gleichen Voraussetzungen.
    Für die Zukunft stelle ich mir da eher etwas im Bereich Eignungsprüfung vor (was der Meister eig ist) dem auch Autodidakten offen steht. Wer gut ist, soll sich auch beweisen dürfen.
    Bis dahin ist der Meisterzwang ein guter Kompromiss.

    Nicht zu vergessen: wenn alle nur die Filets möchten, bleiben Standarts auf der Strecke. Durch das Fotofachhandelsterben (wozu der Wegfall 2004 ebenso geführt hat) machen jetzt z.b. DM Und co die Passbilder.
    Das ist sicherlich nicht im Sinne der Fotografie, dies unbeholfenem Personal zu überlassen die so garnichts mit Fotografie am Hut haben.

    Mfg

    • Hallo Steffen,
      Vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar, du hast ja nochmal eine Menge Punkte angesprochen.
      Zum Risiko: Das gehört zu einer Unternehmensgründung dazu, denke ich. Allerdings ist die Gründung eines Foto-Betriebs ja mit sehr überschaubarem Risiko möglich. Es müssen kaum große Investitionen getätigt werden und gerade in der Hochzeitsfotografie sind die Planungen ja sehr langfristig.

      Zur Ausbildung: ich denke statt der Meisterprüfung wäre ein verpflichtender Gründer Kurs oder ähnliches vielleicht eine gute Idee. Die meisten Themen können dort aber in ein paar Wochen bearbeitet werden. Vom fachlichen bleibe ich aber dabei, dass man das besser selbstverantwortlich lernt.

  3. Damit ich mich nicht wiederhole, hier mein Kommentar aus der Petition:
    Der Fotograf ist eine freiberufliche Tätigkeit und kein Handwerk wie z.B Elektriker, Installateure, Kfz-Mechatroniker, etc. Es gibt viele erfolgreiche Fotografen, welche berufliche Quereinsteiger sind. Das demonstriert die Fachpresse und viele Veröffentlichungen und Fotobildbände. Z.B. der Kameramann beim Film ist auch eine freiberufliche Tätigkeit. Hier in diesem Fall geht es nur darum, dass man nicht mehr freiberuflich tätig sein kann und Zwangsbeiträge an die Handwerkskammern abführt, welche ohnehin nichts für diese Branche ausrichten können. Der Bundesinnungsmeister Hans Starosta vom Centralverband der Fotografen hat die Fraktionen beider großer Volksparteien 2018 angeschrieben und die Einführung der Meisterpflicht gefordert. Der hat den Zeitgeist nicht begriffen in einer Zeit der Digitalisierung in der Fotografie und lebt wohl noch hinterm Mond.
    und in meiner Internetseite:
    Kein erneuter Meisterzwang für Fotografen

    Noch in diesem Jahr soll ein Gesetz zur Wiedereinführung der Meisterpflicht, welche 2004 abgeschafft wurde, unter anderem für gewerblich tätige Fotografen verabschiedet werden. Für diese Fotografen würde die Wiedereinführung der Meisterpflicht einen erheblichen Eingriff in die Berufsfreiheit bedeuten, und auch Bildjournalisten und künstlerisch tätige Fotografen dürften derartige Aufträge dann nicht mehr übernehmen. Der Fotograf, bzw. Foto-Designer ist ein kreativer und künstlerischer Beruf und kein Handwerk. Das sollten die Politiker in Berlin und die Handwerkskammern bei Ihrer Entscheidung zur Einführung im Sommer 2019 berücksichtigen.

    Ich halte diese wirtschaftliche Beschränkung nicht für hilfreich und es für groben Unfug, kreative Berufe mit einer Zulassungsbeschränkung zu versehen. Nachweise, wie ein Bachelor-Studium und so weiter ist ganz gut als zusätzliche Referenz. Aber eine „Meisterprüfung“ sollte Berufen vorbehalten sein, in denen es um Sicherheit, Leben und Tod geht oder es sich um rein handwerkliche Tätigkeiten wie z.B. Tischler, Friseur, Schlosser, usw. handelt.

    Meine Auftraggeber waren bis jetzt mit meinen Leistungen sehr zufrieden, ohne einen „Meistertitel“.

    Sollten Behörden und Kammern bei der Einführung des Meisterzwangs in unserer Branche uns Schwierigkeiten machen, dann sollte man alle rechtsstaatlichen Möglichkeiten ausschöpfen, um dagegen anzugehen. Das kann ich auch jedem Berufskollegen nur empfehlen. Auch die Berufsverbände, wie AGD und BFF sollten sich dafür starkmachen.

    Lutz Engelhardt

    • Hallo Lutz, vielen Dank für deinen Kommentar! Den Vergleich mit dem Kameramann finde ich sehr passend!
      Da können wir nur hoffen, dass der Meisterzwang dann vor dem EUGH komplett gekippt wird, falls er so eingeführt wird, wir geplant.

  4. Thomas sagt

    Hallo,

    Ich möchte mich dazu äußern, basierend auf meiner Meinung und meiner Interpretation dessen, was ich bisher dazu gelesen haben:

    Ein wesentliches Charakteristikum von Handwerk ist die Bearbeitung von Materialien bzw. deren Reparatur. Da in der Digitalfotografie keine Filme entwickelt werden müssen und die dafür benötigten handwerklichen Kenntnisse nicht mehr benötigt werden, entfällt der Handwerkliche Charakter gänzlich. Eine SD-Karte in der Computer zu stecken und mit Lightroom arbeiten kann man wohl nicht als Handwerk bezeichnen. Sagt man also, Digitalfotografie sei überhaupt kein Handwerk, braucht man gar nicht weiter diskutieren. Grafik-Design ist schließlich auch kein Handwerk.

    Der eben genannte Punkt ist meiner Einschätzung nach das einzige Argument, das man überhaupt braucht, um die Wiedereinführung eines Meisterbriefs von vorne herein abzulehnen.

    Ich frage mich ohnehin, wie das überhaupt durchgesetzt werden soll. Dann schreibt ein Hochzeitsfotograf halt „Eventmanagement“ oder „Social Media Wedding Management“ in sein Portfolio, in seine Angebote und seine Rechnungen. Niemand kann ihm verbieten, dass ein Großteil dieser Dienstleistung Fotos sind. Influencer machen auch Geld mit Fotos und Videos.

    Dann nennt man sich halt nicht mehr Fotograf, wenn der Begriff wieder geschützt ist. Dann macht man seine Homepage auf englisch. Nirgendwo steht, das die Begriffe in anderer Sprache geschützt sind. Oder man nennt sich Fotokünstler. Es gibt viele Möglichkeiten, seine Dienstleistungen so zu verpacken, dass man es weiter machen kann, hoffe ich zumindest.

    Was ist mit den ganzen Reise-Bloggern und Reisefotografen? Wenn ich einen Fotografen für eine Reportage in Argentinien suche, möchte ich jemanden, der die Kultur kennt und Spanisch spricht. Solche Leute sind in aller Regel nicht in Ottos Fotostudio um die Ecke zu finden. Die haben in der Regel dort keine Ausbildung gemacht und anschließend einen Meisterbrief, sondern haben oft vielfältige Lebensläufe.

    Und wie will man denn an 2004 anknüpfen? Manche Berufe sterben einfach aus oder ändern sich dahingehend, dass sie rein technisch von jedermann gemacht werden können, der eine Kamera und einen Computer hat. Die Kreativität macht den Unterschied und nicht mehr zusätzlich der Besitz einer Dunkelkammer. Und Kreativität lernt man in Ottos Fotostudio um die Ecke eher nicht, sondern auf einer Akademie. Und diese Absolventen wiederum haben keine Lust, Hochzeiten und Babybäuche in irgendeiner Kleinstadt zu fotografieren. Und auch dann wird es noch Quereinsteiger geben, die einfach so gut sind, dass sie am Markt locker mithalten können. Weshalb sollte man sie nicht lassen?

    Aberwitzig wäre auch beispielsweise: Ein dt. Fotograf hat zehn Jahre mit Größen wie Amy Leibowitz zusammengearbeitet und eine sehr gutes Portfolio. Er hat aber keinen Abschluss, der in Deutschland dem Meister entspräche und anerkannt würde. Er dürfte bei Meisterzwang in Deutschland nicht als Fotograf tätig sein, zumindest nicht als selbstständiger, der Aufträge annimmt.

    Rechtlich ist das ganze ohnehin höchst zweifelhaft. Denn das würde ohnehin nur für Deutsche gelten. Ausländischen Fotografen darf man keinen Meisterzwang auferlegen, insofern wäre es Inländerdiskriminierung und würde vom EuGh hoffentlich einkassiert werden. Wir sind in Europa 2019 und nicht in einem Flickenteppich vergangener Zeiten. Was kommt als nächstes? Werden Fotografen auf die Walz gehen?

    Zur „Billigkonkurrenz“:

    Natürlich hat niemand „Lust“, sich von Konkurrenz nach unten drücken zu lassen. Aber das ist nun einmal der Gang der Dinge, die der Wandel der Technik manchmal mit sich bringt. Aus Verbrauchersicht ist es wiederum gut. Man muss als Unternehmer langfristig planen, um auch langfristig zu bestehen. Dazu gehörtes, Chancen aber auch wirtschaftliche Gefahren durch technische Neuerungen richtig einzuschätzen. Wer 2010 eine Videothek eröffnet hat, hat einfach nicht beachtet, dass es ein paar Jahre später Anbieter wie Netflix geben wird. Ein künstliches Aufrechterhalten dieser Berufsbilder mag für ein paar Jahre diesen Berufen helfen, dem Verbraucher schadet es allerdings.

    Eine künstliche Einengung des Marktes führt zu höheren Preisen. Das führt zu weniger Aufträgen und zu noch mehr Selbstumsetzung. Sei es durch Mitarbeiter in einem Unternehmen oder durch Verwandte bei Hochzeiten. Eine Einengung des Marktes würde meiner Meinung nach der Qualität eher schaden als ihr nützen. Als es noch den Meisterzwang und noch keine Digitalfotografie gab, wirkten Fotografen auf mich vor allem eines: abgehetzt. Es gab nicht genug. Sie hetzten von Hochzeit zu Hochzeit, von Kindergarten zu Kindergarten, von Konfirmation zu Konfirmation. Heute wirkt das alles wesentlich entspannter und weniger von der Stange. Und ich finde die Qualität ist dadurch besser geworden. Und ich meine nicht die technische Qualität sondern die inhaltliche. Da brauche ich nur Bewerbungsbilder von damals mit heute vergleichen. Früher war es so, dass man in den Laden ging, ein Bewerbungsfoto wollte und dann nach 5 bis max 10 Minuten wieder draußen war (nachdem man evtl. 30 Minuten gewartet hat). Heute nehmen sich Fotografen für so etwas wesentlich mehr Zeit. Kann sein, dass diese Gegend eine fotografische Einöde war und sich das nicht verallgemeinern lässt, aber so habe ich es früher erlebt. Heute ist das viel besser.

    Fotografen mit Meister-Brief und die Handwerkskammer sollten akzeptieren, dass es mittlerweile – seit geraumer Zeit – eine weitaus geringere technische Eintrittsschwelle in die Fotografie gibt. Technisch benötigt man keine Fotolabor mehr und man kann Fehler häufig sofort korrigieren, weil sie einem sofort auffallen. Eine Vollformat-Kamera mit 50mm f1.2 oder 85mm f1.2 bekommt man mittlerweile für 2000, 2500, zumindest für unter 3000 Euro, wenn man beispielsweise eine Canon 5D M III statt einer 5D M IV kauft. Und viele Hobbyfotografen, die ständig Komplimente für Ihre Fotos aus Ihrem Umfeld bekommen, überlegen es sich eben, ob sie es einmal kommerziell versuchen sollten, ob sie einmal den großen Zeh ins kalte Wasser der kommerziellen Fotografie stecken sollen. Diejenigen, die das zu leicht nehmen, werden es auch schnell wieder sein lassen. Aber diejenigen mit Talent und Ehrgeiz können bestehen. Und sollten es auch weiterhin.

    Für den Betrachter gibt es ohnehin keine professionellen und nicht-professionellen Bilder, sondern gute und weniger gute. Consumer/Enthusiast/Semi-Pro/Pro sind Marketing-Begriffe von Kameraherstellern und sollten dort bleiben. Man spricht ja auch nicht von unprofessionellem und professionellem Essen, sondern von gutem und schlechtem Essen.

    Gibt es denn überhaupt irgendwelche Statistiken, die belegen, dass Fotografen ohne Meisterbrief ihre Dienstleistungen billiger anbieten? Und in welchen Bereichen? Das mag möglicherweise – und selbst da habe ich Zweifel – bei der Hochzeitsfotografie o.ä. der Fall sein. Aber bei der Produktfotografie? Bei Reportagen, bei dem man einen zwei- oder dreisprachigen Fotografen möchte? In der Modefotografie? Im gesamten B2B-Bereich? Glaube ich nicht. Die richten sich nach dem Portfolio und Referenzen.

    In keinem anderen Land der Welt würde man Fotografie als Handwerk sehen. Ich gehe sogar soweit und sage, die Rückkehr zum Meisterzwang wäre ein Verlust für die Fotografie in Deutschland und in gewisser Weise auch ein Eingriff in die Kunstfreiheit. Denn jeder mit künstlerischen Talenten denkt möglicherweise zumindest zeitweise einmal darüber nach, diese Talente kommerziell einzusetzen, ungeachtet von seinem tatsächlichen Beruf.

    Wie der allgemeine Geschmack zu sein hat, soll etwa der Meister beim Fotoatelier um die Ecke sagen? Derjenige mit den Bildern von Hochzeiten und Babybäuchen und Kindern in Blumentöpfen? So wie die Friseurmeisterin in Castrop-Rauxel, die fragt, ob man blonde Stränchen will, weil es „flott“ oder „frech“ aussieht?

    Bleibt noch das Allzweck-Argument, dass Meister-Betriebe ausbilden können:

    Das mag für viele (tatsächlich handwerkliche) Berufe ein gutes Argument sein. Doch in der Fotografie? Wo lernt man Fotografie besser? Beim Fotoatelier um die Ecke, in dem der Auszubildende drei Jahre lang Passbilder, Bewerbungsfotos und Hochzeiten aufnimmt und den anderen das Equipment hinterherträgt? Für 300 Euro im Monat. Oder an einer Akademie mit international renommierten Fotografen als Gastdozenten und stetigem Kontakt mit anderen angehenden Fotografen?

    Mein Fazit:

    Digitalfotografie ist meiner Meinung nach streng genommen überhaupt kein Handwerk. Der Meisterzwang würde zu einer Verteuerung und Monotonie führen, da mittlerweile nur jeder 15. Fotograf einen Meisterbrief hat. Es würde dem Verbraucher immens schaden. Ebenso wie der beruflichen Selbstentfaltung und der Kunstfreiheit. Zudem ist es rechtlich zweifelhaft.
    All das wiegt meiner Einschätzung nach weitaus schwerer als einen angeblich handwerklichen Berufsstand zu schützen, der durch technischen Wandel Turbulenzen erlebt. Die Einflussnahme der Handwerkskammer in diesem Bereich ist ein besonders dreistes Beispiel von Lobbyismus.

    Viele Grüße,
    Tommy

    • Hey Tommy! Vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Da bleibt mir nur zu sagen: Schreib unbedingt deinem Bundestagsabgeordneten und setz dich dafür ein, dass es so bleibt wie es ist 😉

      • Thomas sagt

        In dessen Lebenslauf habe ich gerade gesehen, dass er Landwirtschaftsmeister ist und den Schutz des Handwerks explizit auflistet. Ich sollte möglicherweise etwas anders formulieren 😉
        Tommy

        • Meine hat den Antrag zu verantworten🙈 ich hab auch noch keine Antwort auf meine E-Mail bekommen…

  5. Steffen sagt

    Habe ja schon oben dazu geschrieben, lese aber auch gerne die Pro-Argumentation. In deinem Fall sehe ich halt persönliche Interessen aber nicht den Blick auf das große Ganze.

    1. Fotografie ist kein Handwerk
    – sorry, aber da bin ich schon direkt anderer Meinung. Das Problem ist doch, dass sich viele als Spezialist auf einem Teilgebiet sehen und darum sagen, dass Kamera halten, SD-karte in den MAC schieben und Bissl PS/LR oder ähnliches doch wohl kein handwerk sei. Joa, dass was du nennst ist auch kein Handwerk – aber Fotograf sein ist in meiner Welt weitaus mehr.
    Deine Auflistung erinnert mich etwas an Spagetti Miracoli kochen. Packung aufreisen, zusammenrühren /erhitzen und voila schmeckt – ergo bin ich Koch?

    2. Hochzeitseventmanager oder ähnliches
    Joa die gabs schon früher. Aber genauso gabs auch Handwerkskammern die im gegensatz zu Heute auch etwas für Ihr Geld getan haben und diese Leute aus dem Wettbewerb gezogen haben, wenn Sie nachweisen konnten dass sie lediglich einen anderen Begriff verwenden um den Meisterzwang zu umgehen.
    Dabei will ich nochmal klarstellen: Mir persönlich geht es nicht darum Leuten die Gut sind diese Quereinstiegsmöglichkeit zu verbauen! Sondern darum, dass diese sich an die gleichen Regeln am Markt unterziehen wie es die anderen auch tun müssen und das fachliche Wissen auch über Miracoli hinaus mitbringen.

    3. Abgehetzt/ höhere Qualität
    Zum Thema abgehetzt kann ich nicht viel sagen. Ich habe mir schon immer die Zeit genommen die ich für richtig hielt. Das dies nicht alle tun aus Preisdruck kann ich mir gut vorstellen. Das aber die Qualität gestiegen sei… das unterschreibe ich zu 0,0%. Mach dir den Spass, schau in googlemaps wer in deinem Umkreis fotoleistungen anbietet und schau dir deren Musterbilder an. Zu 95% bekomme ich hier das blanke grauen. Von technischem Unwissen, verschlimmbesserungen durch Presets, bis hin zu keinerlei Wissen über Bildgestaltung und dessen umsetzung. Wenn ich dies hier im Raum tue, finde ich genau einen einzigen Autodidakten, dem ich die Qualität zuspreche das den Namen Fotograf verdient. Einer von etwa 30 wohlgemerkt, der Rest ist reine Amateuerklasse und kann jeder der ne SLR in der Hand halten kann.

    4. Fotograf im Ausland
    Wenn du Fotografen in anderen Ländern suchst, wende dich an Agenturen. Fertig, so einfach kann das sein, oder bezahle einen Fotografen den du von hier aus losschickst (mit den entsprechenden kosten). Wo liegt da jetzt das Problem? Das die deutsche Ausbildungsform eine gewisses Alleinstellungsmerkmal auf der Welt hat ist nicht neu – das uns ein großteil der Welt darum beneidet im übrigen auch nicht. Ich könnte es auch so formulieren: Sich durch die Vielzahl der eingetragenen Fotografen in DE zu welzen um wirklich mal einen guten zu finden ist doch heute wesentlich schwieriger als noch vor 2004. Masse statt Klasse ist doch heute der Markt.

    5. Wie es rechtlich aussieht wird man sehen, denke das weiß noch niemand genau. Allerdings geht das ja auch bei anderen Berufen immernoch mit Meisterzwang, also wüsste ich nicht, warum es in der Kategorie B nicht gehen solle. Im übrigen: hab einen sehr interessanten Bericht über Friseure gelesen, die gerade vor der selben Problematik stehen durch Barbiere, einfach mal googeln. Da hier die Autodidaktenszene bei weitem nicht so groß ist wie in der Fotografie, sicherlich ein guter Einblick auf das Thema Meisterzwang.

    6. Billigkonkurrenz
    An der Stelle erkennt man dann doch deutlich, dass deine wirtschaftliche Erfahrung noch eher gering ist in dem Bereich. Ich habe null Probleme damit, dass andere günstiger sind als ich! Wenn einem Kunden meine Leistung das Geld nicht wert ist, soll er eben wo anders hin, vollkommen in Ordnung.
    ABER: Was gute Fotografie kostet wird durch Quereinsteigern mit Dumpingpreisen zerstört, so dass garkein Preisgefühl mehr bei Kunden vorherrscht. Gut ok, müssen die Kunden selber merken. Das Problem daran: Wenn einer ne 50,- Kamera aus China kauft und merkt die taugt nix, ärgert er sich, wirft sie Weg und weiß nun, wer billig kauft kauft 2x. Wie das ein Kunde aber machen soll bei z.B. Hochzeitsbildern weil er eben den günstigen Autodidakten genommen hat… kann er ja schlecht alles wiederholen für gute Bilder. Leute die mir Ihre Foto-CD bringen und fragen, ob ich da noch was retten kann habe ich monatlich. In der Hochsaison 2-3. Und das kann nicht im Sinne des Berufsstandes sein.
    Ich fasse es nochmal zusammen: Durch zuviele Autodidakten ohne Hintergrundwissen sind die Kunden im Preisgefühl völlig versaut, vielen ist dann die Qualität zu teuer um hinterher festzustellen, scheisse.
    Das stört mich kollosal! Und das was du schreibst von Videothek und Netflix ist vollkommen richtig, hat aber keinerlei Beziehung zum Beruf Fotograf.

    7. Bewerbungsbilder in 10 Minuten vs 30min
    Auch hier wieder, keine Ahnung von Pricing. Erkläre mir mal, wie ein 30 Minütiges shooting, dass in Summe machen wir nur 1std. daraus, für 49,- und weniger funktionieren soll für Jemanden der das Hauptberuflich mit sämtlichen Abgaben bis hin zur Altersvorsorge betreibt? Und sag jetzt bloß nicht, dann muss man eben 10 am Tag machen. Wer das nebenruflich macht freut sich über die steuerfreien 50,- Euro für 1 Stunde aufwand fürs Hobby.
    Mach dir einfach mal ernsthaft gedanken über die Aussage.
    Aber ich verrate dir was: Ich mache dir in 20 Minuten Bewerbungsbilder, womit du 90% deiner Autodidakten locker in die Tasche steckst. Geht halt um Effizienz und den richtigen Workflow. Zahlen tust du dafür aber dennoch deine 49,- ( für eben „nur“ 20min, aber es geht dir ja nur um das gute Bild, richtig? ;)). Wenn du mehr willst zahlst du auch mehr.

    8. Der Zeh im kalten Wasser
    Genau, da wären wir wieder: jemand der seinen Freunden oft Spagetti Miracoli gemacht hat wurde für das gute Essen gelobt. Nun glaubt er, dass er das als Koch machen kann, schmeckt ja jedem und der Esser unterscheidet ja nur in schmeckt oder schmeckt nicht (gutes Bild, schlechtes Bild). Er bietet also nur diese eine Art der Fotografie an (deine Ausrüstung die du angibst ist ja dann mal nur für Headshotfotografie zu gebrauchen; – im Freien versteht sich, Studioblitze sind zu kompliziert für den Einstieg) und überlegt sich einen Preis, den er dafür haben möchte für so nebenbei.
    Wenn das deine Vorstellung von Markt ist, ist das alles hier wohl vergebene Liebesmühe.
    Wer sich Fotograf schimpfen möchte, sollte noch mehr als Miracoli können. Aber da trennt sich eben die Spreu vom Weizen: Wenn mal einer kommt mit einer Glutenunverträglichkeit. Wer sich Fotograf nennt, sollte auch im groben fotografische Aufgaben umsetzen können und nicht nur Nudeln abkochen. Da gehts halt schon los… beim aktuellen Markt ohne Unterscheidungsberiff ist das aber für den Kunden nicht mehr ersichtlich.

    9. Gutes und schlechtes Essen (nochmal)
    Tja schätze genau hier unterscheiden wir uns dann doch. Klassischerweise versteht jeder Meister (auch anderer Sparten) was ich hier meine und Quereinsteiger eben nicht: Nein es geht nicht nur um schmeckt oder schmeckt nicht!
    Ein Koch sollte z.B. auch wissen was Hygiene ist. Sieht man dem Essen nicht an aber wird nicht ohne Grund streng komtrolliert. Ein guter Koch verzichtet auf Glutamat, Mondamin und Co. Es bedeutet weitaus mehr kosten dies händig herzustellen, aber genau da unterscheidet sich eben der Koch vom Amateur. Mir schmeckt das Essen meiner Freundin auch jeden Tag. Dennoch ist sie keine Köchin.

    In der Fotografie gibt es diese Dinge ebenso: Ein Fotograf kann richtig belichten. Punkt. Er benötigt keine LR damit die Bilder nach was aussehen und tritt die JPGS alle in die Tonne.
    Er NUTZT LR und RAWentwicklung um Ideen umsetzen zu können als Werkzeug, aber sicherlich nicht, um technische Fehler auszumerzen. Wie ein Tontechniker einst sagte: Ein Mischpult ist kein Klärwerk. Das ist LR und PS auch nicht für mangelndes, fotografisches können. Da unterscheiden sich eben Amateuer und Profi (was auch ein Autodidakt sein kann!). Es mag einfach sein Bilder heute aufzuhellen, licht nachträglich zu setzen etc. pp. aber wer das nötig hat sollte sich gefälligst nicht Fotograf nennen, egal ob die Bilder dann am Schluss richtig gut aussehen oder nicht. (Würde er diesen Aufwand denn richtig bepreisen (müssen!), würde er am Markt wiederum nicht bestehen)

    10. Statistiken Pricing
    Ja die gibt es. Schau mal im Handesblatt z.B.. Aber hier frage ich mich, wie deine Marktkenntnisse sind? Denn dafür braucht es keine offizielle Statistik um zu wissen, dass Amateure dies günstiger anbieten. Auch hier lohnt sich das Vergleichen der „XY Fotografie“ seiten im Umkreis.
    Einfachste Erklärungen warum das so ist sind z.B.: – keine Fixkosten/Nebenberuflich, Einsteiger geben an, sich mit günstigeren Preisen am Markt positionieren zu wollen, ebenso geben sie an, für weniger Fachwissen weniger verlangen zu wollen ( bin nicht so gut wie XY, aber verlange ja auch nur die Hälfte) bis hin, wollen damit nur Ihr Hobby finanzieren und haben keine Gewinnabsicht.
    Wenn du Hauptberuflich als Fotograf tätig wärst, solltest du wissen wie es in deinem lokalen Gebiet so aussieht und dann bräuchtest du diese Frage nicht stellen da du es wüsstest.
    Frech gesagt: Sollte ein guter Fotograf nicht sogar wissen wie die Preise in seinem Umfeld sind? Das gehört schlicht dazu nicht nur schöne Bilder. Lernt man übigens auch im Meisterkurs 😉 -> Konkurrenzbetrachtung.
    Im übrigen ist klar, dass sich das auf den B2C bereich bezieht. Im B2B bereich tummeln sich weitaus weniger Hobbyisten, da der Einstieg viel schwerer ist ( Auftraggeber in dem Bereich haben halt gerne eine vollwertige Rechung).

    11. Verlust für Deutschland
    Ganz im Gegenteil: Wer den Meister führt hat viel Zeit und Geld in sein hoffentlich vorhandenes Talent gesteckt und sein vorhaben gezielt geplant und viel aufwand reingesteckt. Da ist das Wissen notgedrungen schon vorhanden, weil die Existenz auf dem Spiel steht. Kein Mensch sagt etwas gegen die Kunstfreiheit. Das soll jeder gerne als Hobby betreiben, davon habe ich viele nette Kunden denen ich da auch gerne Tipps gebe. Aber genau dieses: Joa, dann schau ich mal ob ich mit Miracoli mir bissl was dazu verdienen kann, ist doch der Grund, warum die Qualität so leidet und es schwierig ist gute Fotografen zu finden die evtl. auch was anderes kochen können (und die Hygiene dabei nicht vergessen etc.).
    Wer darüber möglicherweise nachdenkt, sein Talent wirklich zu verfolgen und dies 100% machen will, den hindert doch nichts daran eine Ausbildung zu machen und den Meister drauf zu setzen ähnlich der Fortbildungen etc. Wer in der Formel 1 fahren will, braucht auch einen langen Atem und viele Füherscheinklassen.

    12. Ausbildung
    Nun ich sehe es ja genauso: Nur Miracoli kochen zu können ist kein Handwerk. Daraus zu schließen, dass der Koch kein Handwerk ist, wäre jedoch ebenso falsch wie es beim Fotografen ist. Es gehört mehr dazu als eine Kamera mit offenblendigem Objektiv und bissl Headshots zu machen die man dann in LR aufhellt, weil man nicht genug Knowhow hat um das Bild gleich richtig aufzunehmen. Das ist wirklich kein Handwerk.
    Der Beruf Fotograf hat weitaus mehr Facetten als schöne Bilder im Ergebnis. Da wären wir auch beim Thema: Denn in der Ausbildung lernt man eben auch Dinge, für die man sich nicht freiwillig in einem Workshop anmeldet. Mich hat damals auch Kunstgeschichte nicht interessiert, heute weiß ich aber, dieses Wissen fotografisch zu nutzen. Die 3 jahre Gestaltungslehre hat sicherlich auch kaum ein Autodidakt aufgeholt.
    Und wenn sich jemand Fotograf schimpft, sollte z.B. analoge Fotografie genauso möglich sein. Das nennt sich Fachwissen. Aber 99% der Hobbyisten die sich auf dem Markt tummeln wissen noch nichtmal wie man einen Film an einer Fachformat einlegt. Von Blitztechnik möchte ich erst garnicht anfangen.
    Ja, natürlich gibt es immer welche, die sich auf Nischen spezialisieren, sei es Headshot, entfesselt blitzen, HSS oder was einem sonst gerade einfällt. Aber von einem ausgebildeten Fotografen kann man dies ALLES erwarten, von Hobbyisten immer nur einzelne Gerichte aber Sie sind eben nie ein vollwertiger Koch. Vom Hochzeitsfotografen zur Werbefotogafie: Ein Fotograf kann das, die meisten Hobbyisten nicht und werden somit dem Begriff Fotograf einfach nicht gerecht.
    Wenn der Meisterzwang (ohne Bestandsscutz) käme, würden die, die es ernst am Markt meinen, einfach den Meister nachholen. Immo. gibt es doch nur so wenige, weil der Titel für das viele Geld keinerlei Vorteile bringt. Im Gegenteil: Bei Leuten wie dir wird dann an das kleine Fotostudio im Ort gedacht, wo der Meister seit 20 Jahren den gleichen Hintergrund benutzt etc. Das sich da seit den 90ern evtl. auch was getan hat, darauf kommen die wenigsten. Die beschriebenen Meister sind übrigens schon lange nicht mehr am Markt, aber nicht weil sie den Meistertitel tragen, sondern weil Sie sich an den Markt nicht angepasst haben. Das hat aber wiederum nichts mit dem Titel selbst zutun und gibts in jeder Branche.

    Warum es gut wäre die Ausbildung zu stärken, steckt unter anderem selbst hier in den Antworten drin.
    Wie bei jedem Beruf gibt es auch hier Notwendigkeiten und nicht nur „schöne“ Aspekte. Um die Notwendigkeiten kümmern sich aber nur die allerwenigsten wenn Sie aus dem Hobbybereich stammen.
    Schau doch mal auf die schnelle ob du einen Workshop zum Thema Bildrecht findest und wieviele Anmeldungen vorliegen. Oder ein Blick in Foren, wo sich bei zig tausend Mitgliedern kaum einer findet, der weiß wie man mit Farbräumen richtig umgeht, Proofs etc. Da findest in youtube evtl. noch Anleitungen wie du das für deinen Eizo machst, aber wieso weshalb warum und wie das funktioniert lernst du da nicht.
    Das ist nicht wichtig für dich? Mag sein. Aber von einem, der sich Fotograf nennt, kann man diese Basics schlicht erwarten. Und damit dieses Wissen rund um das schöne Bild zukünftig noch vorhanden bleibt und sich weiterentwickelt, benötigt es eben schulische Voraussetzungen die das auch lehren. Da reicht ein Workshop am Wochenende einfach nicht. Und das wirtschaftliche kommt dann im Meister dazu.
    Fotografie ist mehr als „schöne“ Bilder! Und wenn du das anders siehst, dann stelle dich doch mal einer Fachjourie. Dann bekommst du im Feedback ganz schnell die Antworten, warum du nur Amateuer bist.

    13. Dein Fazit
    … ist für mich eines, das einfach aus einem leihenhaften Wissen heraus zusammengetragen ist. Ich hoffe du siehst das nicht als persönlichen Angriff, aber ich nehme halt auch kein Blatt vor den Mund.
    Wieso Fotografie ein Handwerk ist habe ich dargelegt. Mit „Zwang“ wird es auch wieder mehr Meister geben, da der Markt vorhanden ist und wer sich da positionieren will auch das notwendige dafür tut. Die Verteuerung käme für mich einher mit einer gewaltigen Qualitätssteigerung und wäre dann wieder in einem angemessenen Preisrahmen. Das schadet in sofern dem Verbraucher nicht, da er ja die Wahl hat ob er Bilder vom Onkel Klaus mit Homepage oder einem richtigen Fotografen und echter Qualität haben möchte und dies auch bezahlen will/kann. Selbstentfaltung und Weiterentwicklung regelt der Markt. Auch mit Meisterzwang gibt es Konkkurenz und den „Druck“ sich stetig weiterzuentwickeln. Wer das nicht macht, muss gehen, wie in jedem anderen Beruf mit Meisterzwang auch.
    Den Berufsstand zu schützen ist wichtig, um die Qualität wieder zu erhöhen und den Markt übersichtlicher für den Kunden zu halten. Zudem muss wieder ein gleicher Wettbewerb stattfinden mit gleichen Voraussetzungen bei den staatlichen Belastungen. Es geht nicht um Turbulenzen, die gab es immer, sondern eben auch um Gerechtigkeit am Markt. Wer gut ist, setzt sich so oder so durch. Alle anderen dürfen dann eben nicht mehr bei den Profis mitspielen und somit ist der Markt zwar kleiner, aber wieder Qualitativer.

    • Hallo lieber Steffen,

      ich bin mir nicht ganz sicher, auf wen du dich hier beziehst, aber ich glaube auf den Kommentar von Thomas.
      Dennoch möchte ich mir die Zeit nehmen dir antworten:

      zu 1. Fotografie ist kein Handwerk
      Ich denke, dass Thomas hier schon einen wichtigen Punkt nennt, auch wenn ich dir Recht gebe, dass Qualitätsfotografie nicht so einfach wie von ihm beschrieben ist. In der heutigen Fotografie wird größtensteils nur noch ein digitales Produkt generiert. Und da kann man schon einmal darüber nachdenken, ob das wirklich noch Handwerk ist. Vergleichbare Berufe, wie Kameramänner beim Film oder Grafikdesigner stellen genau wie der Fotograf digitale Produkte her, die einem künstlerischen Anspruch genügen müssen. Und trotzdem sind die Berufe kein Handwerk. Warum also Fotografen? Und da es heute sehr einfach ist gute Fotos zu machen gibt es auch noch neue Probleme: Ist ein Influencer, der sein Geld mit Selfies verdient dann auch ein Fotograf? Er lebt ja schließlich von Bildern. Und reine Werbefotografen sind keine Handwerker sondern Freiberufler. Das zeigt ja schon wie inkonsequent die Einstufung der Fotografie gehandhabt wird. Ich denke Fotografie hat mit echtem, verarbeitendem Handwerk nichts zu tun.

      zu 2. Hochzeitseventmanager oder ähnliches
      Da gebe ich dir vollkommen Recht. Falls das Gesetz geändert wird, darf nicht illegal unter anderem Namen einfach weitergemacht werden wie bisher.

      zu 3. Abgehetzt/ höhere Qualität
      Die Qualität, zumindest in der Hochzeitsfotografie hier im Bremer Umland, ist sehr gestiegen. Das ist die Branche, die ich am besten beurteilen kann, weil ich den Markt sehr aktiv verfolge. Alle alten Meisterbetriebe hier haben sich kein Stück verbessert und bieten den gleichen Kram an, wie vor 20 Jahren. Nur Digital fotografiert. Und ich meine nicht nur gestalterisch und von der Bildidee schlecht, sondern auch technisch sind die Bilder teilweise schlechter als in der analogen Zeit. Da hätte es weniger ausgefressene Himmel und bessere Farben gegeben, weil der Film mehr verzeiht und von sich aus meist schon gute Farben und Hauttöne mitbringt. Wenn Du mal nach „worst russian wedding photos“ googelst, erhälst du das Niveau, was hier teilweise im Schaufenster hängt. Von Meisterbetrieben, wohlgemerkt.

      zu 4. Fotograf im Ausland
      Auch hier muss ich Thomas beipflichten. Es ist definitiv ein Wettbewerbsnachteil, wenn in allen EU-Ländern Fotografen ohne Meisterpflicht arbeiten können, in Deutschland aber nicht. Insbesondere, wenn diese EU-Nachbarn in Deutschland ohne Meisterbrief arbeiten können. Klar gibt es auch Kunden, die z.B. im Baugewerbe deutsches Handwerk schätzen. Dennoch sind auf deutschen Baustellen viele Polen und Rumänen anzutreffen, die nicht der Meisterpflicht unterliegen und deutlich günstiger arbeiten können.

      zu 6. Billigkonkurrenz
      Hier widersprichst du dir selbst. Einerseits ist es dir egal, ob jemand anders günstiger ist, anderseits machen andere die Preise kaputt? Da geht nur eines von beiden. Ja, ein deregulierter Markt enthält auch Dumpingpreise. Aber ich bin fest davon überzeugt, wie du glaube ich auch, dass sich Qualität durchsetzt. Und die wird sich auch zu einem angemessenen Preis durchsetzen. Fertig. Dafür braucht es aber keinen Meisterbrief. Und der Schaden durch einen schlechten Fotografen hält sich im Gegensatz zu einer falsch montierten Bremsscheibe oder einem Kabelbrand ziemlich in Grenzen.

      zu 8. Der Zeh im kalten Wasser und 9. Gutes und schlechtes Essen (nochmal)
      Um den Kochvergleich hier noch ein wenig zu bemühen: Ein guter Koch entscheidet sich meiner Meinung nach weniger im Geschmack von einem guten Amateurkoch, sondern vielmehr in der Fähigkeit viele Bestellungen gleichzeitig und zeitnah abzuarbeiten. Und dabei bedienen die meisten Köche sich trotzdem zunehmend Fertigprodukte. Die Sauce Hollandaise zum Spargel schmeckt deshalb überall gleich, weil sie überall aus dem Tetrapak kommt. Dafür ist sie viel billiger, weil mit weniger Arbeitszeit zuzubereiten. Sehr zu empfehlen ist da die Doku „Kochen mit Fertigprodukten – Die Wahrheit über Restaurants„Bei Restaurantketten wie Alex oder Vapiano arbeiten auch keine Köche mehr, sondern Ungelernte (Quelle). In vielen Restaurants dürfte das ähnlich sein.
      Auch hier regelt der Markt. Auch ohne Meisterpflicht. Es gibt Restaurantgäste, die gerne und oft zu Sterneköchen gehen und Wert auf beste Zutaten, faire Bezahlung und ein erstklassiges Erlebnis legen. Die legen dann auch gern viel Geld dafür auf den Tisch. Und es gibt genauso Menschen, die falls sie überhaupt mal Essen gehen, zum Dönerladen oder eben ins Vapiano gehen. Und so sieht es eben auch bei den Fotografen aus. Und das finde ich gut. Ein Eingriff in diesen Markt würde zuallererst die Verbraucher treffen.

      zu 11. Verlust für Deutschland
      Genau, niemand wird daran gehindert eine Ausbildung zu machen. Machen aber trotzdem die wenigsten, weil sie sich einfach nicht lohnt. Ich habe eine ähnliche Ausbildung gemacht, nämlich Mediengestalter Digital und Print. Für die Arbeiten, die ich in der Agentur gemacht habe, nämlich Website-Programmierung habe ich genau in einem Block a 2 Wochen etwas mitnehmen können. Ja, ich habe auch ein paar andere Dinge gelernt, die ich jetzt auch manchmal gebrauchen kann. Die Ausbildung an sich war aber größtenteils Zeitverschwendung. Dennoch: Warum kann es im Fotografenmarkt nicht laufen wie bei den Werbeagenturen. Dort schreiben einfach manche Agenturen vor, dass sie gerne Mitarbeiter mit Mediengestalter-Ausbildung haben möchten oder selbst ausbilden und fertig. Nicht die IHK. Das hat auch der Markt geregelt. Und es gibt eben auch viele Quereinsteiger die genauso gute Mitarbeiter sein können.

      zu 12. Ausbildung
      Nein, ich muss von einem Fotografen nicht fordern können, dass er alles auf höchstem Niveau fotografieren kann. Sonst bräuchte es ja keine Spezialisierung. Dafür sind Sport-, Immobilien-, Werbe- und Porträt-Fotografie einfach zu unterschiedlich. Genausowenig muss ein Fotograf heute noch analog fotografieren können. Blitzen ja, das gehört für mich auch dazu. Ich bin aber, wie ich bei 11. schon schrieb, nicht davon überzeugt, dass eine verpflichtende Ausbildung das besser kann als die intrinsische Motivation eines Gründers. Dafür hinken die Inhalte in den Berufsschulen zu weit der Realität hinterher, wie du ja am Beispiel der analogen Fotografie selbst erläuterst.
      Und wenn der Markt so explodieren kann, wie bei den Fotografen spricht das auch nicht gerade für die Qualität der Ausbildung. Wäre die so gut, würden ja alle potenziellen Fotografen freiwillig die Ausbildung machen. Scheinbar sind die Workshops und Privatschulen aber besser.
      Auch noch ein Beispiel: Klassische Musiker, die an Theatern und Opernhäusern arbeiten sind extrem gut ausgebildet (Studium), beherrschen in der Regel ihr Handwerk hervorragend und werden trotzdem schlecht bezahlt.
      Von einer guten Ausbildung auf gute Bezahlung zu schließen ist also ziemlich weit hergeholt. Tust du auch nicht, wollte ich nur nochmal klarstellen 😉

      Zum Fazit
      Ja, mit Zwang würde es mehr Meister geben. Und viele zerstörte Existenzen und Betriebe. Und das kann sich weder eine Regierung noch eine Volkswirtschaft gut leisten. Allein aus diesem Grund bin ich für einen Bestandsschutz.

    • Thomas sagt

      Hallo Steffen und Kai,

      bzgl. Steffens Antwort:

      Handwerk:
      Ich habe nicht geschrieben, dass es einfacher ist. Allerdings, dass es kein Handwerk darstellt. Kai und Lutz bringen den Vergleich mit einem Kameramann und erklärt mir doch einer einmal den Unterschied. Ich sehe keinen hinsichtlich der Kategorie „Handwerk“. Zum Handwerk gehört eine Bearbeitung physischer Gegenstände. Und dazu zählt nicht, dass man ein Digitalbild am Ende ausdruckt.
      Digitalfotografie ist handwerklich einfacher (weil gar kein Handwerk), IT-technisch jedoch aufwendiger.

      Wie gesagt, das ist meiner Meinung nach das einzige Argument, was man überhaupt braucht.

      Hochzeitsfotografen:
      Lasst die Kunden selbst entscheiden, von wem sie ihre Hochzeit fotografieren lassen! Dein Punkt 2 ist ein Widerspruch, denn ein Meisterzwang verbaut die Quereinstiegsmöglichkeiten, von denen Du sagst, dass es Dir nicht darum geht, ihnen diese Möglichkeit zu verbauen.

      Andere Berufsbezeichnungen:
      Doch, ich denke, da wird die Handwerkskammer in vielen Fällen überhaupt nichts machen können. Wenn z.B. Kamerahersteller einem Fotoblogger einen Auftrag erteilt, eine Kamera für Reisefotografie- und Videografie zu testen, bekommt er unter anderem einen Fotografie-Auftrag. Und selbstverständlich wird er es weiterhin machen können. Zumindest langfristig, bis auch in Deutschland das „Neuland“ juristisch richtig behandelt wird. Insbesondere, wenn es darum geht, dass sich ein Produkt an Amateure richtet und von einem erfahrenen Produkttester, aber die Fotografie betreffend einem Amateur, getestet werden soll. Der Auftrag ist eben keine reine Fotografie. Ebenso ist es mit Instagramern und anderen Influencern. Die machen alle Fotos und manche davon mit Auftrag. Weiteres Beispiel: Reiseblogging, wie ich bereits geschrieben habe. Wie willst Du denn das ganze aufteilen? Es besteht aus Text, Bildern und evtl. Videos. Die Bilder darf er nicht mehr als Auftrag annehmen, wenn er gefragt wird? Wie sieht es mit Timelapse aus? Fotos oder Video? Handwerk oder nicht? Oder ein Grafik-Designer, der Flyer in Auftrag nimmt? Darf er keine selbst gemachten Bilder mehr auf seine Flyer einbauen? Muss er einen Fotografen unterbeauftragen? Aber ein Fotograf darf Flyer designen? In einem Restaurant bekommst Du auch einen Nachtisch, obwohl der Koch ein Koch und kein Konditor ist.

      Ausland:
      Dein Beispiel mit der Beauftragung von Fotografen im Land ist u.U. unzweckmäßig. Internationale Agenturen: „Die Deutschen mal wieder“.

      Billigkonkurrenz:
      Das klingt danach, dass nur der deutsche Fotografiemeister weiß, was ein gutes Foto ausmacht. Und danach, dass der Kunde das ja gar nicht weiß und die Qualität durch die Schwemme an Fotografen ohne Meisterbrief ja so leidet. Wenn ich mir die Schaufenster ansehe, mit ihren Fotos von Hochzeitspaaren, Babybäuchen und Kind-im-Blumetopf-Bildern, sehe ich das leider überhaupt nicht, dass deren Fotos bzw. deren Ideen so besonders neu und an den Kunden angepasst sind. Wirkt von der Stange.
      Kais Punkt 3 trifft ziemlich gut das, was ich meine. Einfallslosigkeit und ewig das gleiche. Und um Deinen Vergleich mit Friseuren aufzugreifen: Bevor ich zu einer Friseur-Meisterin gehe, die mich jedesmal fragt, ob ich nicht einmal blonde Strähnchen ausprobieren möchte, weil es „frech“, „keck“ oder „flott“ aussieht, gehe ich lieber zum Barbier, der mich einem solchen – Verzeihung, Mist – nicht fragt. Das analoge zu dieser Friseurin findet sich auch häufig in Ottos Fotoatelier in einer deutschen Kleinstadt. Kai drückt sich etwas diplomatischer aus, aber ich denke wir beschreiben das gleiche. Ich betone ausdrücklich, dass ich das nicht von allen Fotografie-Ateliers denke. Aber sobald man in eine Kleinstadt kommt, nimmt es meiner Meinung nach zu. Ich habe als Kunde bisher keine guten Erfahrungen gemacht. Und in Ermangelung an Alternativen hatte ich vor 15 Jahren in manchen Gegenden einfach keinen guten Fotografen gefunden.

      Um die wirtschaftliche Situation bin ich mir durchaus bewusst. Nur bin ich der Meinung, dass Fotografie im Gegensatz zu vielen anderen (tatsächlichen) Handwerken ein geringeres Bedürfnis der Gesellschaft darstellt. Man wird niemals in den Medien die Schlagzeile lesen: „Wir haben einen Fotografenmangel“, zumindest nicht mit alarmierender Wirkung, so wie es bei anderen (tatsächlichen) Handwerksberufen, aber auch Ärzten, Pflegern, Kindergärtnern, etc. bekanntermaßen der Fall ist. Abgesehen von Ärzten auch wegen der Bezahlung. Aber Fotografen? Come on, es ist kein gesellschaftstragender Beruf und bedarf keiner (Arbeits)marktregulierung.

      Ob ich die Marktsituation kenne, wäre für mein Argument ohnehin irrelevant. Es ist vielmehr so, dass es mir egal ist, ob es gerade über- oder untersättigt ist.Falls übersättigt: Lasst die besseren (ja und teilweise auch günstigeren, Skoda und Audi existieren auch beide) sich durchsetzen.

      Das mit dem Preisgefühl des Kunden ist so eine Sache. Er erkennt durchaus, ob ein Fotograf sein Geld Wert ist. Und das beurteilt er sicher nicht anhand eines Meisterbriefs an der Wand. Insbesondere bei Fotografen ist doch mittlerweile für den Kunden bereits durch den Besuch der Website erkennbar, ob ihm dessen Arbeit zusagt und ob er es dementsprechend in Erwägung zieht, ihn zu beauftragen.

      Meinst Du mit Amateur eigentlich „nebenberuflich“ oder „ohne Meisterbrief“? Das ist nicht ganz ersichtlich. Ich war letztes Jahr bei mir in Stuttgart bei einem mir bekannten hauptberuflichen Fotografen ohne Meisterbrief, um Portraifotos machen zu lassen: Insgesamt 60 Minuten, im Studio und im Freien. Ca. 80 Bilder in geringer Auflösung bekommen, von denen ich mir vier zuhause aussuchte. Nach meiner Entscheidung hatte ich einen Tag später die vier Bilder jeweils in Farbe und in s/w. Kosten: 209 Euro. Ich kenne auch nebenberufliche Fotografen, die samstags Hochzeiten fotografieren. Ihr Equipment ist ähnlich (zwei Kameras z.B Canon 5dM3+4, f1.2/F1.4 Festbrennweiten). Wer das ganze nebenberuflich für 50 Euro macht, wie Du schreibst, wird nicht einmal sein Equipment abschreiben können, Egal, ob mit oder ohne Meisterschein. Wir haben anscheinend einen unterschiedliche Blick darauf. Ich habe nicht billig gekauft und bin dann eine Woche später zu einem anderen Fotografen. Und wenn, dann hätte ich den bestimmt nicht nach einem Meisterbrief gefragt.

      Ich habe beim Beispiel mit den max. zehn Minuten Portraitbild von früher überhaupt nichts von Pricing geschrieben, sondern von der Lieblosigkeit der hingeknippsten Bilder.

      Nebenberuflich und steuerfrei? Ich hoffe (und gehe davon aus), dass Du Dich auf die Umsatzsteuer und die Kleinunternehmerregelung beziehst. Das ist unabhängig von der Tätigkeit eine Grenze, bei der man eben keine MwSt. ausweisen muss. Egal, ob Fotograf, Masseur, Coach, Steuerberater oder was auch immer.

      Würde ich gewerblich Hochzeitsfotografie betreiben und für drei Stunden 150 Euro verlangen (3x deine 50 Euro im Beispiel), saisonbedingt jeden Samstag von Mai bis September = ca. 20 Samstage = 3000 Euro brutto. Minus Ausgaben/Abschreibung, minus Einkommensteuer, die sich am Gesamteinkommen bemisst. Kurz gesagt: Vergiss es.

      Auf der einen Seite schreibst Du, dass der Kunde nicht über die Fachkenntnisse aufgeklärt wird, andererseits gefällt Dir auch nicht, wenn ein Quereinsteiger offen damit umgeht. Ein Fotograf, der keine Gewinnabsicht hat, bzw. seine Leistung gänzlich umsonst anbietet, hat mit dieser Diskussion ohnehin nichts zu tun. Niemand, auch nicht die Handwerkskammer, kann untersagen, dass jemand als Hobby Fotografie betreibt und seine Leistung unentgeltlich anbietet.

      Ich finde einfach, man soll die Kunden nicht bevormunden. Ein Kunde ist doch kein unbeholfener leichtgläubiger Ahnungsloser, der sich nicht bewusst ist, dass billigere Fotos idR nicht der Qualität von teureren entsprechen werden. Aber möglicherweise reicht ihm die Qualität oder er kann nicht mehr ausgeben. Gründe gibt es viele. Diese beiden werden wohl die häufigsten sein. Es gibt Menschen, die denken, Autos unter 50.000 Euro sind Schrott und andere, die sich nie ein Auto für über 15.000 Euro kaufen. Deshalb gibt es Luxus-Autohändler und Gebrauchtwagenhändler.

      Und nochmal: Unterscheidest Du eigentlich zwischen neben- und hauptberuflich oder zwischen Fotografen mit und ohne Meisterbrief? Die Hauptberuflichen ohne Meisterbrief haben doch die gleichen Bedingungen wie diejenigen mit Meisterbrief.

      Mein Marktverständnis:
      Ich wiederhole mich: Lasst doch eben diesen Markt und den Kunden die Spreu vom Weizen trennen. Ich wiederhole mich nochmal mit einem anderen Beispiel: Menschen mit hohem Einkommen, die sich eine Hochzeit für 25.000 Euro leisten, werden sicher nicht am Fotografen sparen. Die Frau von der Lidl-Kasse und der Altenpfleger hätten aber aber auch gerne schöne Hochzeitsbilder. Hochzeitsbilder, die Du möglicherweise als unprofessionell oder stümperhaft bezeichnen würdest. Sagen wir, dem wäre in der Tat so, wären sie dennoch besser als Smartphone-Bilder von Hochzeitsgästen.

      Vergleich mit Essen/Sicherheit:
      Der Vergleich gerät aus den Fugen. Du zählst Dinge auf, die in der Fotografie nicht gelten. Es gibt in der Fotografie keine Sicherheitsrisiken wie in der Gastronomie. Es sei denn, man phantasiert sich eines zusammen, wie beispielsweise das Blitzgerät 5cm vor ein bereits geschädigtes Auge zu halten und auszulösen. Aber das wäre grob fahrlässig und auch eine Privatperson müsste bei so etwas haften.
      Für die Sicherheit hat ein Meisterbrief in der Fotografie im Gegensatz zum Dachdecken oder Auto reparieren keine Relevanz. Durch eine falsche Belichtung oder unscharfe Bilder kann es zu keinem Verletzungsrisiko kommen.

      Miraculi:
      Den Vergleich, der sich durch Deinen Kommentar zieht, finde ich unpassend. Ich habe den Eindruck, dass Du Dir unter Fotografen ohne Meisterbrief eine Dilettanten vorstellst, der sich vor 2 Monaten eine Kamera gekauft hat und nach dem Lesen einiger Websites ein Gewerbe angemeldet hat.

      Nachbearbeitung:
      Wenn sich jemand nicht Fotograf nennen soll, weil er nachträglich viel bearbeitet und das Bild gleich richtig aufgenommen sein soll, frage ich mich, weshalb man immer wieder liest, dass Fotografen mitunter wegen der Bildbearbeitung im Nachhinein Ihre Preise rechtfertigen.

      Ausbildung und Berufsbezeichnung:
      Formel 1… komischer Vergleich. Lass uns doch bei realistischen Vergleichen bleiben. Und das Ausmaß von Fehlern in der Fotografie sind für die meisten Kunden überschaubar. Ich streite nicht ab, dass ein Meisterbrief eine sehr profunde technische Ausbildung darstellt. Ich würde mir niemals anmaßen, etwas anderes zu behaupten. Doch viele Kunden interessieren sich gar für technisch perfekte Produkte, sondern für perfekt in Szene gesetzte Motive. Auch das wird ein Fotograf mit Meisterbrief drauf haben. Aber andere eben auch. Beispielsweise Kameramänner, die über zur Fotografie wechseln möchten. Sollen diese etwa erst einmal eine Ausbildung zum Fotografen einschl. Meisterbrief machen, während der Fotograf es umgekehrt einfacher hätte?

      Wenn Du sagst, dass Filme entwickeln und auch dessen praktischer Einsatz statt einfach nur der Theorie unbedingt zum angewandten (!) Fachwissen gehören muss, dann handelt es sich um Handwerk. Gut, dann darf sich eben nicht jeder Analogfotograf oder Filmentwickler nennen. Ich bin übrigens Chemiker/Ingenieur. Daher erlaube ich mir zur sagen, dass man die Filmentwicklung durchaus auch dem Berufsfeld eines Laboranten anstelle eines Handwerkers zuordnen kann. Man sagt schließlich Fotolabor und nicht Fotowerkstatt. Unter diesem Aspekt könnte man auch von Laborantenzwang statt Meisterzwang sprechen 😉

      A propos Chemiker: Die Berufsbezeichnungen Chemiker, Physiker oder Betriebswirt ist im Gegensatz zu Ingenieur rechtlich nicht geschützt. Für mich ist es auch deshalb unverständlich, dass die Berufsbezeichnung des Fotografen geschützt werden soll. Dipl-Chem., Dipl.-Phys., Dipl.-Kaufm. sind die geschützten Bezeichnungen. Insofern kann sich der Fotograf mit Meisterbrief als Fotografie-Meister oder wenn denn möchte als Meisterfotograf von den anderen Fotografen unterscheiden.

      Weshalb denn keine Ausbildung an einer Akademie oder Kunsthochschule mit Praktika? Weshalb unbedingt Handwerk? Es wäre internationaler ausgelegt, man käme mit weitaus mehr anderen angehenden Fotografen in Kontakt, man trifft international renommierte Fotografen als Gastdozenten. Und aufgrund der Größe einer solchen Institution hat man auch die Möglichkeit, sich mit anderen, verwandten Gebieten zu befassen, beispielsweise Druckverfahren (z.B. HdM Stuttgart). Abitur/Fachabitur haben abhängig vom Bundesland ohnehin immer mehr. Und zusätzlich könnten sich ja besonders Talentierte auch mit einem Portfolio bewerben, wie auch in der Musik oder anderen künstlerischen Disziplinen.

      Da Du das viele Geld für den Meistertitel ansprichst, und unabhängig von der Fotografie : Ein kontroverses Thema. Denn es fördert die bis ins Mittelalter zurückreichende Tradition, dass die Kinder den Beruf der Eltern weiterführen. Dagegen ist natürlich auch heute per se nichts einzuwenden, versteht mich nicht falsch. Doch Handwerksbetriebe bringen das Geld für die Ausbildung eines Meisters sicherlich leichter auf, wenn es sich um den Sohn oder die Tochter handelt, die den Betrieb weiterführt. Das Kind eines Altenpflegers hat diese Voraussetzungen nich in gleichem Ausmaß. Kann sein, dass es sich in der Fotografie etwas anders verhält als in klassischeren Handwerksberufen. Sicher gibt es Förderungen, aber generell sollten die Kosten und deren Finanzierung überdacht werden.

      Diejenigen, die schon seit 10 Jahren hauptberuflich fotografieren und es ernst meinen, zeigen ihre Ernsthaftigkeit Deiner Meinung nach also, wenn sie mit drei Kindern erst einmal weniger Geld generieren, dafür aber Geld in eine Meisterausbildung stecken?

      Wenn ich es richtig verstehe, bedeutet der Meisterzwang lediglich, dass nur Meister Aufträge annehmen können. Das hindert diese Gewerbeinhaber allerdings nicht, angelernte Angestellte auf die Kunden loszulassen, die die Tätigkeit letztlich durchführen. Das wird in der Fotografie aber eher nicht der Fall sein, denke ich. Nur selbstständig bzw. als Gewerbetreibender arbeiten darf an beim Meisterzwang eben nur noch mit Meister. Bitte um Korrektur, falls ich es falsch verstehe.

      Fotografie ist mehr als schöne Bilder:
      … sagt die Fachjury. Profis sagen Amateuren, dass sie Amateure sind. Dabei haben sie auch recht.
      Doch am Ende – außerhalb einer Fachjury, die Bilder anders betrachtet, geht es allen anderen eben doch vor allem um eines: Schöne – oder interessante – Bilder.

      Qualitätssteigerung durch Meisterzwang:
      Wäre dem so, dann müsste mit einem Meisterzwang die fotografische Qualität dermaßen durch die Decke gehen, dass New York, London, Tokyo voll mit deutschen Fotografen wäre. Und natürlich übertreibe ich! Ich meine nur: Natürlich genießt das dt. Handwerk einen guten Ruf. Doch, wenn uns die Welt um unsere Handwerksausbildung so beneidet, weshalb tun es andere Länder Deutschland nicht gleich? Andere Länder sind häufig einfach nur netter und sagen halt was nettes, während Deutschland gerne alles belächelt, was nicht ganz so perfekt ist, wie in Deutschland. Ob das mit der Perfektion stimmt oder nicht, sei dahingestellt.
      Ich bin häufiger in Japan. Schlechtere Qualität erlebe ich dort nicht. Insbesondere in der Holzverarbeitung. Japanische Holzmöbel sind qualitativ extrem gut. Zu einem günstigeren Preis. Made in Japan. Was die Fotografie betrifft, kann ich mir kein Urteil erlauben, ob uns die Welt wirklich um die dt. Fotografen beneidet. Gehört habe ich das bisher noch nie. Handwerk im allgemeinen: ja. Leica, Zeiss als Produkte: ja, Autos: hell, ja. Aber die Fotografie im speziellen?

      Meine persönlichen Interessen, die Du anfangs ansprichst:
      Finanziell: Null. Denn meine anderen Verpflichtungen würden das nicht zulassen. Reines Hobby und Interesse. Ich habe aber einige Bekannte, die davon betroffen wären. Nicht nur in der Fotografie. Einer von Ihnen ist gelernter Steinbildhauer, aber ohne Meister, der mittlerweile allerdings hauptberuflich etwas völlig anderes macht. Ich habe kein Gewerbe im Bereich Fotografie angemeldet. Und wenn, dann würde ich meine Bilder eher als Druck verkaufen. Das wären keine beauftragte, sondern bereits gemachte Bilder. Betroffen wäre ich vom Meisterzwang also nicht. Und möglicherweise mit lokalem Bezug, Motive, für die man sich nur in einer bestimmten Region interessiert. Erlös bei manchen Veranstaltungen außer den Unkosten für guten Zweck. Weiß ich noch nicht. Habe es noch nie ernsthaft in Erwägung gezogen. Finanzielle Interessen habe ich nicht ernsthaft. Bin realistisch.

      Insgesamt deckt sich meine Haltung mit der von Kai.

      Um noch einmal auf den Vergleich mit dem kochen zurückzukommen: Ich sprach von den Begriffen professionell und unprofessionell und davon, dass man das für Essen nicht verwendet. Klingt komisch, nicht wahr? Ebenso komisch klingt es bei professioneller und unprofessioneller Musik. Sagt keiner. Bei der Fotografie hat es sich so eingebürgert.
      Und ja, natürlich ist jemand, der zuhause für 4-8 Personen hervorragend kocht nicht automatisch jemand, der eine Restaurant-Küche mit 8 Angestellten am laufen hält und für 200 Gäste in 3 Stunden eine Auswahl von 8 Gerichten bereitstellen kann.
      Je mehr man bezahlt, desto mehr kann man auch erwarten. Wie gesagt, nicht alle können sich hochpreisige Fotos leisten. Ich halte die – sofern sie es sind – günstigeren Preise selbstständiger nebenberuflicher Fotografen ohne Meister nicht für eine Konkurrenz, sondern für eine Ergänzung. Ein Fiat 500 ist auch keine Konkurrenz für eine Mercedes C-Klasse.

      Viele Grüße,
      Tommy

    • Tommy sagt

      Hallo,

      wie sieht es eigentlich mit der Drohnen-Fotografie aus? Ist das Teil der Meister-Ausbildung? Oder die Unterwasser-Fotografie?

      Angenommen, es gäbe einen Meisterzwang und ich bin dt. Bergsteiger und Landschaftsfotograf, der auch Drohnenfotografie betreibt.. Ein Verlag, ein Museum oder ein Outdoor-Equipment Hersteller möchte gerne, das ich nach Mendoza, Argentinien fliege und in den Anden sowie in Patagonien in schwierigem Gelände Fotos mache und auch Videos mit den Einheimischen mache. Spanisch- und Deutschkenntnisse obligatorisch. Dürfte ich dann nur Videos drehen und für die Filme einen argentinischen oder chilenischen Fotografen, oder einen deutschen Fotografen mit Meisterbrief, der physisch dazu in der Lage und bereit ist, das zu tun, finden? Wo findet man so jemanden?

      Anderes Beispiel: Das Robert-Koch-Institut möchte einen Experten für Tropenkrankheiten nach Afrika schicken, um dort die Anwendung von Heilpflanzen gegen Malaria zu dokumentieren. Natürlich entstehen bei diesem Auftrag auch Fotos von Medizinmännern bei der Arbeit, etc. Soll dieser Tropenforscher etwa neben seinen fachlichen Assistenzen etwa auch einen gelernten Fotografen mitnehmen, der das fotografisch dokumentiert? Wir sprechen von begrenzten Forschungsmitteln.

      • Hey Tommy,

        Ich bezweifle, dass Drohnen- oder Unterwasserfotografie Teil der Meisterausbildung sind. Ich denke darum geht es dabei auch nicht. Die Meisterausbildung soll ja dazu anleiten ein solides Unternehmen zu führen und die fotografischen Grundlagen weiter zu vertiefen. Die Spezialisierung folgt danach. Aber deshalb kann ich Steffens Argumentation auch nicht folgen, dass ein Meister in jeder Situation ein perfektes Bild abliefern können muss.
        Ob es allerdings einen Meister braucht, oder ob es auch ein Gründerkurs tun würde, das stelle ich in Frage.

        Zu Deinem Argentinien-Beispiel:
        Hier muss man unterscheiden. Fliegt der Fotograf auf eigene Faust nach Südamerika und bietet die Ergebnisse später dem Verlag an, ist er eher als freischaffender Künstler oder Bildjournalist einzustufen. Falls er für den Equipment-Hersteller Werbefotos anfertigt, ist das gewerblich und wäre somit zukünftig auch meisterpflichtig.

        Der Forscher kann auch weiterhin uneingeschränkt Fotos machen, die sind ja nicht der überwiegende Teil der Arbeit. Radiologen fertigen ja auch Röntgenbilder an, die im Prinzip auch Fotografien sind und andere Forscher wieder Fotos von Mikroskopbildern. Dennoch wären sie von der Meisterpflicht nicht betroffen, weil für sie die Fotos nur die Dokumentation ihrer Forschung darstellen.

        Aber ja, die Grenzen sind oft fließend.

        • Thomas sagt

          Eben, es existieren mittlerweile weitaus mehr Arten der Fotografie.

          Mit dem Argentinien-Beispiel meinte ich, dass ein Fotograf erst einmal die physische Verfassung und die Landessprache drauf haben sollte, wenn er sich auf ein solches Projekt begibt. Das ist wichtiger als ein Meisterbrief. Anders ausgedrückt: Will man Bilder aus dem Himalaya oder den Anden, engagiert man einen Bergsteiger, der auch fotografieren kann und nicht einen Fotografen mit Meisterbrief, der schon mal in den Alpen wandern war 😉

          Die Grenzen sind fließend. Ja. Beispiel Bewerbungscoach oder Web-Designer: Sie beraten ganzheitlich. Es geht um die kompletten Bewerbungsunterlagen und wenn er auch Bewerbungsfotos anbietet, sollte er doch nicht zu einem Fotografen mit Meistertitel weiter schicken müssen.

          Ein weiterer Punkt ist ja, dass Meisterzwang nur bedeutet, dass nur noch Meister Aufträge annehmen dürfen. Garantiert ist dadurch nicht, dass eine Hochzeit nicht doch zu 80% von einem Auszubildenden oder einer sonstigen Person ohne Meisterbrief durchgeführt wird. Gleiches gilt für Bewerbungsbilder.

  6. Dr. Waschk Henning sagt

    Bei der Fotografie und dem wirtschaftlichen Erfolg eines Fotografen entscheidet doch wohl eher die Ästhetik des Bildes denn irgendwelche Meistebriefe. Gefällt das Portfolio dem potentiellen Kunden, wird der Fotograf (mit oder ohne Ausbildung) gebucht. Da kann ein fundiertes Wissen über Bildgestaltung sicher hilfreich sein. Aber es ersetzt eben nicht auch den künstlerischen Aspekt. Wer den Weg über die Meisterausbildung geht, beherrscht die Regeln, aber vermag er sie auch gekonnt zu brechen. Dies ist der wesentliche Unterschied zu anderen Meisterberufen. Ein Elektriker oder Dachdecker muss nicht kreativ sein (kreativität ist nicht gleichzusetzen mit Innovationsfähigkeit), er muss präzise arbeiten. Qualität ist bei diesen Berufen direkt messbar: Betriebssichheit, Lebensdauer und Verfügbarkeit des Produktes, etc. die Qualität einer Fotografie ist da doch eher subjektiv. Sie muss gefallen. Im Übrigen gibt es noch andere Berufe, die keine direkte Ausbildung bedürfen: Der technische Redakteur, der Schlagersänger (in der DDR war das anders), der Fussballer, der Berater, …. Die weinen auch nicht rum. Sich darauf zurückzuziehen, dass Fotografen ohne Meistertitel ja ruhig weiter künstlerisch aktiv sein dürfen ist so verlogen. Wer soll den davon leben können. Also bitte. Der Fotograf, der erfolgreich ist, der liefert auch Qualität. Im Umkehrschluss habe ich mich schon über genug meisterhafte Leistung geärgert. Aber bitte, diese Wertung ist rein subjektiv.

    • Thomas sagt

      Lieber Henning,

      das sehe in jedem Satz, den Du schreibst genauso und möchte nochmals ergänzen: Es gibt eigentlich nicht einmal mehr einen handwerklichen Aspekt in der Digitalfotografie. In der analogen Fotografie gab es das noch beim Entwickeln. Und selbst dort: Man spricht (sprach) von Fotolabor und nicht von Fotowerkstatt. Die Grenzen sind sicherlich fließend und möglicherweise sehe ich als Chemiker/Ingenieur das ganze unter Labor als unter Handwerks-Aspekt. Doch für die Digitalfotografie ist es ohnehin irrelevant.

      Meisterausbildungen haben in vielen Bereichen einen sicherheitsrelevanten Aspekt: Dachdecker, Maurer, uvm. Und die Qualität bzw. deren Fehlen macht sich manchmal erst nach einigen Jahren bemerkbar. Bei Fotos erkennt man die Qualität offenkundig sofort. Außerdem ist der wirtschaftliche Schaden mangelhafter Bilder weitaus geringer als bei vielen anderen (tatsächlichen) Handwerksberufen.

      Viele Grüße,
      Tommy

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