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Testbericht Olympus 17mm f1.8 – Leichtes MFT-Pancake-Objektiv für Reisen

Olympus 17mm f1.8 - Kompaktes Reiseobjektiv für Micro Four Thirds

Zu unseren Flitterwochen hatte ich mir 2014 als kleinen Reisebegleiter eine Olympus OMD E-M10 gekauft. Eine tolle Kamera, die alles kann, was ich so an einer Kamera brauche. Außer gut in meiner riesigen Hand liegen. Das kann meine Canon 5D Mk IV (Testbericht) immer noch deutlich besser als viele andere Kameras. Bei einer Systemkamera für Reisen nehme ich diesen kleinen Mangel an Komfort als Gegenleistung für weniger Gewicht und Größe aber auch mal in Kauf.

Vor einiger Zeit ist dann aber leider das mitgekaufte 14-42mm Kit-Objektiv kaputtgegangen. Der Motor, der den Zoom ausfährt, ist wohl im Rucksack beschädigt worden. Daraufhin lag die Kamera über ein Jahr erstmal in der Ecke. Fürs Rumliegen war sie mir aber definitiv zu schade, auch wenn sie nun schon ein wenig in die Jahre kommt. Ist ja schon praktisch und schön leicht, so eine kleine Kamera.

Also habe ich mich auf die Suche nach einer kompakten und lichtstarken Festbrennweite begeben. Da ich an der 5D meistens mit meinem Sigma 35mm Art* fotografiere, fiel die Wahl gleich auf den Brennweitenbereich um die 17mm. Das entspricht an einer Micro Four Thirds (MFT)-Kamera mit Crop-Faktor zwei dann 34mm im Kleinbild. Also die klassische Reportage-Brennweite.

Ein Bild vom Gardasee, mit dem 14-42mm Kit-Objektiv der OMD aufgenommen

Es musste auch nicht unbedingt f1.4 oder f1.2 sein, aber mehr als die f2.8 des günstigeren Olympus 17mm auf jeden Fall. Auch wenn mir der Verkäufer eines Bremer Geschäfts genau das aufschwatzen wollte. Eine größere Blende kann man eben nicht durch einen Stabilisator ersetzen, weil die Schärfentiefe eine ganz andere ist. Und die ist bei einer MFT-Kamera aufgrund des halb so großen Sensors sowieso schon geringer als bei einer Vollformat. 

Die Suche nach dem 35mm Äquivalent

Zur Auswahl standen dann drei Objektive: Das Panasonic/Leica Summilux 15mm 1.7, das relativ neue Sigma 16mm 1.4 aus der Contemporary-Serie für kleine spiegellose Kameras und das 17mm 1.8 von Olympus.

Das 17mm 1.2 aus Olympus Pro-Serie war außerhalb meines Budgets und zusätzlich viel zu groß und klobig. Auch das Panasonic war auf dem Gebrauchtmarkt relativ teuer, das Sigma dort gar nicht erst im Angebot. Auf der Photokina hatte ich auch gesehen, wie groß das eigentlich ist. Das passt natürlich nicht so gut zu einer möglichst kompakten Reise-Kamera. Mit dem Kit-Objektiv passte die OMD schließlich in alle meine Jackentaschen.

Wegen der kompakten Größe und des deutlich geringeren Preises fiel die Wahl am Ende auf das Olympus 17mm f1.8. Zwar ist das Panasonic/Leica dem Olympuslaut DXOMark auf dem Papier in Sachen Schärfe deutlich überlegen, insgesamt sollte es zum Kit-Objektiv aber immer noch ein ordentliches Upgrade sein.

Die Altstadt von Malaga – Olympus 17mm f1.8

Bildqualität des Olympus 17mm f1.8

Ein Hinweis zu Beginn: Dieser Test ist nicht wissenschaftlich, sondern nur ein persönlicher Erfahrungsbericht aus dem echten Leben. Labor-Daten könnt Ihr Euch besser bei den einschlägigen Seiten im Netz suchen.

Schärfe

Als ersten Test habe ich die Canales-Talsperre in der Sierra Nevada fotografiert. Um die Bilder wenigstens einigermaßen vergleichen zu können, habe ich die RAWs auf 4000px-Jpegs heruntergerechnet, wieder in Lightroom importiert und dort die Vergleichen-Ansicht ausgewählt.

Als erstes fällt auf, dass der Bildwinkel des Olympus ein wenig enger ist, als der des Sigmas. Und das obwohl die Brennweite umgerechnet auf das Kleinbildformat mit 34mm eigentlich ein wenig kürzer sein sollte. Der Unterschied ist aber auch nicht wahnsinnig groß.

Die Canales-Talsperre – Einmal mit dem Olympus 17mm f1.8 an der OMD E-M10 (Hi-Res-Download)
Und einmal mit dem Sigma 35mm 1.4 Art an der 5D Mk IV (Hi-Res-Download)

Das Sigma wirkt im Vergleich immer ein kleinwenig kontrastreicher und schärfer. Das kann man insbesondere an den Felsen am unteren rechten Bildrand erkennen. In den Bildecken trennt sich bei Weitwinkel-Objektiven die Spreu vom Weizen.

In der Bildecke: Links das Olympus 17mm, rechts das Sigma 35mm

Mittig im Bild ist der Unterschied dann auch nicht mehr ganz so groß, wie man im Bild unten erkennen kann.

Bildmitte

Das war jetzt der Test in der spanischen Mittagssonne, wo viel Licht und harte Kontraste vorherrschen. Übrigens ist das Bild mit dem Olympus 17mm bei Blende f5.0 und das mit dem Sigma 35mm bei f5.6 gemacht. Beide sind auf den Felsblock, der im Wasser steht, fokussiert.

Centre Pompidou bei f1.8 mit dem Olympus 17mm (Hi-Res-Download)
Centre Pompidou bei f1.8 mit dem Sigma 35mm Art (Hi-Res-Download)

Im Dunkeln bei Blende f1.8 ist der Unterschied dann nochmal deutlicher. Hier habe ich den Centre Pompidou fotografiert und bin genauso vorgegangen, wie beim Bild der Talsperre. Unten links im Bild sieht man hier die Leuchtreklame des Hard Rock Cafés. Und die ist beim Sigma deutlich schärfer abgebildet.

Links wieder das Olympus, rechts das Sigma

In der Bildmitte ist aber wieder alles vollkommen in Ordnung, auch bei Offenblende f1.8. Da ich gerne mit weit geöffneter Blende fotografiere, ist mir da die Leistung wichtig.

Klar, das Sigma liegt bei der Schärfe immer vorne. Allerdings kostet das neu auch knapp doppelt so viel wie das Olympus. Insgesamt betrachtet bin ich deshalb mit der Schärfe des Olympus sehr zufrieden.

Flares und Gegenlicht

Da ich gerne und viel bei Gegenlicht fotografiere, und sich die Sonne bei dieser Brennweite auch gerne mal im Bild befindet, ist die Abbildung von Flares auch sehr wichtig für mich. Viele Fotografen würden am liebsten ganz auf Flares verzichten, ich finde sie nicht weiter schlimm, solange sie gut aussehen. Klar ist es ärgerlich, wenn die Reflektionen direkt auf einem Gesicht liegen, das sieht man aber oft schon beim Fotografieren, besonders mit einer spiegellosen MFT-Kamera. Ich hab hier mal zwei Beispiele rausgesucht, wo sich die Flares gut erkennen lassen.

Sonne bei f11.0 in Wernigerode

Bei weiter geschlossenerer Blende bildet sich an hellen Lichtquellen, wie der Sonne, meist ein Stern. So auch beim obigen Bild des Schlosses in Wernigerode. Hier sehen die Flares auch nicht besonders schön aus. Am Sigma sind die auch bei geschlossener Blende deutlich gefälliger, wie man am folgenden Bild erkennen kann. Die Vergütung des Olympus scheint einfach nicht ganz so gut zu sein. Aber auch hier sollte man sich wieder den Preis vor Augen führen.

Am Lago Maggiore mit dem Sigma 35mm Art an der 5D Mk II

Bei extremen Kontrasten, wie diesem Scheinwerfer vor dem dunklen Nachhimmel, fällt das natürlich noch mehr ins Gewicht. Wobei ich das Leuchten um den Scheinwerfer an sich bei Blende f1.8 deutlich schöner finde. Die grünen und pinken Flares hingegen stören hier sehr, allerdings habe ich die auch extra für dieses Testbild provoziert.

Blende f1.8

Bokeh

Das Bokeh ist am Rand zwar ein wenig von chromatischen Aberrationen geprägt, ansonsten aber relativ weich. Schade, dass die Kreise auch in der Mitte nicht ganz rund sind. Ansonsten gefällt mir das Bokeh des Olympus sehr gut.

Tipp: Falls Du lernen willst, wie du am besten so ein schönes Bokeh erzeugst, lies doch mal mein Tutorial für einen unscharfen Hintergrund

Wenn man wie ich vom Kleinbild verwöhnt ist, mag es vielleicht ein wenig zu unruhig anmuten. Das ist aber einfach dem kleineren Sensor zuzuschreiben. Die Frage ist auch hier: Was wäre die Alternative? Das Bokeh des Olympus 17mm 1.2 Pro ist nicht viel schöner, also müsste man zur größeren Kamera mit dem größeren Sensor greifen. Neuere Smartphones, die andere Option, bieten immer noch nicht genügend Qualität für solche Fotos.

Blende f1.8

Handling, Verarbeitung und Autofokus

Ich hab das Objektiv wie gesagt gebraucht gekauft, da gibt es dann schon mal ein paar Schrammen. Das finde ich aber überhaupt nicht schlimm, solange die optische Performance davon nicht beeinträchtigt wird. Gerade weil ich mit meinem Equipment nicht besonders behutsam umgehe.

Eine Gegenlichtblende wird beim 17mm nicht mitgeliefert. Die ist für einen stolzen Preis von aktuell über € 60,00 separat erhältlich.

Das Gehäuse ist relativ leicht und kompakt und fühlt sich an der OMD genau richtig dimensioniert an. Schön gelöst finde ich auch den Fokusring. Um manuell zu fokussieren zieht man den Ring einfach Richtung Kameragehäuse und schon erscheint die Entfernungsskala.

Der Fokusring des 17mm 1.8

Der Autofokus ist allerdings sowohl mit der Gesichtserkennung, als auch mit den Fokuspunkten schnell und zuverlässig. So sollte das manuelle Fokussieren nicht allzu oft nötig sein. Aber schön, dass man die Möglichkeit dazu hat. Mit Fokus Peaking ist das ja auch sehr genau.
Angenehm ist auch die geringe Lautstärke. Neben dem leisen Rauschen des Bild-Stabilisators im Kameragehäuse konnte ich keine Fokusgeräusche wahrnehmen.

Fazit

Ob du nun allein mit einer Weitwinkel-Festbrennweite im Urlaub auskommst, musst du natürlich selbst entscheiden. Ich bin aber ein wenig erstaunt über die gute Bildqualität des Olympus 17mm f1.8. Man kann zwischen dem Olympus und dem Sigma 35mm Art an der 5D Mk IV zwar einen Unterschied sehen, der fällt aber viel geringer aus, als ich vermutet hatte.

Wenn du also gerade auf der Suche nach einem leichten und kompakten Reise-Objektiv für deine Micro-Four-Thirds-Kamera bist, kann ich dir das Olympus bedenkenlos empfehlen. Das gehoffte Upgrade vom Kit-Objektiv ist es für mich auf jeden Fall. Insbesondere auf Grund der höheren Lichtstärke. Aber auch Schärfe und Look überzeugen mich.

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5 Kommentare

  1. Umgerechnete 35mm waren lange Zeit meine Lieblingsbrenntweite (Canon 5D 35mm, Fuji X 22mm).

    Ich bin aber inzwischen auf 28 mm umgestiegen. Vor allem deshalb, weil ich dann alles mit einer Brennweite schieße. (meine Telefon hat auch 28 mm Äquivalent)

    Ich würde die Frage, ob es im Urlaub auch nur mit einer Weitwinkel-FB geht, mit „Ja!“ beantworten. Anfangs habe ich mich daran gestört, dass ich keine „tollen Porträts“ schießen kann. Inzwischen machen mir gerade die viel Spaß. Unsere Sehgewohnheiten verändern sich ja durch die Flut an Smartphone-Fotos auch.

    LG vom Wannsee,

    Sebastian

    • Hey Sebastian! Vielen Dank für den Kommentar! Ich versuche auch immer wieder mit 28mm klarzukommen, aber das gelingt mir leider nicht so gut, wie mit 35mm. Da ist immer zu viel drauf 😉 Bei den Smartphones ändert sich das ja auch inzwischen mit mehreren Kameras pro Gerät. Aber cool, dass du alles mit 28mm machst!

      Grüße von der Delme,
      Kai

      • Ja. So war es bei mir auch. Ich habe es immer wieder versucht, weil ich es wollte. Und war dann doch enttäuscht.

        Das hat sich irgendwie geändert, als wir ein Kind bekommen haben. Da war ich eh immer „dicht dran“ und habe mich dann dran gewöhnt.

        Und ich habe mal meine ganzen Fotos ausgewertet. Die 35mm Fotos waren „besser“, formal und technisch. Aber die 28er waren die, die ich „interessant“ fand. Die mich reingezogen haben.

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