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Was kann man als Fotograf gegen den Klimawandel tun? – Teil 2: Mobilität

Ein alter Mini am Straßenrand in London – Was können Fotografen gegen den Klimawandel tun?

Wie toll ist es bitte sich mal eben ins Auto zu schwingen und irgendwo hinfahren zu können, wo man tolle Fotos machen kann? Oder mal eben für ein Wochenende nach Barcelona zu fliegen zu einem zweistelligen Ticketpreis? Ohne Frage, diese Freiheit habe auch ich die letzten Jahre oft genossen.

Wir Fotografen sind zudem beruflich stark auf Mobilität angewiesen, können allein aber schlecht mehr öffentlichen Nahverkehr aufbauen. Deshalb habe ich hier ein paar Tipps zusammengestellt, wie man seinen ökologischen Fußabdruck beim Reisen und im Verkehr verkleinern kann.

WICHTIG: Ich möchte dir nicht vorschreiben, was du tun sollst. Im Gegenteil: Was und ob du davon später etwas umsetzt ist natürlich deine Entscheidung. Ich möchte dir nur ganz viele Möglichkeiten aufzeigen, was du persönlich tun kannst.

Auto fahren

Nachdem es in Teil 1 meiner Serie zum Klimawandel um den größten Sektor beim CO²-Ausstoß ging, die Energie, kümmern wir uns in diesem Artikel um den nächstgrößeren, den Verkehr. Da gibt es die paradoxe Situation, dass sich der CO²-Ausstoß pro Fahrzeug in den letzten 25 Jahren bei PKW um 15% und bei LKW sogar um 30% reduziert hat, der Gesamtausstoß ist bei PKW aber um 0,5% gestiegen, bei LKW sogar um 20% (Quelle). Die Ursache dafür ist laut Umweltbundesamt die bei Diesel-PKW um 322% und bei LKW um 70% gestiegene Fahrleistung.

Auf die 69,4 Mio Erwachsenen(Quelle) in Deutschland kommen aktuell 47,1 Mio PKW. Das sind knapp 7 Millionen mehr als 1995 (Quelle). Und dass das nicht so weiter gehen kann, lässt sich jeden Tag in den Verkehrsnachrichten und den übervollen Innenstädten beobachten. Laut dem gerade von der Heinrich-Böll-Stiftung und dem VCD veröffentlichte Mobilitätsatlas 2019 sind in Deutschland inklusive der Parkflächen 58% aller Verkehrsflächen für Autos reserviert. Und das obwohl Nur 30% der Wege mit dem Auto zurückgelegt werden.

1. Gar nicht fahren. Oder weniger.

Wenn man sich in Hochzeitsfotografen-Jobbörsen bei Facebook umschaut kann man oft nur mit dem Kopf schütteln. Zahlreiche Kollegen bewerben sich für zweistündige Jobs am anderen Ende der Republik. Dass das nicht nur betriebswirtschaftlich, sondern auch von der Klimabilanz absolut sinnlos ist brauche ich hier glaube ich nicht weiter auszuführen.

Am besten für das Klima wäre es gar kein Auto mehr zu fahren. Das ist natürlich wenig praktikabel, besonders wenn man mit einem Kofferraum voll Foto-Equipment zu einem Job muss. Das lässt sich nunmal nicht so gut in der Bahn mitnehmen.

Aber überleg doch mal welche deiner aktuell mit dem Auto zurückgelegten Strecken überhaupt sein müssen und nicht vielleicht ausfallen können. Die Fahrt zum Kundenmeeting, dessen Inhalte vielleicht auch am Telefon oder per Videochat besprochen werden können oder die halbe Stunde morgens im Stau auf dem Weg ins Büro, wenn die gleiche Strecke mit Fahrrad oder Bahn vielleicht sogar schneller zurückgelegt werden kann. Vielleicht kann sogar das Büro in die eigene Wohnung oder in die nähere Umgebung davon verlegt werden. Mir gehts hier erstmal um die Analyse des eigenen Verhaltens. Falls du dich bisher vor den Öffis gescheut hast, probier sie doch einfach mal aus.

Ich bin bis vor kurzem zum Beispiel die drei Kilometer zum wöchentlichen Schwimmtraining mit dem Auto gefahren, weil ich dachte, dass ich danach zu kaputt bin um mit dem Fahrrad zu fahren. Auch der Faktor Zeit hat da für mich eine Rolle gespielt. Jetzt bin ich die Strecke aber schon ein paar mal mit dem Rad gefahren und es war nicht nur fast genauso schnell (fünf Minuten Unterschied), sondern ich konnte auch das Warmup verkürzen, da ich auf dem Fahrrad ja schon den Kreislauf und zumindest die Beine in Schwung gebracht habe. Mal abgesehen davon, dass es sowieso paradox ist mit dem Auto zum Sport zu fahren, versuche wir jetzt generell auf solche Kurzstrecken zu verzichten und das Auto so viel wie möglich stehen zu lassen.

2. Kurzstrecken vermeiden

Laut einer gerade im September veröffentlichten Studie des Verkehrsministeriums sind 50% aller Fahrten mit dem PKW 6,7 km oder kürzer. Diese Kurzstrecken verbrauchen auch deutlich mehr Kraftstoff, wie ein Test von Autobild zeigt. Ein Golf V zum Beispiel hatte bei der 3km-Testfahrt zum Bäcker einen Verbrauch von 11,7l/100km Super-Benzin. Damit weicht er 86% von der Werksangabe ab, die bei 6,3l liegt.

Laut dem Verkehrsclub Deutschland liegt das daran, dass der Motor erst nach ca 4 Kilometern bei der richtigen Betriebstemperatur läuft. Vorher verbraucht er nicht nur deutlich mehr, sondern verschleißt auch viel stärker. Letzteres besonders stark beim Warmlaufen lassen im Stand. Daher empfiehlt de VCD direkt nach dem Start möglichst Sprit sparend loszufahren. Aber du siehst, diese Kurzstrecken sind ziemlich schädlich. Sowohl für die Umwelt, als auch für den Geldbeutel.

3. Sprit sparen = Geld sparen = Umwelt schonen

Wie man Sprit sparend fährt haben wohl die meisten in der Fahrschule gelernt. Hier noch einmal die wichtigsten zusammengefasst:

  • Früh schalten (bei 2000 U/min) oder Faustformel beachten (3. Gang bei 30 km/h, 4. bei 40 km/h, …)
  • vorausschauend mit genügend Abstand fahren
  • langsam fahren
  • „Getriebebremse“ nur bergab nutzen

» Mehr Spritspartipps gibt es beim VCD

4. Ridesharing

Wenn sich eine längere Fahrt mal nicht vermeiden lässt könntest du vielleicht jemanden mitnehmen, wenn noch Platz im Auto ist. Da ich hiermit aber noch keinerlei Erfahrung habe und auch viele negative Bewertungen über einige Plattformen gelesen habe, kann ich hier keine konkrete Empfehlung geben. Fahrgemeinschaften sind aber in jedem Fall eine gute Möglichkeit CO² pro Person einzusparen.

5. Fahren wir in Zukunft alle Elektroautos?

Meiner Meinung werden Elektroautos einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zu einer klimaneutralen Gesellschaft leisten. Wird zukünftig jeder ein Elektroauto fahren? Ich denke nicht. Denn allein diese Frage basiert auf der Annahme, dass die Rolle des Autos in der Gesellschaft gleich bleibt. Die muss und wird sich aber grundlegend ändern. Sobald flächendeckend neue Mobilitätskonzepte wie Carsharing, Ridesharing oder selbstfahrende Autos verfügbar sind wird das so schnell gehen wie das Videothekensterben durch Netflix. In den Städten und besonders bei jungen Menschen passiert das jetzt schon.

Durch eine bessere Vernetzung könnten zudem die Straßen viel effizienter genutzt werden. So könnte ein selbstfahrendes Auto, oder auch ein Taxi, das per App gebucht wird, zur Rush Hour ja auch mehrere Menschen auf der Route einsammeln. Da gibt es auch bei den Öffis noch großes Potential. Individuelle Mobilität setzt zukünftig – zumindest in der Stadt – nicht mehr unbedingt ein eigenes Auto voraus, das eh 95% des Tages rumsteht und Platz verbraucht. Dann bräuchten wir unsere Städte auch nicht mehr so stark auf das Auto ausrichten, was mehr Platz für wichtige Begrünung, Öffis, Fahrräder und Fußgänger lässt.

Aber zurück zum Elektroauto. Für den Weg zur Arbeit ist das perfekt, da dafür meist Strecken bis 50km gefahren werden. Und die lassen sich schon von Elektroautos mit kleinen Batterien meistern.

Die Fahrt in den Urlaub ist aber durchaus drin, man fährt eh nicht 1000km am Stück, da kann man in der Pause auch mal eben das Auto laden. Der Tesla Model 3, der zugegeben eine eher große Batterie hat, erzielt im ADAC Eco-Test eine realistische Reichweite von 425km. Das Laden auf 80% dauert etwa eine halbe Stunde. Man kann bei 120 km/h also ca 3 Stunden damit fahren. Das finde ich schon ziemlich alltagstauglich.

Angesichts der Seltenheit dieser vielzitierten Fahrt in den Urlaub kann man aber wirklich überlegen, ob ein Elektroauto mit kleinerer Batterie nicht ausreicht. Fall es überhaupt ein eigenes Auto sein muss. Für längere Strecken kann man dann ein passendes Auto mieten.

Mit dem Lastenfahrrad zum Foto-Job

Alternativen zum Auto

Nun hat man als Fotograf ja unter Umständen eine Menge Equipment dabei, das transportiert werden muss. Das ist zu Fuß oder mit dem Fahrrad eher schwierig. Wir haben uns vor kurzem ein Lastenfahrrad gekauft. Das ist für die Kurzstrecken z.B. zum Einkaufen auch mit Kind perfekt. Und ich kann mir sehr gut vorstellen damit auch zu einem Fotojob in der eigenen Stadt zu fahren. Bei einer Hochzeit auf Langeoog habe ich das schon mal ausprobiert und es hat super geklappt.

1. Lastenfahrrad

Da so ein Lastenrad mit ca 60kg aber ziemlich schwer ist, empfehle ich die Anschaffung der E-Bike-Version. Allerdings fällt damit das Unterstellen im engen Fahrradkeller leider aus. Bei unserem Babboe City-E können aber 60kg in die Kiste geladen werden. Das ist schon eine ganze Menge. Für die 2,70m-Hintergrundrolle reicht der Platz nicht ganz, Stative, Blitzköpfe und Kameratasche passen aber allemal.

2. Dienstfahrrad

Was viele gar nicht wissen: Seit 2012 sind Dienstfahrräder steuerlich den Dienstwagen gleichgestellt. Bis 2021 werden dienstlich genutzte (E-)Bikes sogar steuerlich begünstigt, indem für die 1%-Regel nur der halbe Bruttolistenpreis herangezogen wird. Selbstständige müssen bis 2021 keine Privatentnahme versteuern, wenn das Rad auch privat genutzt werden soll. Du kannst also ein Fahrrad genauso von der Steuer „absetzen“ wie ein Auto.

Mehr dazu bei Finanztip oder auf Jobrad.org.

3. Bahn

Bahn fahren hat ein ähnliches Problem wie Fahrrad fahren: Man kann nicht besonders viel Equipment mitnehmen. Allerdings lassen sich weitere Entfernungen mit der Bahn klimafreundlicher bereisen als mit Auto oder Flugzeug. Da aber unser Equipment immer kleiner, leichter und mobiler wird kann man den einen oder anderen Job aber vielleicht auch per Bahn erledigen. Oder sich alternativ das Equipment und vielleicht einen Mietwagen/ein Mietlastenrad vor Ort mieten.

Fazit

Muss man jetzt die eigene Mobilität einschränken? Das kommt auf die Sichtweise an, denke ich. Auf Kurzstrecken z.B. profitiert von Einschränkung deiner Wege mit dem Auto dein Geldbeutel, weil das Auto weniger Sprit verbraucht und deutlich weniger verschleißt und deine Gesundheit, weil du dich mehr bewegst. Auch wenn es ein bisschen weniger Komfort bedeutet.

Im nächsten Teil, der nächste Woche erscheint, geht es auch noch einmal um Mobilität, dann aber speziell um das Fliegen.

  • Teil 1: Energie
  • Teil 2: Mobilität
  • Teil 3: Reisen & Fliegen
  • Teil 4: Online & Awareness
  • Teil 5: Equipment

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Was können Fotografen gegen den Klimawandel tun? Teil 2: Mobilität
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2 Kommentare

  1. Hall Kai,
    danke für den tollen Artikel.
    Auto und Roller habe ich vor 7 Jahren abgestoßen und dafür ein Lastenrad gekauft (ohne Motor, denn es gibt ja auch leichtere Lastenfahrräder 😉 ).
    Damit mache ich dann meine gelegentlichen Fotojobs in meiner Stadt.
    Bereut habe ich diesen Schritt nie. Im Gegenteil. Es fallen monatliche Kosten weg, die nun in die Fotografie investiert werden können 🙂
    Ich verstehe aber, dass dies für manche Fotografen nicht möglich ist auf das Auto zu verzichten.
    Mittlerweile gibt es jedoch Möglichkeiten mit kleinem und wenig Fotoequipment ein super Ergebnis abzuliefern. Mehr als ein Lastenrad braucht man da nicht.
    Es gibt ja auch schon Lastenräder, die für Handwerker oder Zustelldienste konzipiert sind.
    Oder den elektrisch betriebenen „carla cargo“ Anhänger, den man sich hinten ans normale Rad hängt.
    Alternativen zum Auto sind also reichlich vorhanden.

    Beste Grüße
    Alex

    • Hallo Alex,

      vielen Dank, dass du von deinen Erfahrungen berichtest!
      Stimmt, viele Jobs können auch mit wenig Equipment erledigt werden. Und das wird auch immer besser. Gute Aussichten für die Zukunft also 😉

      Grüße,
      Kai

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