Fotografie

Mein Bond-inspiriertes Fotoshoot mit Rollei Spot-Vorsatz

Kai

Seit längerer Zeit beschäftige ich mich sehr intensiv mit Kinofilmen. Das hat zum einen damit zu tun, dass Video-Kreation einen immer größeren Stellenwert in meiner Arbeit einnimmt und zum anderen damit, dass man so eine Menge über Lichtsetzung, Colorgrading und Kameraführung lernen kann. Deshalb gucke ich Filme, die mich visuell ansprechen, oft mehrfach und oft mit einigem zeitlichen Abstand. Insbesondere dieser Abstand lässt einen immer wieder neue Dinge entdecken.

Vor dem Start des letzten Bond-Films No Time To Die im vergangenen Herbst habe ich mir die anderen Daniel Craig-Filme noch einmal angeschaut. Insbesondere Skyfall hat es mir angetan. Die Eröffnungsszene wollte ich daraufhin unbedingt nachstellen. Das wäre aber ein bisschen zu wenig gewesen und deshalb habe ich mir ein Moodboard mit einem wilden Mix aus Film-Szenen, Set- und Magazinfotos zusammengestellt um ein Serie zu fotografieren.

Konzeption

Zunächst möchte ich euch aber einmal in die Planung des Shoots mitnehmen. Bei meiner Hommage an die Daniel Craig-Ära war es mir wichtig die Essenz von seinem Bond einzufangen: Eleganz, Zeitlosigkeit gepaart mit etwas Rückbesinnung auf die alten Filme und ein wenig Härte.

Deshalb war auch die Wahl der Waffen wichtig: Die Pistole Walther PPK, schon lange ikonisch mit Bond verbunden, ist nach der moderneren P99 von Pierce Brosnan eine Rückbesinnung auf die alten Bond-Filme. Das Gewehr durfte zeitgemäßer sein, da fiel die Wahl auf das HK 416. Beide natürlich als ungefährliche Softair-Waffen.

Hauptinspiration für die Bilder war die bereits erwähnte Eröffnungsszene in Skyfall. Für diesen Film hat Kameramanns Roger Deakins sogar einen Oscar bekommen. Dazu kamen die Szene am Ende in Bonds Geburtshaus, das GQ-Covershoot des Fotografen Lachlan Bailey von April 2020 und das Single-Cover des Spectre-Titelsongs von Sam Smith.

Das ist eine relativ diverse Auswahl und ich habe lange gegrübelt, wie ich das harte und extrem fokussierte Licht hinbekomme, das sowohl für die „sonnigen“ Studiofotos, als auch für die Eröffnungsszene funktioniert. Bei den Studiofotos soll hartes, gerichtetes Sonnenlicht imitiert werden, bei der Filmszene dieser kleine Lichtfleck, der durch ein Loch in der Wand zu kommen scheint.

Licht

Die wichtigste Eigenschaft des harten Sonnenlichts ist, dass die Lichtstrahlen fast parallel laufen, weil die Sonne so weit entfernt ist. Dadurch sind die Schatten auch so scharf gezeichnet. Am Ende bin ich daher einem in der Fotografie offenbar relativ selten eingesetzten Lichtformer gelandet, einem Gobo-Projektor / Spot-Projektor / Projektionsvorsatz. Jedenfalls finden sich im Netz vergleichsweise wenige Artikel dazu und mein Foto-Händler war etwas irritiert, als ich danach fragte. Er hat in seinem gesamten Berufsleben noch nie einen verkauft…

Mit den „Spachteln“ kann das Licht präzise eingestellt werden

Schade, denn dieser Spotvorsatz ermöglicht mit dem mitgelieferten Objektiv genau das, was ich wollte. Und noch mehr: Durch die vier Metallblenden, lassen sich nicht nur ein perfekter Kreis – oder mit den Gobos auch verschiedene Muster – an die Wand projizieren, sondern auch ein exakter kleiner Lichtfleck wie in Skyfall.

Witzigerweise hat sich der geschätzte Kollege Markus Thoma quasi zeitgleich zu mir ebenfalls einen Spot-Vorsatz gekauft und experimentiert im Moment auch damit herum. Während er dabei hauptsächlich mit LED-Lampen arbeitet, wollte ich den Vorsatz gerne mit meinen Profoto-Blitzen einsetzen. Da die Produktion des zudem extrem teuren Profoto-Vorsatzes eingestellt wurde, musste ich etwas suchen, bis ich ein passendes Modell gefunden habe. Mein Modell ist von Rollei* und baugleich mit dem DP-Ø6 von Jinbei, dem deutlich teureren von Lindsay Adler gebrandeten Westcott-Modell und diversen weiteren China-Modellen bei Amazon*.

Beim Rollei-Sportvorsatz* lässt sich der Anschluss von Bowens auf Profoto umrüsten

Schön an meiner Variante ist, dass man mit vier Schrauben den Bowens-Anschluss gegen einen günstigen Profoto-Anschluss austauschen kann. Eine weitere gute Funktion ist der Anschluss des Objektivs. Der ist nämlich als EF-Bajonett ausgelegt. Somit kann jede Canon-Kompatible Linse genutzt werden. Nur relativ lichtstark sollte sie sein, sonst verliert man sehr viel Leistung.

Für das Bild mit dem Lichtkreis und die Eröffnungsszene habe ich die mitgelieferte 150mm-Linse benutzt, sonst mein 35mm Art. Damit laufen die Lichtstrahlen zwar nicht mehr so parallel, aber die scharfen Kanten lassen sich dennoch damit erreichen, sofern man gut fokussiert.

Die Licht-Setups

Für den sonnigen Porträt-Look mit den klaren Schatten habe ich nur den Sportvorsatz benutzt. Für die anderen Studio-Bilder meinen Elinchrom Deep White Umbrella 125cm mit Diffusortuch.

Beim Eröffnungsszenen-Bild kam zum Spotvorsatz noch ein zweiter Blitz zum Einsatz, der den „Raum“ hinter dem Durchgang aufgehellt hat. Auch eine Nebelmaschine war am Start. Bei dem Bild wo das Gewehr feuert, blitzt der Spotvorsatz von rechts und von vorne ins Gesicht ein zweiter Blitz mit CTO-Folie und sehr geringer Leistung. Das Mündungsfeuer ist in Photoshop entstanden.
Das Bild, wo Philip über die Stadt guckt, ist spontan entstanden und nur mit Tageslicht in der Dämmerung fotografiert.

Kamera

Eine Besonderheit gab es bei diesem Shoot: Ich durfte die Fuji GFX 50S mit der Normalbrennweite 63mm F2.8 von Probis ausleihen, weil wir nebenbei noch B-Roll-Videos für ein YouTube-Video gedreht haben. Vielen Dank dafür!

Einige der Fotos sind auch mit der 5D Mark IV und dem Sigma 50mm Art fotografiert. Weil ich mit dem Servo-AF der Fuji auf die Schnelle nicht so gut klar kam, habe ich für die Fotos in Bewegung kurz zur vertrauten Canon gegriffen.

Ich wage aber mal zu behaupten, dass du kaum erkennen kannst welches der Fotos mit welcher Kamera gemacht wurde.

Photoshop Speededit: Bond inspiriertes Action-Fotoshoot
Dieses Video ansehen auf YouTube.
In diesem Speededit kannst du sehen wie ich eines der Bilder bearbeitet habe

Nachbearbeitung

Die Nachbearbeitung habe ich hauptsächlich mit Lightroom und den Classic ECN-2* und Classic Film Presets* von The Classic Presets erledigt. (Mein Interview mit André Duhme, dem Gründer von TCP, kannst du hier lesen. )

Der Schwarzweiß-Look beruht auf dem TRI-X 400 EV +-0, der farbige Studio-Look auf dem Portra 400 UC EV -2 und die szenischen Bilder auf dem T800 night scene.

Die Bilder

Das Shoot zu planen und zu fotografieren war ein hartes Stück Arbeit und am Ende bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Nun aber viel Spaß mit den Bildern. Wenn Du Fragen hast, schreib gerne einen Kommentar!

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