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Meine Suche nach einer Dropbox-Alternative für Fotografen

Dropbox-Alternative für Fotografen

Im Mai, auf dem Höhepunkt des DSGVO-Wahnsinns, habe ich angefangen nach einer Dropbox-Alternative zu suchen. Am Anfang dachte ich eigentlich, dass sich das relativ einfach einfach gestalten würde und mit einer Google-Suche, kurzem Vergleichen und einer Umzugsphase erledigt wäre. Falsch gedacht! Ich habe es nicht für möglich gehalten, aber selbst im Jahr 2018 ist es nicht wirklich leicht einen guten Cloud-Speicher-Anbieter zu einem akzeptablen Preis zu finden.

Meine Anforderungen an eine Dropbox-Alternative

Zugegeben, einige meiner Anforderungen sind speziell für Unternehmer oder Fotografen relevant, und nicht für Privatpersonen, die meisten sind aber universell. Ich nutzte Dropbox bisher als zusätzliches Off-Site-Backup für meine Lightroom-Kataloge mit Smart-Previews. Wie genau, könnt ihr in meinem Artikel mit 5 Workflow-Tipps für Lightroom nachlesen.

1. Serverstandort in der EU oder noch besser in Deutschland

Wenn die DSGVO eine Sache gekonnt eingeführt hat, dann ist das Rechtsunsicherheit. Um an dieser Stelle auf Nummer sicher zu gehen und auch sogenannte Auftragsdaten-Verarbeitungs-Verträge abschließen zu können – Dropbox scherte sich da nämlich einen Scheiß drum – wollte ich gerne auf einen Anbieter aus Europa zurückgreifen, noch besser auf einen deutschen Anbieter.

2. Selektive Synchronisation von Ordnern

Selektive Synchronisation habe ich bei Dropbox sehr zu schätzen gelernt. Dabei zieht man zuerst einfach einen Ordner in den Dropbox-Ordner auf dem Rechner. Sobald der hochgeladen ist, kann man in den Einstellungen einen Haken vor dem Ordnernamen wegnehmen und schwups ist der nur noch in der Cloud und nicht mehr auf der lokalen Festplatte gespeichert. Das spart natürlich Speicherplatz. Wenn man ihn irgendwann wieder braucht, geht man wieder in die Einstellungen der App und setzt den Haken wieder vor den Ordner. Der wird dann runtergeladen. Das sollte die neue Cloud-Lösung auch können.

3. Native Mac- und iOS-App

Die selektive Synchronisation funktioniert natürlich nur mit einer anständigen App. Die sollte sowohl für Mac OS, als auch iOS verfügbar sein, die Betriebssysteme, mit denen ich arbeite. Außerdem sollen die Apps nativ, also speziell für das jeweilige Betriebssystem geschrieben sein. Warum das wichtig ist, erkläre ich später noch.

4. Mindestens 1TB Speicher zu einem ähnlichen Preis wie Dropbox (ca. 10-20€)

Dropbox ist ganz klar der Marktführer und setzt somit auch den Standard beim Preis. Das eine gute Alternative nicht unbedingt zum gleichen Preis verfügbar ist war mir klar. Zu viel ausgeben wollte ich aber auch nicht. Deswegen habe ich mir ein monatliches Budget von 20€ gesetzt. Das ist dann schon doppelt so teuer. Im Business-Bereich ist aber oft alles ein wenig teurer, weil mit der Software im Gegensatz zum Privatnutzer ja auch Geld verdient wird.

Mein Speicherplatzbedarf liegt zwar nicht bei 1TB, ich möchte aber beim Arbeiten nicht allzu sehr darüber nachdenken, ob ich jetzt die eine Datei noch hochladen kann, oder nicht. Daher lieber ein wenig Luft nach oben.

5. Mindestens 30 Tage Backup

Das ist eine Funktion, die ich echt nur ganz selten benötige. Wenn es dann aber mal soweit ist, dass eine Datei oder ein Ordner fehlt, bin ich jedes Mal froh sie zur Verfügung zu haben. Zum Beispiel wenn der Lightroom-Katalog mal kaputt geht.

6. Ordentliche Rechnung mit MwSt-Ausweisung

Eine fehlende ordentliche Rechnung hat mich bei Dropbox immer mega genervt. Zugegeben, ich habe nicht den Business-Tarif gebucht, aber der ist auch erst ab 3 nutzenden Personen nutzbar. Und ich arbeite nun mal allein. Viele der großen US-firmen mit EU-Sitz in Irland bieten inzwischen an, dass man seine USt-Nummer eingibt und die Rechnung dann ohne MwSt. ausgestellt wird. Bei Dropbox war das nicht möglich und so entging mir jeden Monat ein kleiner Betrag an Vorsteuer.

Die Anbieter

Bei meiner Suche habe ich verschiedene Lösungen verglichen, eine Möglichkeit habe ich aber außen vorgelassen: Owncloud. Owncloud ist die Open-Source-Variante von Dropbox, die man auf seinem eigenen Server installieren kann. Da ich Owncloud aktuell parallel zu Dropbox für ein privates Projekt nutze, kannte ich die App schon und wie bei den meisten Open-Source-Apps lässt die Usability hier leider zu wünschen übrig. Außerdem ist es umständlich zwei komplett von einander getrennte Owncloud-Systeme zu betreiben (Firma und privates Projekt). Dazu kommen immer noch relativ hohe Kosten für einen gemanagten Server mit ausreichend Speicherplatz. Da ist man dann ganz schnell bei 50-100€ im Monat bei Festplatten mit 1TB aufwärts.

Deshalb bin ich bei spezialisierten Anbietern für Cloud-Speicher geblieben. 

Diese Dropbox-Alternativen habe ich mir angeschaut:

Der Platzhirsch: Dropbox

Aufgrund der Datenschutz-Bedenken bei einem Serverstandort in den USA wollte ich weg von Dropbox. Was mir bisher sehr gut gefallen hat, war die Mac-App. Die funktioniert einfach. Punkt. Es gibt keine Verbindungsprobleme, Up- und Download sind schnell und sie ist gut ins Betriebssystem integriert. Das zeigt sich zum Beispiel an Einträgen im Menü, das erscheint, wenn man mit der rechten Maustaste auf eine Datei oder einen Ordner klickt. Dort findet sich dann die Möglichkeit Ordner oder Dateien direkt zum Download freizugeben oder andere Dropbox-Nutzer zur Zusammenarbeit einzuladen.

Da wären wir auch schon bei einem großen Vorteil des Marktführers: Es gibt viele Nutzer, sodass die Zusammenarbeits-Features auch Sinn ergeben. Davon habe ich persönlich nicht viele genutzt, deswegen trauere ich dem nicht wirklich nach.

Die iOS-App ist auch gut, ich habe sie oft zum Austausch von Bildern zwischen Rechner und Handy genutzt. Zum Beispiel um Bilder für Instagram zu übertragen. Auch hier gab es kaum Probleme. Nur die Funktion zum Speichern der Fotos auf dem iPhone war tief in Untermenüs versteckt. Das war in einer früheren Version der App besser gelöst.

Der Spießer und der Unbekannte: Telekom Magenta Cloud /  Strato HiDrive

Spießerin? Ja. Für mich kommt die Telekom leider nicht vom grauen Spießer-Image weg. Da können die noch so oft Festivals sponsorn, veranstalten oder elektronische Musik supporten – die Produkte müssen eben auch stimmen.  Und die Magenta Cloud ist keine Dropbox-Alternative, sondern eine Katastrophe! Ständige Verbindungsabbrüche, fehlerhafte Uploads, mehrfache Abstürze mit Vollauslastung des Prozessors und eine schlecht programmierte App.
Die scheint nur eine Hülle zu sein, sodass der Entwickler die Software nur einmal schreibt, und dann für jedes Betriebssystem nur die Hülle ändern muss. So wie das auch bei der Bestell-Software von Saal-Digital der Fall ist. Ich musste mich mehrmals täglich in einem Programmfenster neu anmelden, das offenbar nur eine Website mit dem Anmelde-Formular enthält.
Eine native App hätte die Zugangsdaten direkt in der App gespeichert. Solche Software scheint mir ein Symptom deutscher Unternehmen zu sein, die meisten amerikanischen Unternehmen bauen immer gleich für alle großen Betriebssysteme native Apps. So schwer kann es also nicht sein.

Nach einer Woche voller Probleme habe ich den Test abgebrochen. 63 Ein-Sterne-Bewertungen von 86 Bewertungen insgesamt im App Store sprechen für sich.

Der einzige Lichtblick war der Service-Mitarbeiter am Telefon. Der konnte mir zwar nicht helfen, war aber sehr freundlich und bemüht. Schade, dass die Telekom nicht aufwacht. Sie hätte die Chance ein großer Konkurrent zu Dropbox zu werden. Aber einem Unternehmen dem Kunden-Feedback scheißegal ist, und das nur halbgare Lösungen anbietet, möchte man einfach nicht seine Daten anvertrauen. Egal ob dabei die Server in Deutschland stehen. 

Zugegeben, Stratos HiDrive habe ich nicht wirklich getestet. Das lag vor allem daran, dass die Screenshots der Mac-App im App Store genauso aussahen, wie bei der Telekom-App. Ich vermute, dass die gleiche Software, vielleicht sogar die gleiche Server-Infrastruktur verwendet wird. Nach den schlechten Erfahrungen mit der Magenta Cloud verging mir gleich die Lust, das Angebot auszuprobieren. Die Preise sind allerdings mehr als fair und günstiger als Dropbox: 1TB kostet im ersten Jahr 1€, ab dem zweiten Jahr dann 7,50€. Dazu kommen noch 10 € Einrichtungsgebühr. Einrichtungsgebühren scheinen ein deutsches Ding zu sein. Bei allen englischsprachigen Anbietern ist die Einrichtung mit in den monatlichen Preis eingerechnet.

Das Unreife: Adobe Creative Cloud

In meinem Creative Cloud-Abo für die ganze Kreativ-Software, die ich nutze, sind auch 100GB Cloud Speicher enthalten. Klingt erstmal gut. Laut diesem Paper von Adobe liegen die europäischen Daten auf europäischen Servern von Amazon. Das ist für die meisten größeren Online-Firmen(Netflix, AirBnB, Pinterest) der Standard. By the Way – Amazon hätte ich mir auch mal anschauen sollen. Vielleicht kommt das in der Zukunft nochmal. Zurück zu Adobe. Auf der Website kann man den Speicherplatz aktuell nicht erweitern, der telefonische Support sagte mir aber, dass ich dafür ein weiteres Abo zum regulären Preis (59,49€) abschließen müsste. Doppelt so teuer also. Wer nur das Foto-Abo mit Lightroom und Photoshop nutzt, kann statt den enthaltenen 20GB Cloudspeicher auch eine Variante mit 1TB buchen, die kostet mit 23,79€ aktuell 11,90€ mehr als das normale Foto-Abo. Damit ist es also auch teurer als Dropbox.

Abgesehen davon, dass es keine selektive Synchronisation gibt, wirkt das Cloud-Angebot von Adobe noch nicht so richtig ausgereift. So wie es aussieht, soll es später mal das Sammelbecken für alle Daten aus Lightroom CC, gekauften Dateien von Adobe Stock und selbst erstellten Grafiken aus den Illustrator- und Indesign-Bibliotheken werden. Der Upload von einigen Daten war zudem recht langsam und die App hat sich ab und zu aufgehängt. Nicht ganz so schlimm wie bei der Telekom, aber auch nicht so fehlerfrei wie Dropbox.

Im Ganzen ist die Creative Cloud keine Lösung für mich, zumindest als größerer Datenspeicher.

Der Gewinner: Tresorit

Am Ende bin ich bei einer schweizer Firma gelandet – Tresorit. Die wirbt vor allem damit, dass alle Daten Ende-zu-Ende-verschlüsselt sind. Das heißt, die Daten werden schon verschlüsselt, bevor sie auf die Reise zum Rechenzentrum geschickt werden.

Der Preis ist ebenfalls völlig okay – 20€/Monat für 2TB – und die App ist herrlich! An manchen Stellen, wie zum Beispiel bei der selektiven Synchronisierung ist sie sogar durchdachter als die von Dropbox. Bei letzterer muss man sich dafür durch einige Menüs klicken. Das ist bei Tresorit besser gelöst. Ein weiteres cooles Feature ist die Möglichkeit jeden Ordner auf dem Rechner zu synchronisieren und so seine bestehende Ordnerstruktur zu behalten. Es muss nicht mehr alles in einem Dropbox-Ordner liegen.

Dass die Tresorit-Entwickler es Ernst meinen mit der Sicherheit, merkt man schon bei der Anmeldung. Dort muss man zusätzlich zum Passwort einen Sicherheitsschlüssel generieren, verbunden mit dem Hinweis, dass das Tresorit-Team die Daten nicht wiederherstellen kann, wenn man den Sicherheitsschlüssel verliert. Auch das Passwort sollte man nicht verlieren, das lässt sich nicht wiederherstellen. Es lässt sich nur in den Kontoeinstellungen verändern, wenn man Zugriff darauf hat.

Auch andere Kleinigkeiten wie ein Ablaufdatum, Passwortschutz und ein Limit der Downloadzahl für freigegebene Links, sowie unendliche Dateiversionen sind super!

Ein paar Minuspunkte hat allerdings der Upload gesammelt. Besonders wenn man sehr viele kleinere Dateien hochlädt, wie die Vorschaudateien im Lightroom-Katalog, zeigt die Anzeige immer maximal „Noch 5 Dateien“ an. Obwohl es mitunter mehrere tausend sind. Das Hochladen ist gefühlt auch ein wenig langsamer als bei Dropbox. Das schiebe ich mal auf die Verschlüsselung. Hier ist auf jeden Fall noch Luft nach oben.

Fazit

Wie ich schon am Anfang schrieb, hätte ich nicht gedacht, dass es so schwer sein würde eine Dropbox-Alternative zu finden. Zum Glück bin ich fündig geworden. Ein Cloudspeicher ist aus meinem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken. Auch nach mehreren Monaten bin ich noch froh über die Wahl von Tresorit.

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