Testbericht Silbersalz35
Analoge Fotografie, Test & Technik

Testbericht Silbersalz35 – Cinefilm für Fotografen

Kai

EUR 39.90 – das ist der Einführungspreis für vier Rollen Cinefilm. Inklusive Entwicklung und Scan. Ein Kampfpreis. Allein die Entwicklung und ähnlich hoch aufgelöste Scans kosten bei anderen Laboren pro Film zwischen EUR 19.00 und EUR 25.00. Ohne den unbelichteten Film versteht sich. Aber kann die Qualität da mithalten? Ich habe mir ein Viererpack 250D bestellt und das Ganze in Málaga mal ausprobiert.

Das Konzept von Silbersalz35

Das Konzept in Kurzfassung: Silbersalz verpackt Original Kodak Cinefilm in die von Fotografen benötigten Patronen mit 36 Bilder ab. Diese werden dann auch im gleichen, sich leicht vom Foto-Prozess C41 unterscheidenden ECN-2-Verfahren entwickelt, wie die Filme fürs Bewegtbild. Alle Pakete enthalten 4 Kleinbild-Filme mit verschiedenen Empfindlichkeiten und unterschiedlichem Weißabgleich inklusive Entwicklung und Scan. Mehr dazu in meinem ersten Artikel zu Silbersalz35.

Die Idee Entwicklung und Scan zu den Filmen dazu zu liefern finde ich erstmal großartig und bequem. Auch die Möglichkeit endlich Cinefilm zum Fotografieren zu nutzen und ihn im dafür vorgesehenen Prozess entwickeln zu können ist super.

Die schicke Filmdose, in der die Silbersalz-Filme kommen
Die schicke Filmdose, in der die Silbersalz-Filme kommen

Der Prozess

Der Ablauf ist ganz einfach. Man bestellt sich ein Paket mit Filmen, macht Fotos, schickt sie (auf eigene Kosten) wieder zurück und erhält dann nach ein paar Tagen den Downloadlink. Bei der Bestellung kann man zwischen vier verschiedenen Filmen für Tageslicht (50D oder 250D) und Kunstlicht (200T oder 500T) wählen. Auch drei gemischte Packs stehen zur Verfügung. Zusätzlich kann man gegen einen Aufpreis von EUR 10.00 noch den Rückversand der Negative dazubestellen.

Im Download-Ordner finden sich dann die üblichen farbkorrigierten JPEG-Dateien. Zusätzlich kann man noch auf TIFFs zurückgreifen. In denen ist auch die Gradationskurve mit dem Color Grading als eigene Ebene gespeichert, sodass man auch Zugriff auf den Roh-Scan hat.

Qualität

Anfangs war ich mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Die Bilder lagen aber trotzdem noch ein wenig auf der Festplatte, bis ich Zeit hatte mich näher damit zu beschäftigen. Zwischenzeitlich habe ich immer wieder die Ergebnisse und Erfahrungen anderer Fotografen in Andrés Facebook-Gruppe gesehen und war dann überrascht, was man noch alles aus den Negativen herausholen konnte. Offenbar gibt es auf Seiten von Silbersalz noch ein wenig Nachholbedarf bei der Bearbeitung der Negative. Denn Weiß- und der Schwarzpunkt passen bei ganz vielen Bildern nicht. Dadurch erscheinen sie viel dunkler, als die Scans eigentlich sind.

Das fertige Bild hat nach der Grundkorrektur in Photoshop noch eine Bearbeitung in Lightroom bekommen

Das kann man im obigen Beispiel ganz gut sehen. Das zweite Bild habe ich so von Silbersalz bekommen. Nachdem ich in Photoshop die Schwarz- und Weißpunkte in jedem Farbkanal richtig gesetzt hatte, ergab sich ein etwas zu kühles Bild, das aber schon viel heller war und mehr Details in den dunklen Stellen zeigte. Die Methode habe ich übrigens auch von André gelernt und weiter unten erklärt. In Lightroom habe ich dann den Weißabgleich noch etwas angepasst und den Kontrast wieder etwas erhöht, damit das Bild näher an der Realität kommt. Damit bin ich dann auch sehr zufrieden.

Man munkelt, dass die fehlerhaften Schwarz- und Weißpunkte dadurch zustande kommen, dass Silbersalz aus dem Bewegtbild kommt. Dort werden bei den langen Filmrollen die Punkte nur beim ersten Bild gesetzt, das in den Scanner kommt. der Rest wird dann gleich gescannt. Es wird also vermutlich nicht jedes Bild einzeln von einem Mitarbeiter farbkorrigiert. Das würde auch den günstigen Preis erklären.

Leichte Wellen im Bild. Vom Scan?

Bei manchen Scans gibt es eine Wellenbildung. Da kann ich aber nicht sagen, ob das durch die Kamera oder den Scan verursacht wurde.

Nachtrag 26.07.19: In Andrés „The Classic Presets“-Facebook-Gruppe wurde ich von Johannes Schmidt darauf hingewiesen, dass es sich hier um Stiching-Fehler handeln könnte. Demnach kann möglicherweise der Silbersalz-Scanner kein komplettes Fotonegativ auf einmal scannen, weil im Super35-Format aus der Video-Welt das Bild um 90° gedreht ist. Dadurch kann man mehr Bilder auf einen Film bekommen, hat aber natürlich ein kleineres Bild. Ein Video-Scanner muss bei einem Foto also mehrere Scans machen, die im Anschluss wie ein Panorama zusammengesetzt werden.

Super 35- und Fotografie-Format im Vergleich

Um zu richtig guten Ergebnissen zu kommen, muss man ein wenig nacharbeiten. Nervig ist dabei, dass die Tiff-Dateien von Silbersalz ohne Kompression gespeichert wurden, sodass Dateigrößen zwischen 300 und 500MB pro Bild keine Seltenheit sind. Sie kommen zwar jeweils einzeln als Zip-Datei. Man könnte aber beim Speichern im Tiff selbst genauso gut die verlustfreie Zip-Kompression einschalten, um auch bei entpackten Tiffs eine Menge Speicherplatz zu sparen. Immerhin sind die Ebenen mitgespeichert, sodass man die Gradationskurve und die Beschriftung auf dem Rand des Negativs ausschalten kann. Inzwischen sollen wohl auch direkt die rohen Scans mitgeliefert werden. Im Rückblick bin ich aber froh die Tiffs zu haben.

Sehr gut gefallen hat mir hingegen der Spielraum, den der Film in der Nachbearbeitung bietet. Man kann im Gegensatz zu vielen anderen Filmen noch eine Menge herausholen. Bis zu 2 Blendenstufen in der Belichtung sind bei den meisten Bildern kein Problem. Auch größere Kontrastanpassungen steckt der Film gut weg. Da merkt man, dass das Kodak Vision 3-Material extra dafür hergestellt ist in der Post-Production eines Kinofilms noch einen individuellen Look zu bekommen. So sehen Dunkirk (visuell großartig übrigens) und Justice League komplett unterschiedlich aus, obwohl beide dasselbe 250D und 500T Filmmaterial benutzen.

Toller Dynamikumfang: Der Rohscan mit manuell gesetzten Schwarz-/Weißpunkten

Beeindruckend ist auch der Dynamikumfang. Den habe ich zwar nicht gemessen, aber selbst in der hellsten Mittagssonne in den Bergen sind sowohl in den Schatten, als auch in den Lichtern alle Details vorhanden. Ich habe übrigens alle Fotos eine Blendenstufe überbelichtet.

Fertig bearbeitetes Bild. Allerdings nur die Lichter zurückgeholt und Schwarztöne etwas abgedunkelt.

Farben

Wenn die grundlegende Farbkorrektur des Negativscans gut gemacht ist, bietet der Film auch in den Farben sehr viel Spielraum. Beim folgenden Bild habe ich nur am Weißabgleich und an den HSL-Reglern ein wenig rumgedreht und konnte zwei sehr unterschiedliche Looks erzeugen.

Die Farbbearbeitung mache ich meist mit Lightroom, weil ich das deutlich einfacher und schneller finde.

Schwarzpunkt und Weißpunkt setzen in Photoshop

Ein wichtiger Schritt um alles aus den Negativen herauszuholen ist das Setzen des richtigen Schwarz- und Weißpunkts. Am besten geht das mit einer Einstellungsebene Gradationskurven. Dort gibt es im Kontextmenü (die drei kleinen waagerechten Striche oben rechts in dem Bedienfeld) den Punkt „Auto-Optionen“. Im Dialog, der sich nach einem Klick dann öffnet, funktioniert der Algorithmus „Kontrast kanalweise verbessern“ am besten in Kombination mit dem gesetzten Haken bei „Neutrale Mitteltöne ausrichten“.

Das ist ein guter Startpunkt, allerdings gibt es noch bessere Ergebnisse, wenn man manuell noch ein wenig nacharbeitet. Insbesondere, weil die Automatik gerne vom Negativrand der Scans verwirrt wird.
Das geht aber relativ einfach, indem man die einzelnen Farbkanäle im Dropdown-Menü der Gradationskurven auswählt. Alternativ kann man auch die Tastenkombinationen Alt + 3 für Rot, Alt + 4 für Grün und Alt + 5 für Blau benutzen. Dann hält man die Alt-Taste gedrückt und schiebt die beiden pyramidenförmigen Regler soweit Richtung Mitte, bis die ersten Bildinhalte schwarz bzw. in rot/grün/blau hervortreten. Dann sind sie ausgebrannt, was man natürlich vermeiden möchte. Es gilt also den Punkt zu finden, in dem keine wichtigen Bildinhalte verloren gehen. Der Negativrand darf natürlich komplett schwarz sein und die Sonne ist meist so hell, dass sie auch fast weiß ist.

Mit gedrückter Alt-Taste kommen die ausgebrannten Bildteile gut zur Geltung.

Manchmal passen dann nach der kanalweisen, manuellen Anpassung die Farben noch nicht ganz, dann kann man den Schwarz- und Weißpunkt pro Kanal noch einmal ein wenig verschieben. Da ist eventuell etwas Tüftelei gefragt, aber je öfter man das macht, desto leichter wird es.

Blick von der Seilbahn Thale im Harz. Schönes Licht = Schöne Farben

Fazit

Am Ende werde ich das Gefühl nicht los, dass ich mit Portra 400 und einem guten Scan aus dem Foto-Labor fast die gleichen Ergebnisse bekommen hätte. Allerdings hätte ich dann um die EUR 130.00 statt EUR 39.90 gezahlt. Ist Silbersalz also die Billig-Lösung für die Analogfotografie? Vielleicht. In jedem Fall finde ich das Konzept schlüssig und das Filmmaterial an sich bietet eine hervorragende Basis mit schönen, neutralen Farben. Wenn zukünftig jetzt noch die Qualität steigt, wovon ich ausgehe, ist Silbersalz35 ein großartiges Produkt! Probiert es einfach mal aus!

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5 Kommentare

  1. Helmut Rings > ex FILM 16 Filmprod. + Film-Labor 02224/9020655 sagt

    Werter Kai Kutzki, – interessant, interessant, – der Sinn einer 1-Bl-Überbelichtung erschließt sich mir nicht.
    Mit der erhöhten Deckung im Negativ (komplementär weiß) und der Neutraldichte (komplementär schwarz) wird die Distanz zwischen weiß und schwarz erhöht, das Weiß wird noch weißer als weiß und verliert an Durchzeichnung. Wenn man z.B. 500ASA durch sie Vision 3 T-Graintechnik zur Verfü- gung hat, sollte man sie auch nutzen.
    In der Cinefilmpraxis war immer eine gute Sättigung in der Belichtung gefragt, war man etwas über einer 5.6, vielleicht bis zu einem 1/3, dann nahm man die 5.6 und das war es.; 1 Blende ??
    Nichts gegen Experimente, aber was wäre denn bei einer „Normal“-Belichtung zu erwarten ?
    Mit freundlichem Gruß Helmut Rings

    • Lieber Herr Rings,

      vielen Dank für Ihren sachkundigen Kommentar!
      Wie ich schon schrieb, ist dies mein erster Versuch mit Cinefilm-Material.
      Von den Foto-Filmen bin ich es so gewohnt insbesondere bei Bildern mit großem Dynamikumfang die Schatten korrekt zu belichten, weil die Negativfilme in den Lichtern meist ziemlich gutmütig sind. Um schneller zur arbeiten habe ich dann in der Belichtungsautomatik der Kamera einfach eine Blende überbelichtet. Das ist zwar ziemlich Pi-mal-Daumen aber passt oft ganz gut.
      Insofern habe ich – aufs ganze Bild gesehen – oft vermutlich gar nicht überbelichtet.

      Hoffentlich hilft mein Kommentar Ihnen weiter.

      Herzliche Grüße,
      Kai Kutzki

  2. Helmut Rings > ex FILM 16 Filmprod. + Film-Labor 02224/9020655 sagt

    Werter Kai Kutzki, besten Dank für Ihre Anwort; aber mir ist wohl nicht zu helfen. Denn die Frage bleibt weiterhin offen, welche Vorteile und welchen Nutzen eine generelle 1 BL-Überbelichtung der
    Cinefilm-Negative erbringen soll. – Kodak Vision3 Farb-Negative 50 D (25 DIN) – 200 T (24 DIN) –
    250 D (25 DIN) – 500 T (28 DIN) – T-Negative mit 85-Konversionsfilter jeweils minus 2 DIN auch auf
    Tageslicht verwendbar; waren die in den 80igern von der Film-Kameraseite erwünschten Vorgaben.
    Was soll man nun Fotografen empfehlen? Ich wurde schon gefragt, ich habe mich herausgehalten.
    Mit freundlichem Gruß Helmut Rings

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