Food-Fotografie einfach lernen
Fotografie

Blitzen lernen Teil 7: Leckere Food-Fotografie mit einem Licht

Kai

Da man sich ja auch als Berufsfotograf immer fortbilden sollte, und außerdem einige Kundenanfragen zu Produktfotografie reinkamen, habe ich am letzten Wochenende mal in die für mich neue Food-Fotografie reingeschnuppert.

Und weil sich das Licht-Setup gut zum Nachbauen eignet, stelle ich es dir in meiner Serie „Blitzen lernen“ vor. Schau auch gerne mal in die anderen Artikel der Serie rein:

  1. Equipment für Blitz-Anfänger:innen
  2. Der integrierte Blitz
  3. Low-Key und Kantenlicht
  4. Rembrandt-Licht und Nebel
  5. 5 einfache Looks mit einem Aufsteckblitz
  6. Superweiches Fensterlicht
  7. Food-Fotografie mit einem Blitz
  8. Weiches Licht vs. Hartes Licht

Konzept

Für das Pesto-Foto wollte ich eine Szene erschaffen, die mittags in einer Küche in der Toskana spielt. Dabei fällt die Sonne durchs Fenster auf die Arbeitsplatte, auf der gerade das Pesto hergestellt wurde. Aus diesem Konzept leiten sich dann Licht, Requisiten, Hintergrund und Bearbeitung ab.

Beim Blitzen ist mein Ziel oft eine realistische, naturalistische Lichtstimmung, die Fotos sollen nicht »geblitzt« aussehen. Dafür bediene ich mich gerne bei einem Konzept aus dem Film: »Motivated Lighting«. Das bezeichnet den Ansatz das Licht von Story und Umgebung aus zu denken und das vorhandene Licht einer Szene ggf. nur zu verbessern. Wenn also in einer Szene rechts im Bild eine Lampe mit warmer Glühbirne steht, sollte das Hauptlicht, das die Person im folgenden Closeup beleuchtet, aus der gleichen Richtung kommen und eher warm sein. Dann ist es von der Umgebung »motiviert«.

Wenn man dem Ansatz folgt, und das Konzept bedenkt, gibt es für mein Bild nur eine Option: Hartes, Sonnenlicht, wie zur Mittagszeit. Das war an einem bedeckten Samstagmorgen im Februar gerade leider nicht verfügbar, daher musste ich es mit Blitzen nachstellen.

Lichtaufbau

Weil es die Sonne ja nur einmal gibt, habe ich auch nur einen Blitz benutzt, meinen Profoto D2. Alternativ kannst du einen Aufsteckblitz, echtes Sonnenlicht oder ein Dauerlicht nehmen.

Der D2 blitzt hier von rechts hinten ins Bild. Einen Lichtformer am Blitz habe ich nicht benutzt, weil Mittagssonne ja sehr harte Schatten wirft. Stattdessen habe ich unsere creme-weißen Baumwoll-Wohnzimmervorhänge genutzt. Die hängen hier auf einem Besenstiel, der mit einer Superclamp* auf einem zweiten Lichtstativ* befestigt ist. Du kannst stattdessen auch weiße Bettlaken, Duschvorhänge oder Tshirts nehmen.

Der Blitz müsste so ungefähr bei 8.0 gestanden haben, also bei einer Leistung von etwa 125Ws. Das ist aber mehr ein Startpunkt, je nach Blitzmodell müsst ihr die Einstellungen eh etwas anpassen.

In der Mitte zwischen den beiden Vorhängen ist ein Spalt frei gelassen, durch den der Blitz direkt auf das Pestoglas leuchtet. Dadurch liegt der Fokus auf dem Glas in der Mitte. Zum unteren Bildrand wird aber der Schatten des Knoblauchkorbs durch den Vorhang immer weicher.

Oben rechts war das Bild anfangs aber noch sehr leer. Deshalb habe ich kurzerhand eine von diesen klassischen Mineralwasserflaschen aus Glas knapp außerhalb des Bildes platziert. Die bricht das Licht schön und wirft einen Schatten ins Bild, der den leeren Raum füllt. Zusätzlich entsteht so eine natürliche Vignette, die den Blick noch mehr auf das Pestoglas in der Mitte lenkt.

Das Set mit de Foto-Tapete auf der Arbeitsplatte, rechts im Bild der Vorhang

Set und Requisiten

Für Unter- und Hintergründe gibt es tolle Produkte, wie die Duo-Boards von Vflatworld, oder die bei US-Produktfotografen beliebten Erickson Surfaces. Die sind allerdings auch sehr teuer. Ich bin daher in den Baumarkt gefahren und habe dort eine schöne Vinyltapete und zwei Schnittreste von Arbeitsplatten in Beton- und dunkler Stein-Optik gefunden. Zusammen haben die drei Artikel ca. 50€ gekostet. Damit waren sie also deutlich günstiger und die Arbeitsplatten sind zusätzlich stabiler und länger haltbar. Für das Foto habe ich die hellgraue, leicht wie Stein strukturierte Vinyltapete genutzt. Sie liegt auf der einen Arbeitsplatte. Die andere kannst du weiter unten bei den anderen Bildern sehen. Die Tapete hat von den drei Untergründen am besten zum Konzept gepasst, die anderen waren mir zu dunkel und das Bild hätte damit zu viel Kontrast.

Als Requisiten kommen eine Basilikum-Pflanze, ein Korb mit kleinen Knoblauch-Knollen und ein Rosmarin-Zweig zum Einsatz. Der Rosmarin-Zwei passt eigentlich nicht ganz, weil er keine Zutat des Pestos ist. Er sieht aber gut aus und passt in die italienische Küche. Es ist also plausibel, dass er da liegt, vielleicht von einem anderen Gericht, das noch in der Vorbereitung ist.

Der Basilikum-Topf ist nicht nur als Zutat des Pestos vertreten, sondern verleiht durch seine Größe dem Bild auch noch etwas Tiefe, weil die Blätter schon in der Unschärfe verschwimmen.

Technik: Welche Kamera und welches Objektiv für Food-Fotografie?

Als Kamera kam für das Pesto-Foto meine Canon 5D Mark IV (Testbericht) mit dem Sigma 50mm Art (Testbericht) zum Einsatz. Nicht verwirren lassen, auf dem Behind the Scenes-Foto oben sie mit dem 100mm Macro (Testbericht) zu sehen. Die Kamera habe ich gewählt, weil die 5D Mark IV mit 30 Megapixeln eine höhere Auflösung bietet, als meine beiden EOS R6 mit 20 MP. Zudem war der bessere Autofokus der R6 für Food-Fotos völlig unwichtig.

Für das 50 mm-Objektiv habe ich mich entschieden, weil es wie das Macro bei genügend Abstand sehr wenig verzerrt und somit das „Produkt“ gut abbildet, bei einer Perspektive von oben aber leichter zu benutzen ist. Mit dem 100 mm hätte ich für den gleichen Bildausschnitt auf einer Leiter stehen müssen.

Ein Objektiv mit einer Brennweite zwischen 50 und 100 mm dürfte in jedem Fall funktionieren, eine geringe Naheinstellgrenze ist dabe meist hilfreich. Achte beim Fotografieren nur darauf ob dein Objektiv das Bild verzerrt, wenn du sehr nah dran bist.

Die Kamera-Einstellungen

ISO100Möglichst niedrig, für wenig Rauschen. Durch den Blitz ist ausreichend Licht vorhanden
BlendeF8.0Für genügend Schärfentiefe bei geringer Entfernung zum Motiv
Verschlusszeit1/200sKürzeste Belichtungszeit, die bei meiner Kamera mit Blitzen synchronisiert werden kann.

Bearbeitung

Zum Schluss habe ich in Lightroom nur den Weißabgleich etwas angepasst, mein Portra 400-Preset drübergelegt um die Farben meinem Look anzugleichen und mit einem Pinsel das Pesto wieder etwas grüner gemacht. Das war beim wärmeren Weißabgleich etwas zu gelb geworden. Du siehst: viel passiert in der Nachbearbeitung nicht.

Vor und nach der Lightroom-Bearbeitung

Fazit

Mit diesem Bild bin ich sehr zufrieden, nur ein Löffel im Pesto und/oder ein paar herum liegende Pinienkerne oder ein Stück Parmesan wären vielleicht noch ganz gut gewesen. Das Licht mag ich, weil es sehr „echt“ aussieht und nicht „geblitzt“. Deshalb hab ich den gleichen Lichtaufbau auch noch bei ein paar Cocktail-Fotos benutzt und dabei nur die Hintergründe ausgetauscht und die Blitzleistung etwas variiert. Das Making-of des Pesto-Bildes gibt es auch als Reel auf meinem Instagram-Account.

Ich hoffe du siehst am Beispiel dieser Bilder, dass man mit nur einem Licht, Vorhängen und ein paar Teilen aus dem Baumarkt sehr sehr viel erreichen kann.

  1. Equipment für Blitz-Anfänger:innen
  2. Der integrierte Blitz
  3. Low-Key und Kantenlicht
  4. Rembrandt-Licht und Nebel
  5. 5 einfache Looks mit einem Aufsteckblitz
  6. Superweiches Fensterlicht
  7. Food-Fotografie mit einem Blitz
  8. Weiches Licht vs. Hartes Licht

Weitere Bilder

Shiitake-Pilze auf der Arbeitsplatte in Stein-Optik hier ist der Vorhang ganz zugezogen und erzeugt damit ein weiches Licht wie eine große Softbox.
Brombeer-Cocktail auf türkisem Foto-Karton
Arbeitsplatte in Stein-Optik als Untergrund und schwarzer Foto-Karton als Hintergrund. Der Blitz steht etwas weiter hinten als beim Pesto-Bild, damit das Licht mehr durch das Glas scheint und die Flüssigkeit zum Leuchten bringt.
Arbeitsplatte in Beton-Optik und selbst bemalter grüner Hintergrund, der in Lightroom viel dunkler gemacht wurde.

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Blitzen lernen: Leckere Food-Fotos Tutorial
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